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Interviews

Neue TV-Vielfalt per Antenne startet 2016

Media Broadcast enthüllt DVB-T2-Pläne

Im Frühjahr 2016 wird das neue digitale terrestrische Fernsehen DVB-T2 in Deutschland eingeführt. Holger Meinzer, Chief Commercial Officer B2B des Plattformbetreibers Media Broadcast, verrät im TV-DIGITAL-Interview, wie das Angebot aussehen wird.

TV DIGITAL: Die Landesmedienanstalten haben Media Broadcast den Zuschlag für den Betrieb der DVB-T2-Plattform für Privatsender gegeben. Auch das Bundeskartellamt hat grünes Licht erteilt. Wie geht's jetzt weiter?

Holger Meinzer: Im Frühjahr 2016 ist in Ballungszentren ein "soft launch" mit den ersten Sendern vorgesehen, darunter öffentlich-rechtliche und private HD-Programme. Die Spiele der Fußball-EM 2016 in Frankreich können die Fans damit schon live in HD-Qualität etwa draußen am See genießen. Der reguläre Betrieb startet im ersten Quartal 2017 - zunächst in Ballungsgebieten, dann folgen schrittweise weitere Regionen. Bis Mitte 2019 soll der Umstieg auf DVB-T2 bundesweit flächendeckend abgeschlossen sein. Die Frequenzen, die dadurch frei werden, will die Bundesnetzagentur an Mobilfunkbetreiber versteigern, um damit vor allem auf dem Land einen schnellen mobilen Internetzugang zu ermöglichen. Entscheidende Voraussetzung dafür ist allerdings, dass zügig die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, etwa die Koordination mit dem Ausland, um Sicherheit zu erhalten, dass die Frequenzen entsprechend genutzt werden können.

TV DIGITAL: Wie soll die DVB-T2-Plattform aussehen?

Holger Meinzer: Das terrestrische Digitalfernsehen wird mit DVB-T2 weiterhin so einfach wie möglich bleiben und den Zuschauern von allem mehr bieten: mehr Sender, mehr Qualität, mehr Reichweite. Bei unserer Plattform setzen wir auf einen bunten Mix der attraktivsten Privatsender in herkömmlicher (SD) und hoher Bildqualität (HD). Das bisher bereits über DVB-T verbreitete Programmangebot wird nach den Wünschen der Zuschauer, die wir in umfassenden Marktforschungen analysiert haben, deutlich erweitert. Daneben werden ARD und ZDF künftig auch HD-Inhalte verbreiten - wie bisher unverschlüsselt und kostenfrei.  Insgesamt wird es mit rund 50 TV-Sendern via DVB-T2 in Deutschland etwa doppelt so viele Programme wie bisher geben. Das Senderangebot wird bundesweit weitgehend einheitlich sein und um Regionalsender ergänzt. Die DVB-T2-Plattform wird übrigens nicht nur in den Regionen verfügbar sein, in denen schon jetzt Privatsender per DVB-T ausgestrahlt werden, sondern auch in weiteren Gebieten.

TV DIGITAL: Sollen TV- und Video-Angebote, die via Internet auf den Fernseher gelangen, in die Plattform eingebunden werden? Welche Rolle spielt dabei die multithek von Media Broadcast?

Holger Meinzer: Die Plattform ist als integral hybrides Angebot ausgelegt, die klassisches Antennenfernsehen mit Internet-Inhalten verbindet. Auf diesem Weg können sich die Zuschauer zum Beispiel zusätzliche Senderpakete, Fremdsprachen- und Nischenprogramme oder Online-Videotheken auf den TV-Bildschirm holen. Mit den entsprechenden Anbietern befinden wir uns in guten Gesprächen. Die multithek, die wir schon jetzt als internetbasiertes DVB-T-Portal betreiben, wird als Teil des DVB-T2-Angebots weiter ausgebaut.

TV DIGITAL: Was benötigen die Zuschauer zum Empfang? Wann kommen die entsprechenden Endgeräte auf den Markt?

Holger Meinzer: Empfangsvoraussetzung ist ein Fernseher oder Digitalreceiver, der sich für den Übertragungsstandard DVB-T2 und das Kompressionsverfahren HEVC eignet. Für den Empfang verschlüsselter Programme wird eine CI+-Schnittstelle benötigt. Am runden Tisch der Landesmedienanstalten zur DVB-T2-Einführung wollen wir in Zusammenarbeit mit den Endgeräteherstellern bis zur Jahresmitte die Spezifikationen und eine spezielle Kennzeichnung für solche Geräte festlegen. Verbraucher können durch ein solches Logo einfach erkennen, dass sich ein Gerät für DVB-T2/HEVC eignet und damit zukunftsfähig ist. Erste DVB-T2/HEVC-geeignete TV-Geräte sind übrigens heute schon verfügbar.  Entsprechende Set-Top-Boxen für unter 100 Euro werden wohl Ende 2015 in den Handel kommen. Das Angebot an Empfängern, darunter auch USB-TV-Sticks für Laptops, wird bis zum Jahreswechsel immer breiter werden.

TV DIGITAL: Was kostet der Bezug der verschlüsselten Programme? Wird es eine unverschlüsselte oder Gratisphase geben?

Holger Meinzer: Die Terrestrik soll auch in Zukunft im Vergleich mit anderen Empfangswegen wie Kabel, Satellit und IPTV eine äußerst preisgünstige Empfangsart bleiben. Der monatliche Bezugspreis für verschlüsselte Programme wird im einstelligen Euro-Bereich liegen. Für die Bezahlung werden wir verschiedene Optionen anbieten. Zum unverbindlichen Kennenlernen wird es eine kostenlose Gratisphase geben - auch nach dem ohnehin kostenfreien "soft launch" ab Frühjahr 2016. Wer sich geeignete Empfangsgeräte frühzeitig zulegt, profitiert also am längsten von der Gratisphase.

TV DIGITAL: Wird Media Broadcast die Empfangsgeräte und Smartcards vertreiben?

Holger Meinzer: Wir streben an, dass die Kunden eine möglichst breite Auswahl an günstigen Empfangsgeräten haben. Der Vertrieb wird vorwiegend  über den Handel erfolgen. Smartcards wird es nicht geben, weil wir ein kartenloses Verschlüsselungssystem ausgewählt haben. Wir legten dabei großen Wert auf eine zuschauerfreundliche, komfortable und günstige Lösung, die sich auch für den Empfang der Programme auf Smartphones und Tablets eignet.

TV DIGITAL: Wie wollen Sie die Verbraucher auf die neuen DVB-T2-Programme, die Empfangsvoraussetzungen und die Abschaltung des bisherigen DVB-T-Angebots aufmerksam machen?

Holger Meinzer: Die rechtzeitige Verbraucherinformation ist ein ganz wichtiger Aspekt beim DVB-T2-Umstieg. In Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, der Endgeräteindustrie und den Landesmedienanstalten planen wir eine breit angelegte Umschaltkampagne, die derzeit vorbereitet wird.

TV DIGITAL: Herr Meinzer, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel vom 22. April 2015

Autor: Dr. Jörn Krieger / Bild: Media Broadcast

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