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TV DIGITAL
Interviews
joiz-Chef Alexander Mazzara.

joiz-Chef Alexander Mazzara will mit dem Social-Media-Sender das Fernsehen mit dem Internet verbinden. - Foto © joiz

Jugendkanal joiz startet in Deutschland

Interview mit Alexander Mazzara

Der Schweizer Jugendkanal joiz will im Sommer einen Sender für Zuschauer in Deutschland starten. Nach Schweizer Vorbild ist ein interaktives Live-Programm geplant, an dem sich die Zuschauer per Internet, Handy, Facebook und Twitter beteiligen können. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Musik, Mode, Nachtleben, Promis, digitales Leben und Sexualität, aber auch Politik und Umwelt. Im Studio können Fans ihre Stars bei Live-Auftritten erleben. Der in Berlin angesiedelte Free-TV-Sender, der sich an 15- bis 34-Jährige richtet, soll via Kabel, Satellit und Internet sowie über Apps verbreitet werden. Im Exklusiv-Interview mit TV DIGITAL verrät joiz-Geschäftsführer Alexander Mazzara alle Details über den Sender, der das Fernsehen mit dem Internet verbinden will.

TV DIGITAL: Deutschland ist einer der am härtesten umkämpften TV-Märkte Europas. Was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland vorzudringen?

Alexander Mazzara: In der deutschsprachigen Schweiz, die mit rund vier Millionen Menschen ein vergleichsweise kleiner Markt ist, konnte sich joiz nach dem Sendestart vor knapp zwei Jahren schnell behaupten. Bei manchen Sendungen erhalten wir inzwischen bis zu 20.000 Fragen pro Stunde von Zuschauern an die Studiogäste! Der sehr große Zuspruch bei den Zuschauern und Werbekunden und die vielen Erfahrungen, die wir gesammelt haben, ließen schnell den Gedanken aufkommen, dass das Konzept auch in anderen Ländern funktionieren könnte. Als deutschsprachiger Sender war es für uns naheliegend, das Nachbarland anzusteuern.

TV DIGITAL: Was unterscheidet joiz von anderen Sendern?

Alexander Mazzara: Junge Menschen nutzen heute Fernsehen zeitgleich mit einem zweiten kleinen Bildschirm, dem so genannten Second Screen. Während sie das TV-Programm verfolgen, haben sie den Laptop oder Tablet-PC auf dem Schoß oder nutzen ihr Smartphone, zum Beispiel, um sich mit Freunden über die laufende Sendung zu unterhalten. Wir verbinden das klassische Fernsehen mit der interaktiven Internet-Welt und geben den Zuschauern die Möglichkeit, über unsere Webseite oder Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Google+ Fragen an unsere Moderatoren und Studiogäste zu stellen, Kommentare abzugeben oder an Abstimmungen teilzunehmen, etwa, ob ihnen das Programm gefällt. Über ein Bonussystem können die Nutzer Punkte sammeln für jede Beteiligung, die sie wiederum in Gutscheine unserer Partner eintauschen können. So erhalten sie zum Beispiel gratis Downloads bei iTunes, Filme auf der Microsoft Xbox, Schminksets oder Konzerttickets.

TV DIGITAL: Ist es nicht ein Risiko, die Zuschauer in Echtzeit ins Programm zu nehmen? Welche Erfahrungen haben Sie damit in der Schweiz gesammelt?

Alexander Mazzara: Wir haben durch die direkte Einbindung der Kommentare, Fragen und Bewertungen viel über unsere Zuschauer in der Schweiz erfahren können. Zum Beispiel hatten wir anfangs Politik nicht als Thema im Programm, weil wir skeptisch waren, ob das ankommt. Die Wahlen haben dann aber gezeigt, dass doch viel Interesse an Politik besteht, so dass wir politische Themen jetzt regelmäßig aufgreifen. In Deutschland wird die Politik daher von Anfang an fester Bestandteil unserer Sendungen sein. Das dürfte nicht zuletzt auch deshalb spannend sein, weil in diesem Jahr die Bundestagswahlen anstehen. Die Gefahr, dass die interaktiven Mitwirkungsmöglichkeiten missbraucht werden, etwa für rechtsradikale Parolen, unterbinden wir, indem jeder Zuschauerkommentar von einer Redaktion geprüft wird, bevor er auf dem TV-Bildschirm erscheint. Es gibt nichts, das automatisch oder ungefiltert durchkommt - es sei denn, der Redakteur ist eingeschlafen (lacht).

TV DIGITAL: Wofür steht der Sendername joiz?

Alexander Mazzara: Das Wortspiel setzt sich aus den englischen Begriffen "choice" und "joy" zusammen und drückt damit das aus, was wir den Zuschauern bringen wollen: Auswahl und Freude.

TV DIGITAL: Wer steht hinter dem Sender?

Alexander Mazzara: Gesellschafter sind neben mir Peter Schulz, Kurt Schaad, Christoph Bürge und Dominik Stroppel, die über jahrelange Erfahrung im Medienbereich verfügen - etwa bei SRG, Sat.1 und Endemol - sowie der Finanzinvestor Creathor Ventures und die Innovationsstiftung der Schwyzer Kantonalbank. Wie Sie sehen, ist kein großer Medienkonzern dabei - das wollten wir bewusst nicht, weil uns das gelähmt hätte.

TV DIGITAL: Wie finanziert sich joiz?

Alexander Mazzara: Wir finanzieren uns über Werbung und Sponsoring auf allen Plattformen: TV, Internet und Mobile. Starkes Wachstum verzeichnet die interaktive Werbung, die wir unseren Partnern anbieten: Dabei erscheint ein roter Punkt während des Werbespots, den die Zuschauer anklicken können, etwa für Zusatzinformationen, Gewinnspiele oder Gutscheine.

TV DIGITAL: Schreiben Sie schon schwarze Zahlen?

Alexander Mazzara: Wir erwarten, dass wir in diesem Jahr mit unserem Schweizer Sender in die schwarzen Zahlen kommen. In Deutschland entstehen uns natürlich jetzt erst einmal Anlaufkosten, aber in drei Jahren wollen wir auch mit dem deutschen Sender die Gewinnzone erreichen.

TV DIGITAL: In Deutschland gab es mit GIGA vor einigen Jahren einen multimedialen TV-Sender, der stark auf die interaktive Einbindung der Zuschauer setzte, letztlich aber aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde. Was wollen Sie anders machen?

Alexander Mazzara: Wir leben jetzt in ganz anderen Zeiten. Zu GIGA gibt es Unterschiede auf mehreren Ebenen. So ist die Technologie heute um Welten weiter. Mit dem iPhone lassen sich fast schon Spielfilme drehen, für TV-Sender wurden Produktionstechnik und Schnittplätze deutlich kostengünstiger, damals gab es keine Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder Google+, ebenso wenig wie Smartphones, Tablet-PCs oder mobiles Internet zu erschwinglichen Preisen. Die Welt war seinerzeit analog, jetzt ist sie digital.

TV DIGITAL: Herr Mazzara, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel vom 31. Januar 2013

Autor: Dr. Jörn Krieger / Bild: joiz

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