TV - Comedian Michael Kessler über das endlose Schwafeln und Schwallern in Talkshows. - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL
Es ist vollbracht! Im deutschen Fernsehen wird täglich "getalkt". Auf Deutsch heißt das: Unsinn geredet. Montags ist Plasberg "hart aber fair" und Strunz spielt "Eins gegen Eins". Dienstags hocken die "Menschen bei Maischberger“, die nicht gerade bei "Markus Lanz" hocken.
Mittwochs will "Anne Will" mitreden und Lanz labert weiter. Donnerstags talkt der berufsbetroffene "Beckmann" und Lanz labert immer noch. Freitags hat Lanz endlich Feierabend, aber dafür wird jetzt im "Riverboat", "Kölner Treff" und im "Nachtcafé" weitergeredet. Und wer da nicht redet, der redet bei "Tietjen und Hirschhausen“, "Thadeusz" oder in der "NDR Talkshow".
Samstags geht’s weiter bei "Dickes B", und sonntags machen die ZDF-Altlast "Peter Hahne" und der ARD-Zuwachs "Günther Jauch" den Rede-Sack dann endlich zu. Bis Herr Plasberg wieder ganz von vorne anfängt.
Unter der Woche promoten Politiker ihre miserable Politik, Freitagabends promoten Promis ihre Filme, Bücher und CDs. Die Polit-Diskussionen hinterlassen beim Zuschauer ein Gefühl der Ohnmacht. Die Eigenwerbung der Stars ist oft eitel und hinterlässt ein Gefühl unendlicher Langeweile. Irgendwie sieht man dauernd dieselben Plaudertaschen. Viele Politiker leben offensichtlich schon im Fernsehstudio. Die Generation Guttenberg ist rhetorisch bestens geschult und kennt die Regeln des Showbusiness.
Guttenberg-Gattin Stephanie macht Schmuddelfernsehen, und Polit-Baby Philipp Rösler veröffentlicht mit 38 Jahren bereits seine Biografie. Den Wirtschaftsmarionetten geht es längst nicht mehr um eine bessere Welt, sondern nur noch um die Karriere. Alle wollen nach oben. Möglichst schnell, mit wenig Aufwand, aber viel rotem Teppich, Presse und Party. Die Talkshows bieten die perfekte Plattform, sich zu profilieren. Geht’s in der Politik schief, heuern die Polit-Promis bei ihren guten Freunden in der Wirtschaft an.
So, wie man den Staat und die Religion voneinander trennte, so gehört längst die Politik von der Wirtschaft und den Banken getrennt. Vielleicht sollte man in Talkshows endlich Alkohol- und Drogenkonsum erlauben, um die Zungen zu lockern. Ohne Vino keine Wahrheit. Rösler & Co. würden die Hosen runterlassen, und die heiße Luft würde entweichen. Die Promis würden nicht über Filme, sondern über Atomkraft diskutieren, und wir Zuschauer würden keine dieser Talkshows verpassen. Bis es so weit ist, müssen wir Zuschauer wohl die Drogen konsumieren, um die Talkshows zu ertragen.
Artikel vom 13. Januar 2012
Autor: Michael Kessler
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