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Technik Trends
Alles über OLED

Pixel für Pixel: eine D Installation mit OLED-Leuchtelementen. Foto © Getty Images

Alles über OLED

Die neue TV-Technik

Leuchtende Farben, hoher Kontrast, tiefes Schwarz: Die neue TV-TECHNIK hat viele Vorteile, ist aber teuer. Alles über OLED.

Das Schwarz macht den Unterschied: Tiefer, dunkler, unergründlicher geht es nicht. Wenn es auf einem OLED-Fernseher Nacht wird, dann ist wirklich zappenduster. Die Düsternis von "Game Thrones" etwa bekommt eine ganz neue bedrohliche Dimension. Schließlich spielt die Dunkelheit eine tragende Rolle, wenn die Nachtwache im Einsatz ist oder im Wald weiße Wanderer anrücken. Vor einem normalen Fernseher kann man bei solchen Szenen im Restlicht oft fast noch Zeitung lesen.


INNOVATIV: Bildschirme, bei denen die OLED-Technologie zum Einsatz kommt, brauchen keine separate Hintergrundbeleuchtung mehr. Die OLED-Pixel leuchten selbst und können Farben ohne weitere Filter darstellen. Und: Jedes Pixel kann dabei gezielt einzeln angesteuert werden.

Nur bei der OLED-Technologie ist Schwarz auch tatsächlich das reine, dunkle Nichts. Das liegt am Prinzip von OLED ("Organic Light Emitting Diode", Deutsch: organische Leuchtdiode). Um die innovative Technik zu verstehen, muss man sich den Aufbau eines Fernsehschirms vor Augen führen: Ein Display setzt sich aus Millionen winziger Bildpunkte zusammen, Pixel genannt. Bei der üblichen LED/LCD-Technologie, die heute bei den meisten Geräten eingesetzt wird, fungieren die LCD-Punkte, vereinfacht gesagt, als Farbfilter. Je nach Bildinhalt ändert das Pixel seinen Farbwert. Dass die Pixel leuchten, liegt an Lampen (oder kleinen Leuchtdioden, LEDs), die hinter diesen Filtern montiert sind. Das heißt: Ein mehr oder weniger großer Bereich des Schirms wird von nur einer Lichtquelle versorgt.


SPITZENKRAFT: Panasonics einziger OLED-Fernseher ist sanft gebogen, der untere Teil der Rückseite des 65-Zöllers ist mit feinem Alcantara bezogen. Preis: 9999 Euro

DAS PROBLEM BEIM SCHWARZ: Selbst ein völlig dunkles Pixel lässt ein wenig von dem Hintergrundlicht durch – aus Schwarz wird Dunkelgrau. OLED-Pixel dagegen brauchen keine Beleuchtung, sie leuchten selbst in der jeweiligen Farbe. Oder eben nicht, dann ist das Pixel aus – und tiefschwarz. "Während wir bei unserem besten LED/LCD-Modell 512 Zonen haben, in denen wir das Licht dimmen können, gibt es bei einem OLED in UHD-Auflösung praktisch acht Millionen", so Dirk Schulze, Marketing Manager TV bei Panasonic. "Auf der Aufnahme eines Sternenhimmels strahlen dann wirklich nur die Sterne und nicht der Raum dazwischen. Das ist mit der herkömmlichen Technik nicht möglich."

Doch OLED hat noch andere Vorteile: Grundsätzlich wirken Farben satter und leuchtender, Kontraste schärfer. Außerdem sind die Panels deutlich blickwinkelstabiler und zeigen ein knackiges Bild, selbst wenn man schräg von der Seite daraufschaut. Das ist vor allem bei günstigeren LED/LCD-Fernsehern nicht so. Weil bei OLEDs die Hintergrundbeleuchtung fehlt, sind sie auch prinzipiell flacher. "Unser dünnstes Panel misst 2,57 Millimeter", sagt Samuel Lee, Leiter Marketing für Home Entertainment beim Hersteller LG. "Das entspricht vier aufeinandergestapelten Kreditkarten."


SCHWARZMALER: LGs 65EF9509 stellt Grautöne besonders differenziert dar – und zeigt ein abgründiges Schwarz. Die OLED-Technik verleiht so nicht nur dunklen Szenen in Filmen und TVSerien mehr Tiefe, Farben wirken durch den hohen Kontrast besonders satt und sehr leuchtend. Preis: ca. 5450 Euro

Die LG-Entwicklung hat bereits noch dünnere Bildschirmprototypen gezeigt, die man zusammenrollen kann wie eine Zeitung. "Wir haben auch einen Wallpaper- TV vorgestellt, bei dem das OLED-Display einfach mit Magneten an einer Wand befestigt wird." Sogar durchsichtige Bildschirme sind machbar. Ein Nachteil von OLED: Die Lebensdauer, also die Zeit, bis die Leuchtkraft eines Panels nur noch die Hälfte beträgt, ist deutlich geringer. Doch das sei, so Samuel Lee, ein eher theoretisches Problem: "Unsere OLEDs halten etwa 30 000 Stunden. Wenn man durchschnittlich vier Stunden pro Tag fernsieht, sind das mehr als 20 Jahre."

