DiCaprio, Foto: © Theo Kingma, Filmfotos © 2010 Concorde Filmverleih GmbH
Zum vierten Mal hat Ausnahme-Schauspieler Leonardo DiCaprio (35) mit Regie-Genie Martin Scorsese gemeinsam einen Film gedreht: den Psychothriller "Shutter Island" (Kinostart: 25. Februar 2010). DiCaprio spielt einen US-Marshall, der 1954 auf Shutter Island eine entflohene extrem gefährliche Geistesgestörte jagt.
TV DIGITAL: Herr DiCaprio, wie würden Sie diesen Film beschreiben?
Leonardo DiCaprio: Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich anfangen oder enden soll, mir fehlen einfach die Worte. Und genau das ist es, was Martin Scorsese mit diesem Film erreichen wollte. Für "Shutter Island" wird als psychologischer Krimi a la Hitchcock Werbung gemacht, und der Zuschauer bekommt sicherlich genügend Schrecken und Nervenkitzel geboten, um diese Einstufung zu rechtfertigen. Aber eigentlich ist es ein typischer Scorsese-Film vom Feinsten - genau wie "Taxi Driver" und "Raging Bull"-, weil es sich um die dunklen Seiten der menschlichen Natur und die Suche nach der eigenen Identität dreht.
TV DIGITAL: Wie schwer hat es Sie belastet, einen psychologischen Krimi zu drehen - mit Szenen, die sich in einem Konzentrationslager abspielen?
Leonardo DiCaprio: Normalerweise gehe ich nach der Arbeit einfach nach Hause, mache mir vielleicht ein paar Gedanken für den nächsten Tag, lerne meinen Dialog und so weiter. Ich habe keine Probleme, mich von einer Rolle zu lösen. Aber bei diesem Film, das muss ich zugeben, hat das seelische Trauma meiner Figur, die ihre Vergangenheit wieder durchlebt, mich sehr berührt.
Und es hat mich geschockt, wie brutal emotional ich werden musste, um Teddy Daniels darstellen zu können. Beim Lesen des Drehbuchs war ich mir nicht bewusst, was dieser Film mir abverlangen würde. Erst während der Dreharbeiten erkannten Marty (Martin Scorsese) und ich das emotionale Puzzle und die seelischen Schichten meiner Rolle, die wir Lage für Lage bloßlegen mussten, damit sich der Zuschauer mit meiner Figur und ihrem Trauma identifizieren kann. Vor allem die Szenen gegen Ende des Filmes haben mich für Wochen in einen seelischen Abgrund gestürzt.
TV DIGITAL: Ihre neueren Filme sind alle ziemlich düster. Warum spielen Sie nicht mal in einer Komödie mit, um Ihrer Seele eine Pause zu gönnen?
Leonardo DiCaprio: Ich tendiere einfach zu diesen schwierigen Stoffen. Ich mag es nicht, wenn ich nicht viel zu tun habe. Wenn meine Rolle oder die Handlung zu simpel ist, finde ich das schrecklich uninteressant. Je komplizierter, desto besser!
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