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Interviews

Interview mit TV-Experte Christian Knaebel

Neue Spartenkanäle kommen

Immer mehr internationale Spartenkanäle drängen in den deutschen TV-Markt. Das Ziel ist die Verbreitung in Digitalpaketen via Kabel, Satellit und IPTV. Die Kölner Beratungsgesellschaft Global Media Consult (GMC) hat sich darauf spezialisiert, den Sendern den Weg nach Deutschland zu bahnen und die geeigneten Plattformen für sie zu finden. TV DIGITAL sprach mit Christian Knaebel, General Manager und Gründer von GMC, über die aktuelle Marktentwicklung bei Spartenkanälen und über Sender, die derzeit auf dem Sprung nach Deutschland sind.

TV DIGITAL: Welche Dienste erbringen Sie?

Christian Knaebel: Unser Kerngeschäft ist das Reichweiten-Management für TV-Veranstalter. Dabei unterstützen wir internationale Sender dabei, in neue Länder zu expandieren. Für Kunden, die uns mit dem Reichweiten-Management beauftragen, hat dies den Vorteil, dass sie auf ein Expertenteam mit langjähriger Erfahrung zurückgreifen können, ohne erst eine entsprechende Abteilung innerhalb ihres Unternehmens aufbauen müssen - dadurch sparen sie Zeit und Geld. Erster Kunde von GMC bei der Gründung im Jahr 2005 war der arabische Nachrichtenkanal Al Jazeera, dem wir beim Aufbau des internationalen Schwestersenders Al Jazeera English behilflich waren. Wir merkten schnell, dass auch bei vielen anderen TV-Anbietern Bedarf nach fachkundiger Unterstützung besteht. Dabei helfen wir nicht nur beim Reichweitenaufbau in Deutschland, sondern weltweit. GMC verfügt über ein Netzwerk von 40 bis 50 Spezialisten rund um den Globus, die die Besonderheiten der jeweiligen Märkte kennen und direkt vor Ort die Verbreitung der Sender vorantreiben können.

TV DIGITAL: Sind Sie in weiteren Bereichen tätig?

Christian Knaebel: Ja, wir beraten auch TV-Sender von der Entstehungsphase über Geschäftskonzepte bis zur strategischen Weiterentwicklung. Auch bei der Gründung von Start-up-Firmen, bei Zukäufen und Fusionen sowie bei der Suche nach Investoren und Partnern sind wir behilflich. Als dritter Schwerpunkt beraten wir Plattformbetreiber bei der Zusammenstellung und Optimierung ihrer TV-Pakete, beim Produktmanagement und der Erstellung neuer Angebote. So können wir aus der Vielzahl an Sendern, die jeden Tag bei Plattformbetreibern anklopfen, eine Vorauswahl treffen, die für das jeweilige Bouquet am besten geeignet ist - und ihnen damit viel Arbeit ersparen.

TV DIGITAL: Welche Kunden haben Sie kürzlich betreut?

Christian Knaebel: Wir haben in den vergangenen Monaten Bloomberg TV mit großem Erfolg beim Reichweitenaufbau in Europa unterstützt. Der Wirtschaftskanal hatte im März seine länderspezifischen Varianten eingestellt und bietet seitdem ein einheitliches englischsprachiges Programm in internationalen Märkten an. Unsere Aufgabe bestand darin, sicherzustellen, dass die Plattformbetreiber, die bislang die in der jeweiligen Landessprache angebotenen Versionen eingespeist haben, künftig das englischsprachige Programm verbreiten. Das ist uns auch gut gelungen: Das englischsprachige Bloomberg TV konnte seine Reichweite deutlich erhöhen und liegt nun gleichauf mit anderen internationalen Nachrichtenkanälen in Europa. Ein neuer Kunde ist der Kinderkanal KidsCo. Der Pay-TV-Sender, der auch in deutscher Sprache angeboten wird, ist in Deutschland derzeit nur im Kabelnetz von Unitymedia zu sehen. Wir werden dafür sorgen, dass in den nächsten Monaten zahlreiche weitere reichweitenstarke Plattformen dazukommen.

