Pierce Brosnan im Gespräch zu seinem Film "Der Ghostwriter"; Foto: © Theo Kingma, Fotostrecke: © Kinowelt
Ex-Bond Pierce Brosnan (56) spielt in "Der Ghostwriter" (Kinostart: 18. Februar 2010) einen früheren Premierminister mit dunkler Vergangenheit. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Robert Harris und wurde von Regisseur Roman Polanski (76) filmisch exzellent umgesetzt. Im Interview mit TV DIGITAL verrät Pierce Brosnan, warum Macht fast immer missbraucht wird und ergreift Partei für den umstrittenen Regisseur Roman Polanski, gegen den ein internationaler Haftbefehlt vorliegt - wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen im Jahr 1977.
Lesen Sie auch unsere Kinokritik zu "Der Ghostwriter".
TV DIGITAL: Herr Brosnan, wie finden Sie es, dass Roman Polanski nicht mit zur Berlinale kommen konnte?
Pierce Brosnan: Ich bin natürlich sehr enttäuscht und traurig, aber andererseits war das wohl unumgänglich. Ich hoffe, dass bald alle Beteiligten mit den Ereignissen abschließen können: dieser Mann, seine Familie und die Frau, die ihm inzwischen vergeben hat. Ich hoffe auf Gerechtigkeit und Mitgefühl für Roman - in Anbetracht der Zeit, die seit des Vorfalls vergangen ist, und der vielen Jahre, die Roman als Verbannter und Flüchtling leben musste.
Mit ihm zu arbeiten, war eine wunderbare Erfahrung für mich. Roman ist ein fantastischer Mensch und strenger Zuchtmeister. Die Leidenschaft und Grausamkeit, mit der er seine Filme dreht, hält jeden auf Trab, ist aber auch beflügelnd. Jeder gibt sein Bestes. Die rote Lampe leuchtet ständig. Und damit meine ich nicht die Lampe im Studio, die davor warnt, dass gerade gedreht wird, sondern das Lämpchen in seinem Kopf. Sein Drehstil ist sehr flüssig und flexibel. Das Resultat ist ein fehlerloser Film von einem Großmeister: mysteriös, fesselnd, klaustrophobisch, zum Teil makaber. Und mit den momentanen Schlagzeilen über Tony Blair als Lügner... Dieser Film verspricht, für interessanten Gesprächsstoff zu sorgen. Es ist fast ein bisschen unheimlich.
TV DIGITAL: Am Anfang gab es sehr viel Unterstützung von Hollywood für Roman Polanski, aber dann machten viele einen Rückzieher. Warum?
Pierce Brosnan: Dieser Fall wird sehr zwiespältig gesehen. Es geht um ein junges Mädchen, das von einem Mann vergewaltigt wurde. Das muss gerichtlich gelöst werden. Warum jetzt? Das ist natürlich eine interessante Frage. Ich nehme an, dass Roman von der Schweiz nach Amerika gebracht wird und sich dort vor Gericht verantworten muss. Aber wie schon gesagt, hoffe ich, dass er danach mit der Vergangenheit abschließen und sein Leben weiterleben kann. Er ist 76 Jahre alt und steckt noch voller Leidenschaft für Filme und für seine Arbeit. Mein nächster Kommentar wird mir wahrscheinlich Prügel und scharfe Kritik einbringen. Ich höre schon, wie die Messer geschärft werden: Aber meiner Meinung nach hat dieser Mann für seine Taten in all diesen Jahren im Exil genug gelitten.
TV DIGITAL: In "Ghost Writer" dreht sich alles um Politik und geheime Leichen im Keller. Geht es wirklich nicht ohne?
Pierce Brosnan: Mit Macht kommt der Missbrauch von Macht. Das war schon so am Anfang der Zeit. Alle Geschichtsbücher sind voll von Männern, die das Eine sagen und das Andere tun. In "Ghost Writer" spiele ich solch einen Mann, der aber das Pech hat, ertappt zu werden. Meine Figur, Ex-Premierminister Adam Lang, hielt sich für einen guten Politiker, war aber in Wirklichkeit nur ein unaufrichtiger Mensch. Lang hatte gute Absichten, aber leider nicht genügend Stärke und Tapferkeit im Herzen, sie auch durchzusetzen. Er wird zum Sündebock und muss dafür geradestehen, dass er Dokumente unterschrieben hat, die zu einem ungerechten Krieg führten. Aber dieser Film dreht sich nicht um Tony Bair. Und gleichzeitig doch! Eigentlich wollte ich nicht Tony Blair spielen, aber irgendwie ließ es sicht nicht vermeiden.
TV DIGITAL: Und die Leichen in Hollywoods Keller?
Pierce Brosnan: Oh, ich kann doch nicht den Ast absägen, auf dem ich sitze! Ohne Hollywood und ohne das Glück, dass ich als Schauspieler seit meinem 25. Lebensjahr gehabt habe, wäre ich jetzt nicht hier. Hollywood ist ein Spiel. Es ist Show Business! Mal ist man gefragt, dann wieder nicht. Mal wird man gefeiert, dann ist man vergessen. Aber ich liebe dieses Spiel. Ich liebe es, Filme zu drehen. Ich liebe Schauspieler. Man muss sich nur mit den richtigen Leuten einlassen. Man muss gewitzt sein. Und nach so vielen Geständnissen brauche ich jetzt einen Drink. Lassen Sie uns ein Guinness trinken gehen.
Artikel vom 18. Februar 2010
Autor: Anke Hofmann
Der Klick auf eine Kategorie führt Sie zur Übersicht aller passenden Einträge.