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Interviews
Regisseur Peter Jackson spricht über seinen neuen Film.

Regisseur Peter Jackson spricht über seinen neuen Film ''Der Hobbit: eine unerwartete Reise''. / Foto: © dpa

Zum Kinostart von ''Der Hobbit''

Peter Jackson und Andy Serkis im Interview

Am Anfang war die E-Mail: Andy Serkis – durch seine Rolle als schmuddeliger Gollum in der ''Herr der Ringe''-Trilogie (2001–03) erster und bisher einziger Star der Performance-Capture-Technik – wurde erst zwei Wochen vor Drehstart von Peter Jackson gefragt, ob er nicht bei seiner ''Hobbit''-Trilogie zusätzlich mit Regie führen wolle. "Ich war total überrascht", sagt Serkis zu TV DIGITAL, "aber ich glaube, Peter wollte einen Freak dabeihaben. Ich bin sehr vertraut mit der Welt von J. R. R. Tolkien." Zum DVD-Start des ersten Teils sprechen die beiden über die Veränderung der Kinowelt, Angstträume und kleine Mädchen in der U-Bahn.

TV-DIGITAL-Reporterin Anke Hofmann interviewt Regisseur Peter Jackson. / Foto: © Theo Kingma

Hier: DVD-Tipp zu ''Der Hobbit: Eine unerwartete Reise''


TV DIGITAL: Sie sind jetzt zwölf Jahre älter, Gollum ist 60 Jahre jünger als in "Der Herr der Ringe" – wie weit waren Sie weg von Ihrer berühmtesten Rolle?

Andy Serkis: Eigenartigerweise hat Gollum mich nie verlassen, er schleicht immer um mich herum. Zudem hat sich die Performance-Capture-Technik seitdem stark verändert. Es ist transparenter, man kann nun mit anderen Schauspielern zusammenarbeiten. Im ersten Film der Trilogie haben wir ja so ein kleines 14-minütiges Kammerspiel, diese lange Szene aus dem fünften Kapitel des Buches, in dem sich Bilbo und Gollum begegnen. Es war das Erste, was Martin Freeman in der Hauptrolle als Bilbo drehte. Es gab ihm die Chance, seine Figur zu entdecken.

TV DIGITAL: Gerade mal zwei Wochen vor dieser Szene hatte Peter Jackson Ihnen eine E-Mail geschrieben: Er wollte Sie als Regisseur des zweiten Teams verpflichten.

Andy Serkis: Das war nicht meine Idee! Ich dachte ja, mein erster Kinofilm wird ein kleiner Independent-Film mit fünf Schauspielern. Plötzlich war ich in diesem enormen Universum drin: Riesencrew, fette Stunts, Luftaufnahmen, 3-D, 48 Bilder pro Sekunde!

TV DIGITAL: Was unterscheidet "Der Hobbit" von "Der Herr der Ringe"?

Peter Jackson: Tolkien veröffentlichte 1937 das Kinderbuch "Der kleine Hobbit". Und 17 Jahre später dann eine Fortsetzung, die eher einem Epos glich. Beide Bücher unterscheiden sich sehr in ihrem Ton. Meine Idee war, sie anzupassen und beide sich im Stil ähneln zu lassen. Als Grundlage dafür habe ich nicht nur den Charme und Humor von "Der kleine Hobbit" genommen, sondern auch die 125 Seiten Anhänge am Ende von "Der Herr der Ringe", in denen Tolkien in einem düsteren Ton über die Hobbits schreibt.

TV DIGITAL: Das Buch hat nur etwa 300 statt der 1300 Seiten von "Der Herr der Ringe" – dennoch werden es wieder drei Filme. Es wird Leute geben, die sagen, das sei eine rein kommerzielle Entscheidung.

Andy Serkis: Der Tonfall von "Der Hobbit" ist wie im Buch, aber untermauert vom Legendenhaften in "Der Herr der Ringe". Das gibt ihm weitere Schichten und Tiefe, und es fühlt sich so an wie ein Teil von Mittelerde, wie wir es kennen. Dafür muss man aber mehr Zeit mit den Charakteren verbringen, auch mit neuen. Es gibt Figuren, die im Buch nur kurz erwähnt sind und nur einen Satz sprechen. Die bekommen im Film mehr Platz als im Buch. Der erste Teil endet übrigens mit der Rettung von Bilbo und Co. durch die Adler.

Regisseur Peter Jackson mit der TV DIGITAL Heft 25 / Foto: © Theo Kingma

TV DIGITAL: Sie haben den Film erstmals in 48 Bildern pro Sekunde gedreht. Das wurde bei ersten Vorführungen kritisiert.

Peter Jackson: 48 statt der bisher üblichen 24 Bilder pro Sekunde ist fantastisch! Die Technik wird die Kinowelt verändern. Es ist nur für das Auge einfach noch ungewohnt, einen Film so detailreich und real zu sehen. In der TV-Welt sind wir zwar auch zu HD gewechselt, weil es Auflösung und Bildschärfe verbessert. Aber diesen Realitätseffekt hat man nicht auf dem iPad oder dem Fernseher.

TV DIGITAL: Andy, Sie nennen sich selbst "Gandalf des Performance-Capture"“. Sind Sie jetzt als Schauspieler akzeptiert?

Andy Serkis: Performance-Capture hat noch immer eine schlechte Presse. Aber was ist, wenn jemand Winston Churchill oder Paul McCartney spielen soll? Es wird immer mehr zum Standard, Schauspieler haben keine Angst mehr davor. Es ist so ein erstaunlich befreiendes Instrument für einen Schauspieler! Und für Regisseure! Man kann einen virtuellen Charakter direkt am Set drehen.

TV DIGITAL: Und Sie werden sogar auf der Straße erkannt?

Andy Serkis: Ich dachte stets, ich würde anonym bleiben. Aber in Wirklichkeit ist das anders. Neulich schlief ich in der Londoner U-Bahn ein – was mir immer passiert, beschämend! Als ich aufwachte, schauten mich zehn Leute an. Ein Mädchen fragte: "Sind Sie der, der die Monster spielt?" – "Ja." – "Wie hieß die Figur, die Sie in ‚Der Herr der Ringe‘ waren?" – "Gollum." – "Uuuh, Gollum!", schrie sie.

TV DIGITAL: Und wie relaxt man als Regisseur, der es am Set mit all diesen Monstern zu tun hat?

Peter Jackson: Nie! Wirklich, ich kann nicht abschalten. Jede Nacht träume ich, dass ich auf einem Set bin, wo alles schiefläuft. Pure Angstträume! Dann wache ich auf und gehe mit der Hoffnung zum Dreh, dass die Träume sich nicht erfüllen.

TV DIGITAL: Vielen Dank, Peter Jackson und Andy Serkins, für das Interview.

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Artikel vom 03. Dezember 2012

Autor: Oliver Noelle / Anke Hofmann

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