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Interviews
Regisseur Ang Lee mit seinem Hauptdarsteller Suraj Sharma am Set

Regisseur Ang Lee (rechts) mit seinem Hauptdarsteller Suraj Sharma am Set von ''Life of Pi'' / Foto: © picture alliance/ASIAN NEWS NETWORK

Regisseur Ang Lee im Interview

Zum Kinostart von ''Life of Pi''

Ein Raunen geht durchs Kino, als der Tiger im Rettungsboot zum Sprung ansetzt und dem jungen Schiffbrüchigen nur die Flucht über Bord bleibt ... Ang Lee gelingt es eben immer zu erstaunen. Ob mit tollen Tricks in "Tiger & Dragon" oder schwierigen Stoffen wie "Brokeback Mountain". Im Interview erzählt der 58-Jährige, wie er seinem ''Life of Pi''-Star das Schwimmen beibrachte und sich einen Tiger "baute".


Hier: Kinorezension zu ''Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger'' von Regisseur Ang Lee


TV DIGITAL: Ein Junge treibt mit einem Tiger an Bord über den Ozean. Das klingt unverfilmbar …

Ang Lee: Ja, das dachte ich auch mal! Obendrein handelt die Geschichte nicht so sehr von Gefühlen, sondern von Ideen. Die meisten Leute schauen sich aber lieber Filme an, die sie emotional ansprechen. Und ich wollte wirklich keinen Arthouse-Streifen machen!

TV DIGITAL: Alles mächtig abstrakt. Wie wird ein Film daraus?

Ang Lee: Das Drehbuch muss stimmen. Und mir kam die Idee, dass man 3-D verwenden könnte, sodass mehr Leute angesprochen werden. Ich kannte mich zwar nicht damit aus, aber ich stellte mir vor, dass es gut passen würde.

TV DIGITAL: Was begeisterte Sie an dem Roman von Yann Martel?

Ang Lee: Die Story beginnt ja in Indien, wo Pi mit seinen Eltern aufwächst und auf sehr naive Weise beschreibt, wie er nach der für ihn passenden Religion sucht. Später, als er alles verloren hat und mit einem Tiger namens Richard Parker im Boot auf dem Meer treibt, macht er seine ganz eigene Erfahrung mit dem Ungewissen und mit Gott. Diese Entwicklung fand ich einfach faszinierend.

TV DIGITAL: Was ließ Richard Parker so real aussehen?

Ang Lee: Dafür wurde modernste Computerzauberei benutzt. Wir fertigten ein Modell an nach "King", einem siebenjährigen prächtigen 200-Kilo-Tiger. Wir bildeten nicht nur die Knochenstruktur und jeden Muskel nach, sondern berechneten sogar die Lichtbrechungen im Fell. Das allein hat neun Monate gedauert. Wir wollten Richard Parker nichts Menschliches geben – er sollte absolut authentisch sein. Eine Mammutaufgabe!

TV DIGITAL: Welche Beziehung haben Pi und der Tiger?

Ang Lee: Richard Parker ist natürlich eine Gefahr, aber er gibt Pi auch einen Grund weiterzuleben. Er schafft es, das Tier schließlich zu zähmen. Freunde werden sie zwar nicht, aber Gefährten, die ganz gut miteinander koexistieren.

TV DIGITAL: Der 17-jährige Suraj Sharma, der Pi spielt, hatte keine Schauspielerfahrung. Wo haben Sie ihn gefunden?

Ang Lee: Wir hatten 3000 Jungen in Indien gecastet. Als ich Suraj traf, habe ich gleich Pi in ihm gesehen. Er ist ein sehr charismatischer Kerl mit einer super Präsenz. Er ist talentiert, klug und zieht jeden in seinen Bann. Er konnte bloß nicht schwimmen! Aber wir haben es ihm beigebracht, und der dreimonatige Dreh auf dem Boot konnte beginnen.

TV DIGITAL: Ist der Ozean denn auch computergeneriert?

Ang Lee: Der sieht unglaublich echt aus. Wir haben in Taiwan auf dem Gelände eines früheren Flughafens einen gigantischen Wassertank aufgebaut. Er fasste 6,5 Millionen Liter, war 30 Meter breit und etwa vier Meter tief. Darin konnten auch Wellen erzeugt werden. Nur Stürme haben wir mittels Computertechnik simuliert.

TV DIGITAL: Sie haben Ihr Heimatland Taiwan als Drehort ausgewählt. Warum sind Sie nicht in Hollywood geblieben?

Ang Lee: Das hatte viele Gründe. In Hollywood wäre die Produktion zu teuer gewesen, außerdem funkt einem mehr Bürokratie dazwischen. Ich wollte mir von niemandem hereinreden lassen. Trotzdem brauchte ich natürlich das Fachwissen aus Hollywood: Ich nahm ein 150-köpfiges Team mit, und in Taiwan hatten wir dann jede Menge kreativen Freiraum. Mal ganz davon abgesehen, dass im Roman Pis Schiff "Tsimtsum" gleich in der Nähe von Taiwan gesunken ist. So war es auch irgendwie Schicksal, diesen Ort zu wählen.

TV DIGITAL: Vielen Dank, Ang Lee, für das Interview.


Kinotrailer zu ''Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger'':

Artikel vom 26. Dezember 2012

Autor: Wiebke Toebelmann

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