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Quentin Tarantino führte Regie bei "Inglourious Basterds"; Fotos: © Francois Duhamel / Universal Pictures

Der "Pulp Fiction"-Regisseur ändert das Ende des Dritten Reiches

Quentin Tarantino im Interview

Er geht immer an die Grenzen. In Filmen wie „Pulp Fiction“ (1994), „Kill Bill“ (2003) oder zuletzt „Death Proof“ (2007) scherte sich Quentin Tarantino nicht um Kinokonventionen. Jetzt hat er sich ausgerechnet einer jüdischen Widerstandseinheit im Zweiten Weltkrieg angenommen. In seinem neuen Thriller „Inglourious Basterds“ (ab 20. August im Kino) erzählt er von einem erfundenen Anschlag auf Adolf Hitler im besetzten Frankreich. Im Exklusiv-Interview mit TV DIGITAL verrät der 46-Jährige, wie er Superstar Brad Pitt zum Dreh überreden konnte und warum Adolf Hitler in seinem Film sterben muss.

TV DIGITAL: Die Entscheidung, „Inglourious Basterds“ zu drehen, fiel erst zehn Monate vor der Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes. Sie hatten weder Schauspieler noch einen Kameramann. Wie haben Sie es dennoch rechtzeitig geschafft?

Quentin Tarantino: Das zeigt nur, was möglich ist, wenn man sich entschieden hat und jeder mitzieht. Allerdings muss ich meinem Produzenten Lawrence Bender danken. Ich glaube, mit jemand anderem hätte ich es nicht geschafft. Allerdings war es ihm genauso wichtig wie mir, die Stufen des Palais in Cannes hinaufzugehen.

TV DIGITAL: Brad Pitt hat angeblich zugesagt, nachdem sie fünf Flaschen Wein mit ihm getrunken hatten?

Quentin Tarantino: Es könnte sein, dass wir die sechste bereits geöffnet hatten. Am Ende war es einfach, ihn zu bekommen. Ich dachte es, wäre schwieriger. Nicht weil ihm die Rolle keinen Spaß machen würde, sondern weil er der begehrteste Schauspieler der Welt ist und ich ihn sofort brauchte. Ich hatte ja nicht mal einen richtigen Zeitplan. Drei Wochen vor dem Ende der Drehbucharbeit rief ich seinen Agenten an. „So sieht’s aus. Ich habe etwas Tolles für Brad. Okay, sag’ mir gleich, dass es nicht klappt.“ Aber die Antwort war: „In der Tat, Quentin, das Timing kommt hin.“ Brad ist nicht drei Jahre im Voraus ausgebucht. Er will Zeit haben, wenn ein schönes Drehbuch auftaucht.

TV DIGITAL: Stimmt es, dass Sie die Idee zu „Inglourious Basterds“ schon lange im Kopf hatten?

Quentin Tarantino: Ja, etwa ein Jahrzehnt lang. Ich habe allerdings nicht die ganze Zeit daran gearbeitet. Es begann mit meinem Wunsch, einen Film über den Zweiten Weltkrieg zu drehen. Am Anfang war da nur die Idee der „Basterds“, der jüdisch-amerikanischen Soldaten, die im besetzten Frankreich Widerstand leisten. Dann kam Shosanna dazu, die sich für den Tod ihrer Familie rächen will. Aber die Geschichte sah völlig anders aus und wurde zu groß. Ich hatte das Gegenteil des „Writer’s Block“ und konnte nicht aufhören zu schreiben! Mein Gehirn ließ sich nicht mehr ausschalten. Irgendwann dachte ich: Das ist kein Kinofilm mehr, das wird eine TV-Miniserie! Also habe ich es zur Seite gelegt. Erst 2008 kam die Zeit, das Drehbuch noch einmal hervorzuholen. Die Story war das Problem. Also erfand ich eine neue: Der Held und Schauspieler Fredrick Zoller macht einen Heldenfilm, bei dessen Premiere die Nazi-Bonzen ermordet werden sollen.

TV DIGITAL: War zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Hitler getötet werden sollte?

Quentin Tarantino: Nein, das war viel später, kurz vor der Premiere in Cannes.

TV DIGITAL: Wann genau?

Quentin Tarantino: Exakt zwölf Seiten vor Abschluss des Drehbuchs! Ich kann mich noch genau an den Augenblick erinnern. Eigentlich wollte ich der Geschichte treu bleiben. Ich schreibe ja während des Tages, spät abends höre ich Musik und denke darüber nach, was ich morgen schreiben will und mache mir ein paar Notizen. Ich dachte also über Hitler nach: „Was passiert am Ende? Warte! Was tue ich eigentlich? Bring ihn einfach um!“ Und ich schrieb in mein Notizbuch: „Verdammte Scheiße, kill ihn!“ Der Grund war, dass meine Figuren ihren Anteil an der Geschichte ja gar nicht kennen. Sie wissen nicht, dass Hitler überlebt. Es wäre dumm, ihnen etwas aufzudrücken.

Artikel vom 29. Juli 2009

Autor: Oliver Noelle

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