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Interviews
Regisseur Quentin Tarantino präsentiert seinen neuen Film ''Django Unchained''.

Regisseur Quentin Tarantino präsentiert seinen neuen Film ''Django Unchained''. / Foto: © picture alliance / AP Images

''Gewalt gehört dazu!''

Kult-Regisseur Quentin Tarantino im Interview

Der große Schweiger ist zurück: 47 Jahre nach Sergio Corbuccis Klassiker "Django" mit Franco Nero in seiner Paraderolle als MG-bewaffneter Einzelgänger und zahlreichen offiziellen wie inoffiziellen Nachfolgern mit dämlichen Titeln wie "Django – sein Colt singt sechs Strophen" nimmt sich Quentin Tarantino der Sache an. Mit ''Django Unchained'' (ab 17. Januar im Kino) erfüllt sich der 49-Jährige den lang gehegten Traum, einen Western zu drehen – und erzählt vorab exklusiv in TV DIGITAL, was seine Fans zu erwarten haben.

TV DIGITAL: Seit Jahren sprachen Sie davon, einen Western zu drehen ...

Quentin Tarantino: Und jetzt endlich ist es so weit (lacht). Ich sehe mich als jemand, der das Genre erst mal lernen musste, habe aber meine eigene Note hineingebracht. Ich habe den brutalen und gnadenlosen Surrealismus des Westerns mit Galgenhumor kombiniert. Obwohl "Django Unchained" sich mit all seinen Konventionen und Klischees wie ein Western anfühlt, ist er auch wie eine Seite aus dem Geschichtsbuch. Die Handlung spielt im Süden der Vorkriegszeit, und die Sklaverei ist ein Thema. Der Film beginnt in Texas und zieht dann bis nach Wyoming, aber der weitaus größte Teil spielt sich eben in Mississippi ab. Wie im klassischen Western dreht es sich um einen jungen Mann und seinen Paten – und um Rache. Der weise Mentor bringt ihm alles bei, was er wissen muss, um seine Bestimmung zu erfüllen und die Frau seines Herzens zu retten.


Kinotrailer zu ''Django Unchained'':


Hier: Kinorezension zur Westernkomödie ''Django Unchained''


TV DIGITAL: Welche Erfahrungen nehmen Sie aus diesem Film mit?

Quentin Tarantino: Ich habe gelernt, dass Pferde unberechenbar sind. Und Schauspieler sogar noch ein Stück unberechenbarer.

TV DIGITAL: Warum der Filmtitel "Django Unchained"?

Quentin Tarantino: Erstens bin ich ein Fan von Sergio Corbucci, und zweitens erinnert "Django" den Zuschauer sofort an einen Spaghettiwestern. Es gibt um die 40 Django-Rip-Offs, die allesamt nichts mit dem Original zu tun haben, und ich bin stolz darauf, die neueste Version davon abgeliefert zu haben!

TV DIGITAL: Wie haben Sie Ihren Django gefunden?

Quentin Tarantino: Ich hatte sechs Männer in der engeren Auswahl, und alle hatten etwas Interessantes zu bieten. Jamie Foxx hat mich überzeugt, weil er die Handlung am besten verstand. Er ist in Texas und damit mit Western aufgewachsen. Er ist praktisch ein Cowboy und besitzt nicht nur ein Pferd, er reitet sogar sein eigenes Pferd in diesem Film.

TV DIGITAL: Haben Sie auch etwas von einem Cowboy in sich?

Quentin Tarantino: Ich glaube eher, ich bin meinen inneren Cowboy mit diesem Film losgeworden.

TV DIGITAL: Und Christoph Waltz? Wollten Sie einen Nichtamerikaner, um zu zeigen, wie absurd, ungerecht und menschenverachtend die Sklaverei war?

Quentin Tarantino: Ich wollte absichtlich keinen Amerikaner in dieser Rolle, um die Perspektive des Außenseiters mit hineinbringen zu können. Und da Djangos Mentor weiß ist, war mir ein Europäer lieber. Ich kritzelte die erste Szene in "Django Unchained" auf ein Papier, als ich in Japan auf der Pressetour für "Inglourious Basterds" war, einfach nur als Idee, ohne zu wissen, dass das mein nächster Film sein würde. In meinem Kopf sprach und bewegte sich diese Figur wie Christoph. Er hatte also gar keine Wahl, er musste Schultz spielen!

TV DIGITAL: Ist Christoph Waltz Ihre neue Muse? Oder können Musen nicht männlich sein?

Quentin Tarantino: Musen müssen nicht weiblich sein. Uma Thurman war meine Muse, Samuel L. Jackson auch. Jetzt ist es vielleicht Christoph. Das passierte ganz unbewusst. Ich arbeite sehr gern mit ihm, denn er weiß genau, wie er meine Dialoge rüberbringen kann.

TV DIGITAL: In der englischsprachigen Version von "Django Unchained" wird auch etwas Deutsch gesprochen. Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?

Quentin Tarantino: Den deutschen Dialog hat Christoph selbst geschrieben. Schließlich muss er ihn ja auch selber sprechen.

TV DIGITAL: Ihre Filme haben zwei klassische Elemente: Gewalt und Humor. Was reizt Sie an Brutalität?

Quentin Tarantino: Es ist einfach ein amüsantes Element in einem Film. Ich liebe das Genrekino, und da gehören Action und Gewalt einfach dazu. Außerdem ist es visuell und ästhetisch eindrucksvoll, einen Sklaven zu sehen, der die Peitsche aus der Hand seines Peinigers reißt und damit zurückschlägt.

TV DIGITAL: Und wie wichtig ist es Ihnen, den Zuschauer zum Lachen zu bringen?

Quentin Tarantino: Ich kann nichts dafür, ich schreibe halt mit Humor. Und ich manipuliere den Zuschauer gern. Ich fühle mich wie ein Dirigent, der bestimmt, wann gelacht wird und wann nicht. Ich bin sehr stolz darauf, wenn ich jemanden mit dem schlimmsten Scheiß zum Lachen bringen kann – am liebsten da, wo es eigentlich um etwas total Ernstes geht und sich das Publikum fast dafür schämt, gelacht zu haben.

TV DIGITAL: Vielen Dank, Quentin Tarantino, für das Interview.

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Artikel vom 17. Januar 2013

Autor: Anke Hofmann

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