Zum Vergleich: LED/LCDs verkraften rund 100 000 Stunden, bis sie anfangen zu schwächeln. Auch dass die Helligkeit von OLED auf dem Datenblatt nicht an die der herkömmlichen Technik heranreicht, hält der LG-Manager für nicht entscheidend: "Es ist wahr, dass LED/LCDs gewöhnlich eine größere maximale Leuchtdichte haben. Aber niemand sitzt zu Hause vor einem Fernseher mit voller Helligkeit, das würden die Augen gar nicht lange aushalten." Vor allem bei Sportveranstaltungen mit schnell bewegten Szenen biete die OLED-Technik durch ihre kürzere Reaktionszeit der Pixel Vorteile: "Wir sind zuversichtlich, dass die Preise sinken." Samuel Lee, LG Marketing "Theoretisch ist sie bis zu 10 000-mal schneller als die herkömmliche Methode."


AUTOBELEUCHTUNG: Audi setzt bei einer Studie OLED-Leuchten als Bremslicht und Blinker ein, aber auch als Designelemente an den Seiten der Karosserie.

OLED galt vor ein paar Jahren als nächstes großes Ding bei den TVs, inzwischen hat sich die Euphorie etwas gedämpft. Das liegt vor allem am Preis: Ein OLED-Fernseher ist in der Herstellung deutlich teurer als ein LED/LCD-Gerät, Fernseher mit der innovativen Technik kosten schnell das Doppelte. "Die Elektronik, die benötigt wird, um ein OLED-Panel anzusteuern, ist sehr viel aufwendiger", sagt Dirk Schulze. "Dahinter steckt insgesamt eine ganz andere Hardware und Software." Auch wegen dieser Komplexität halten sich außer Panasonic und LG die anderen Hersteller bislang beim Thema OLED zurück. Doch Gerüchten zufolge will Samsung im Mai entscheiden, wieder in die Technik einzusteigen. Auch das kommende TV-Topmodell von Philips soll angeblich ein OLED-Gerät sein. "OLED wird im High-End-Bereich eine wichtige Rolle spielen", sagt Dirk Schulze von Panasonic, "bis die Technik im Massenmarkt ankommt, wird es aber noch dauern."


FLACHMANN: Die neue G6-Serie von LG ist nur 2,57 Millimeter dünn, die Geräte kommen mit 77 und 65 Zoll Bildschirmdiagonale auf den deutschen Markt. Preis: k. A.

Mit dem TX-65CZW954 hat das japanische Unternehmen zwar nur ein OLED-Modell im Angebot, dafür allerdings ein ziemlich hochwertiges mit 65-Zoll-Curved-Panel in UHD-Auflösung und besonders schnellem Bildprozessor. Mit fast 10 000 Euro hat die Qualität aber auch einen stolzen Preis. Von LG gibt es schon OLED-Modelle mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale, die ab etwa 1800 Euro zu haben sind. Das komplette Ausstattungspaket ist aber auch hier teurer, der 65EF9509 mit 65-Zoll-Display und Tunern für alle Empfangsarten – Kabel-, Satellit- und Antennenfernsehen – kostet rund 5450 Euro. Sehr schick: Die obere Hälfte des Fernsehers ist hauchdünn, nur unten wird das Gehäuse dicker, um Platz für die Elektronik zu haben.

Wie der Panasonic ist er für die Darstellung von HDR ("High Dynamic Range", hoher Dynamikumfang) gerüstet. Diese Technik sorgt für ein größeres Spektrum zwischen hellen und dunklen Bildbereichen, dadurch werden etwa in düsteren Szenen mehr Details sichtbar, helle Lichtquellen werden realistischer dargestellt. "Mit HDR können wir noch feinere Abstufungen zwischen Grau und Schwarz darstellen", so Samuel Lee von LG. Einen Haken hat die Technik noch: Um HDR zeigen zu können, muss das Bild auch in HDR geliefert werden – und bislang gibt es nur einige Filme und Serien bei Streamingdiensten. Doch OLED kann mehr als nur Fernsehen: Viele Smartphones setzen auf den innovativen Bildschirm, auch wegen seiner besseren Energieeffizienz: Weil jedes Pixel gezielt angesteuert werden kann, verbrauchen die Panels weniger Strom.


Panasonics OLED-Fernseher CZ950_OLED_CR-D ist sanft gebogen.

Das Samsung S7 Edge verdankt seine abgerundeten Kanten einem flexiblen OLED-Display. Auch der französische Hersteller Archos stattet sein Modell Diamond S mit einem 5-Zoll-Schirm in der OLED-Variante AMOLED aus, der besonders kräftige Farben und einen höheren Kontrast bietet als die LCD-Schwestermodelle. Und Audi experimentiert bei der Fahrzeugbeleuchtung mit OLED-Modulen. Aber sind OLED-Geräte die besseren TVs? Wer den guten alten Plasmafernsehern mit ihrem brillanten Bild nachtrauert, wird mit der organischen Diodentechnik sicher wieder glücklich – auch wegen des schwärzesten Schwarz. Die volle Farbbrillanz können OLEDs aber nur in abgedunkelten Räumen ausspielen, dann wird der Unterschied zum "normalen" LCD-Fernseher mehr als deutlich. Werden die Preise sinken? "Wir sind zuversichtlich", sagt LG-Manager Samuel Lee. Bis dahin bleibt OLED ein teurer Spaß – aber ein faszinierender.

Artikel vom 12. April 2016

Autor: Michael Fuchs

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