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Interviews
Filmemacher Marko Doringer sitzt beim Psychologen.
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Fotos © : Movienet

Dokumentarfilmer Marko Doringer

Mit 30 kriegte er die Krise

Mit 30 stürzte Dokumentarfilmer Marko Doringer in eine tiefe Sinnkrise und drehte einen Film darüber. In der Dokumentation "Mein halbes Leben" (Kinostart: 8. Oktober 2009) nimmt er sich selbst, drei alte Freunde und seine ganze Generation ironisch aufs Korn.

Lesen Sie auch unsere Kinokritik zu "Mein halbes Leben".

TV DIGITAL.de: Herr Doringer, was genau ist so schrecklich an der Zahl 30?

Marko Doringer: Ich glaube, es geht vielen in dem Alter so, dass sie mal Zwischenbilanz ziehen: Was haben sie bis jetzt erreicht? Wo stehen die Leute? Wohin will man den zukünftigen Weg gehen? Auf dieser Altersschwelle muss man vor der Gesellschaft und den eigenen Eltern Rechenschaft ablegen. Viele haben von dem, was die Eltern mit 30 hatten, noch nichts erreicht - sei es Haus, Kind, Rücklagen, Sicherheiten oder ein Leben, bei dem man heute schon weiß, wo man mit sechzig sein wird.

TV DIGITAL.de: Sie nennen Ihren Film "Mein halbes Leben", dabei liegt die durchschnittliche Lebenserwartung heute bei rund 80 Jahren. Wollen Sie mit diesem Titel bewusst provozieren?

Marko Doringer: Dieser Titel soll durchaus zum Nachdenken anregen.

TV DIGITAL.de: Wann genau ist Ihnen die Idee zu dem Film gekommen?

Marko Doringer: Es war ein paar Wochen nach meinem 30. Geburtstag. Plötzlich sind von einem Tag auf den anderen diese Fragen in meinem Kopf aufgetaucht, über die ich Wochen zuvor noch gelacht habe. Sprich: Was hab ich erreicht? Wohin will ich mit meinem Leben? Welche Sicherheiten habe ich in meinem Leben aufgebaut? Also Fragen, die ich eher meiner Elterngeneration zuschreiben würde. Und nachdem ich diese Fragen für mich selbst negativ beantwortet habe, hat das bei mir eben diese Krise ausgelöst.

TV DIGITAL.de: Was ist das Besondere an der Generation der heute 30-Jährigen?

Marko Doringer: Für viele unserer Eltern scheinen wir mit 30 nicht erwachsen zu sein. Ich glaube aber, dass das nicht stimmt. Es hat sich einfach die Form des Erwachsenseins geändert. Heute heißt Erwachsensein eben nicht, alles schon so in fixierten Bahnen zu haben wie es unsere Eltern hatten. Man muss eben viel flexibler sein. Die Lebensbahnen bewegen sich heute viel öfter in krummen Bahnen als in geraden Linien. Für unsere Eltern ist diese Art von Erwachsensein natürlich kein Erwachsensein, sondern Kindsein.

TV DIGITAL.de: Sie haben sich selbst zum Protagonisten Ihres eigenen Films gemacht. Was haben Sie während der Dreharbeiten über sich gelernt?

Marko Doringer: Für mich war das ein spannender Prozess. Was ich vor den Dreharbeiten wusste, ist: Ich habe eine Krise mit 30, wusste aber nicht, wo die herkommt. Ich wusste auch schon, dass ich einen Vater-Sohn-Konflikt hatte, aber ich habe den Zusammenhang nicht gesehen. Die Dreharbeiten und auch die Gespräche mit dem Psychologen, die im Film zu sehen sind, haben mir dabei sehr geholfen.

Artikel vom 09. Oktober 2009

Autor: Jana Mareike von Bergner

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