Fotos © ARD Degeto/Boris Guderjahn, © ARD Degeto/Svenja von Schultzendorff, © ARD Degeto/Thorsten Jander
Sendehinweis:
"Gier" (Arte, 15.01., Teil eins: 20.15 Uhr, Teil zwei: 21.45 Uhr),
Wiederholung (Das Erste, Teil eins: 20.01., Teil zwei: 21.01., jeweils 20.15 Uhr)
Kapstadt, Bracken House 4 – hinter dieser unscheinbaren Adresse verbirgt sich eine piekfeine Villa mit Swimmingpool, exklusiv gelegen in den Bergen am Rande der südafrikanischen Metropole. Schwer bewaffnete Pförtner weisen unserem Taxi den Weg zum Haus. Gerade noch tuckerten wir durch Kapstadts Armenviertel, nun sind wir mitten in der Glamour-Welt des deutschen Regisseurs Dieter Wedel (70). Cocktails, Stars, lautes Lachen, 35 Grad Celsius. Das ist ein Leben!
Irrtum: Das ist ein Film. Wedel lässt gerade seine Stars antanzen – für die nächste Szene von "Gier" (20./21.1, 20.15 Uhr, Das Erste). "Tatort"-Kommissar Harald Krassnitzer muss in den Pool eine Arschbombe machen, Sibel Kekilli ("Gegen die Wand") klatscht, Kollege Uwe Ochsenknecht schaut zu.
Der Dreh ist eine einzige Party. Natürlich nur, weil das die Story des Zweiteilers so erfordert: Hochstapler Dieter Glanz (Foto: Ulrich Tukur) und seine Gattin Gloria (Foto: Jeanette Hain) laden die feinsten Hamburger zu ihren Events ein. Dabei geht es nicht ums Amüsement, sondern nur ums Geld. Mit den Partys lockt Glanz Investoren an: millionenschwere Erben (Harald Krassnitzer), Schwarzgeld- Investoren (Uwe Ochsenknecht) und Immobilienbesitzerinnen (Sabine Orléans). Behilflich sind dem Finanzjongleur dabei Animierdamen wie Nadja Hartmann (Sibel Kekilli). Reihenweise luchst Glanz den Gästen ihre Millionen ab und verspricht ihnen „Faktor 13“ – eine Rendite von 1300 Prozent. Doch zur Auszahlung der Gewinne kommt es nie. Selbst Kleinanleger wie Andy Schroth (Devid Striesow) verlieren ihr Erspartes – am Ende sind fast alle ruiniert.
Ein fiktiver Fall mit wahrem Hintergrund: Wedel recherchierte den Fall des Wirtschaftskriminellen Jürgen Harksen, der in den 80er- und 90er-Jahren 80 Millionen Euro erschwindelte. "Dieter Glanz ist kein Abbild von Harksen, doch er hat mich stark inspiriert", verrät Wedel beim Exklusiv-Interview am Pool in Kapstadt. Doch auch andere Hochstaplerbiografien flossen in die Figur ein. "Ein Gauner erzählte mir, dass er nichtssagende Wörter erfand und zum Beispiel ‚Ich muss dringend epibrieren‘ sagte. Wer sich nicht traute, nach der Bedeutung zu fragen, war ein geborenes Opfer", so Wedel.
"Glanz ist ein Rattenfänger“, sagt Hauptdarsteller Ulrich Tukur. "Betrüger wie ihn gibt es überall. Sie haben das immer gleiche Psychogramm: Es sind innerlich leere und schizophrene Lügner – sie greifen die Sehnsüchte und den Frust ihrer Opfer auf, rühren ein wenig darin herum und entwickeln schließlich eine absonderliche Macht."
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