Der Spartenkanal für Hobbyköche, tv.gusto, zieht eine positive Bilanz: Die Kölner TV-Station konnte seit dem Start vor fünf Jahren Verbreitung und Zuschauerzahlen ausbauen - sowohl beim Free-TV-Kanal als auch dem Pay-TV-Angebot tv.gusto Premium. Perspektiven für Wachstum sieht tv.gusto vor allem in Abrufdiensten via Internet, IPTV und Kabelnetz sowie im Ausland. TV DIGITAL sprach mit Jörg Schütte, Gründer und Geschäftsführer von tv.gusto, über die Entwicklung des Senders, aktuelle Neuigkeiten und die Zukunftspläne.
TV DIGITAL: Am 21. September 2004 ging tv.gusto auf Sendung. Wie lautet Ihr Resümee nach fünf Jahren?
Jörg Schütte: Sowohl bei den Zuschauern als auch im Werbemarkt hat sich tv.gusto als Nischenanbieter für Kochen und Genießen etabliert. Wir verzeichnen gute Resonanz bei der werbetreibenden Industrie. Auch im Programm haben wir viel erreicht, indem wir inhaltlich neue Felder besetzt haben. So gibt es bei uns die einzige Backsendung im deutschen Fernsehen, auch Kaffee und Schokolade ist eine eigene Sendereihe gewidmet. Für die Zuschauer hat dies den Vorteil, dass wir gezielt ihre Interessen bedienen, während Werbekunden mit ihren Spots treffsicher die gewünschte Zielgruppe erreichen.
TV DIGITAL: Wie ist das Programm zu empfangen?
Jörg Schütte: Die Kernverbreitung des Free-TV-Kanals tv.gusto, der sich über Werbung und Sponsoring finanziert, ist das digitale Satellitensignal auf Astra (19,2° Ost). Auf unserer Webseite ist das Programm zudem als Livestream zu sehen. Das Pay-TV-Angebot tv.gusto Premium ist in Kabelnetzen und auf IPTV-Plattformen in DSL-Breitbandnetzen zu empfangen, unter anderem bei Kabel Deutschland, Unitymedia, T-Home Entertain und HanseNet.
TV DIGITAL: Wie viele Zuschauer erreichen Sie?
Jörg Schütte: Die technische Reichweite liegt bei insgesamt rund 14 Millionen Haushalten in Deutschland. Davon schalten uns rund 420.000 Zuschauer pro Tag ein - ein Zuwachs um 148 Prozent in drei Jahren. Auch unsere Internet-Angebote verzeichnen steigendes Interesse. Wir bieten dort neben dem Livestream alle Rezepte aus unserem Fernsehprogramm sowie Ausschnitte und vollständige TV-Sendungen zum Abruf an. Die Zahl der abgerufenen Videos stieg im ersten Halbjahr 2009 im Vorjahresvergleich von 400.000 auf 600.000, der Livestream verzeichnete 300.000 Besucher (1. Halbjahr 2008: 250.000) und fast 1,7 Millionen Rezepte (800.000) wurden abgerufen.
TV DIGITAL: Im Gegensatz zum Fernsehen, wo Sie auch im Pay-TV engagiert sind, bieten Sie alle Internet-Inhalte gratis an. Bleibt das so?
Jörg Schütte: Kostenpflichtige Angebote sind für uns im Internet zurzeit keine ernsthafte Option. Es gibt dort einfach zu viele Umsonst-Inhalte. Wir haben mit der Werbefinanzierung im Internet gute Erfahrungen gemacht, zumal wir den Werbekunden exakt definierte Zielgruppen anbieten können. So kann etwa ein Reishersteller gezielt Werbung auf allen Rezepten buchen, in denen Reis vorkommt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Zuschauer, der das Rezept nachkocht, sich beim Einkaufen dann genau für diese Marke entscheidet. Die meisten unserer Werbekunden buchen übrigens medienübergreifenende Kampagnen, die TV und Internet gemeinsam abdecken. Mit unserem Hauptgesellschafter Hubert Burda Media kommen jetzt auch Zeitschriften dazu. Damit bieten wir Werbekunden eine einzigartige Abdeckung von TV, Internet und Print im Bereich Kochen und Genießen aus einer Hand.