TV DIGITAL: Welche weiteren Kunden haben Sie?

Christian Knaebel: Weitere Aushängeschilder sind der südafrikanische Nachrichtenkanal SABC News International und der weltgrößte indische TV-Veranstalter Zee TV, den wir als Distribution Agent in ganz Europa vertreten. Insgesamt haben wir rund 15 Sender im Portfolio.

TV DIGITAL: Wie sieht die aktuelle Marktentwicklung aus?

Christian Knaebel: Vor allem Pay-TV-Sender drängen verstärkt nach Deutschland. Hier zeichnet sich ein Wandel ab, der durch die Wirtschaftskrise beschleunigt wird. TV-Anbieter, die in ihren Heimatmärkten, insbesondere den USA, von der Rezession betroffen sind, suchen nach Möglichkeiten, neue Märkte zu erschließen, um die Rückgänge aufzufangen. Als Verbreitungsweg werden Pay-TV-Plattformen angestrebt, weil sich das Bezahlfernsehen als ziemlich krisenfest erwiesen hat. Die Leute sparen anderswo, nicht aber bei der vergleichsweise preiswerten TV-Unterhaltung. Abo-Entgelte entpuppen sich in der Krise als stabile Einnahmequelle. Einen starken Rückgang verzeichnen wir hingegen bei TV-Sendern, deren Geschäftskonzept auf Werbefinanzierung beruht. Der deutsche TV-Markt scheint sich allmählich den anderen großen internationalen Märkten anzugleichen, die mit wenigen Free-TV-Sendern und einem vielfältigen, attraktiven Pay-TV-Angebot aufwarten. Auch im Ausland gibt's interessante Entwicklungen: Wir erhalten aus einigen Ländern, vor allem den USA und Frankreich, verstärkt Anfragen von Plattformbetreibern nach deutschsprachigen TV-Inhalten. Hier eröffnen sich neue Erlösperspektiven für deutsche Fernsehsender ohne große Investitionen.

TV DIGITAL: Welche Perspektiven bietet IPTV?

Christian Knaebel: Ich gehe davon aus, dass Kabel und Satellit in Deutschland auf lange Sicht weiterhin die dominierenden Verbreitungswege bleiben werden. IPTV wächst zwar, wird sich aber zu keiner Konkurrenz, sondern eher einer Ergänzung entwickeln. Während Kabel und Satellit die Grundversorgung der breiten Masse gewährleisten, kann sich IPTV mit einer großen Programmvielfalt und vor allem Fremdsprachen- und Nischensendern zu einer interessanten Alternative entwickeln, zum Beispiel für ethnische Minderheiten und Zuschauer mit Spezialinteressen. Aufpassen müssen allerdings kleinere Kabelgesellschaften: Mit einem attraktiven Bündelangebot aus TV, Internet und Telefonie kann sich IPTV zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für Stadtnetzbetreiber entwickeln. Ein Markt, in den seit diesem Jahr in Deutschland fast jeder einsteigen will, ist übrigens Video-on-Demand. Wir verzeichnen hier starkes Interesse sowohl seitens der TV-Sender als auch der Plattformbetreiber.

TV DIGITAL: Welche Tendenz gibt es bei neuen Sendern?

Christian Knaebel: Bei den Sendern, die jetzt in den deutschen TV-Markt einsteigen wollen, zeigt sich vor allem eine starke Ausdifferenzierung. So klopfen bei uns viele Musikkanäle an - von Gospel über Reggae bis zu lateinamerikanischer Musik. Hinzu kommen Sportkanäle, die auf individuelle Sportarten zugeschnitten sind. Auch viele Informations- und Infotainmentkanäle, die sich als Zuschauer-Ratgeber zu den unterschiedlichsten Themen verstehen, wollen nach Deutschland vordringen.

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Artikel vom 30. Juli 2009

Autor: Dr. Jörn Krieger / Bild: GMC

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