TV DIGITAL: Sie bieten tv.gusto als Free-TV und als Pay-TV an. Wie unterscheiden sich die Programme?
Jörg Schütte: Das Pay-TV-Angebot zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Sendungen nicht von Werbung unterbrochen werden und keine Teleshopping-Fenster vorkommen. Ein weiterer Mehrwert besteht darin, dass viele Sendungen zuerst bei tv.gusto Premium laufen, bevor sie im Free-TV-Kanal gezeigt werden. Immer mehr Sendungen werden exklusiv für das Pay-TV-Angebot produziert.
TV DIGITAL: Wer ist Ihre Zielgruppe?
Jörg Schütte: Wir sprechen alle Zuschauer an, die gerne selber kochen und sich inspirieren lassen wollen - Männer wie Frauen. Vor allem abends nach 22 Uhr schalten viele Männer unser Programm ein. Die vielen Kochshows mit prominenten Fernsehköchen im Free-TV haben dazu beigetragen, dass sich deutlich mehr Zuschauer als früher für kulinarische Themen interessieren. Dadurch wurden neue Zielgruppen erschlossen, was auch uns zugute kommt. Während bei den Vollprogrammen vor allem der Unterhaltungswert im Vordergrund steht, sind wir mehr auf Service-Informationen ausgerichtet.
TV DIGITAL: Macht sich die Wirtschaftskrise bemerkbar?
Jörg Schütte: Wir haben bislang keine Werbekunden verloren. In vielen Werbeetats ist tv.gusto inzwischen fester Bestandteil, dem kann auch die Wirtschaftskrise nichts anhaben. Lediglich in Einzelfällen wurden Werbebudgets gekürzt. Gerade in Zeiten des konjunkturellen Abschwungs machen sich unsere Bemühungen der vergangenen Jahre bezahlt. So haben wir in diesem Jahr viele mittelständische Unternehmen als neue Werbekunden gewonnen.
TV DIGITAL: Im Gesellschafterkreis gab es jüngst eine Änderung. Was ist geschehen?
Jörg Schütte: Hubert Burda Media hat seinen Anteil auf 83,5 Prozent aufgestockt und hält damit die Mehrheit. Die restlichen Anteile liegen bei mir. Marc R. Pasture, der gemeinsam mit mir tv.gusto gegründet hat, ist als Gesellschafter ausgeschieden, bleibt dem Sender aber freundschaftlich verbunden. Hintergrund ist die Eingliederung von tv.gusto in die Burda-Unternehmenseinheit Food.net, in der die Online- und Zeitschriftenmarken des Verlags im Food-Bereich gebündelt sind. Die Werbekunden können damit medienübergreifende Kampagnen in TV, Internet und Print schalten. Da tv.gusto dadurch noch enger mit den Burda-Marken verzahnt wird, ist es sinnvoll, dass der Verlag auch gesellschaftsrechtlich die Mehrheit hält.
TV DIGITAL: Wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven?
Jörg Schütte: Bei der Verbreitung von tv.gusto sehe ich vor allem im deutschsprachigen Ausland noch Ausbaumöglichkeiten. Wachstum erwarte ich auch bei Abrufdiensten - nicht nur im Internet, sondern auch in Kabel- und IPTV-Netzen. Dies bietet vor allem für die Werbeindustrie attraktive Perspektiven, denn ein Zuschauer, der gezielt eine Sendung abruft, dürfte auch hohes Interesse an den Produkten haben, die darin vorkommen, etwa bestimmte Zutaten, die Markenhersteller bewerben können. Wir werden auch weiterhin neue Sendereihen entwickeln und Ausschau nach Talenten halten, die wir aufbauen können. Dabei suchen wir nicht nur Köche und Sommeliers, sondern auch Konditoren, Bäcker und andere Spezialisten. Schwesterkanäle, etwa für Weinliebhaber, sind nicht geplant. Die Entwicklung geht ohnehin in Richtung On-Demand-System: Wir halten es daher für sinnvoller, alle Sendungen zu einem bestimmten Thema im Internet zu bündeln, wo sie jederzeit abgerufen werden können.
Artikel vom 24. September 2009
Autor: Dr. Jörn Krieger / Bild: tv.gusto
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