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Kesslers Kolumne
Comedian und Switch reloaded-Star Michael Kessler.

Kampfstern Internet: Comedian und Switch reloaded-Star Michael Kessler wundert sich über trödelige TV-Sender und verpeilte Kids. - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Michael Kessler sinniert über YouTube und Co.

Kampfstern Internet

Kampfstern Internet: Comedian und "Switch Reloaded"-Star Michael Kessler wundert sich diesmal über trödelige TV-Sender und verpeilte Kids.

Die globale Fernsehföderation kann es nicht länger leugnen. Sie wird bedroht! Seit Jahren umkreist sie ein gewaltiger Todesstern mit unvorstellbarer Schlagkraft. Selbst in der Kantine des Saarländischen Rundfunks hat sich der Name dieses Todessterns schon herumgesprochen. Hinter vorgehaltener Hand flüstert man ihn leise: "Internet."

Bei RTL II munkelt man, der Todesstern wolle das Fernsehen endgültig zerstören. Bis vor Kurzem wussten unsere Sender nicht, was das Internet ist. Sie kannten nur die Fernsehröhre und glaubten, den heiligen Gral modernster Kommunikation gefunden zu haben: den Bildschirmtext!

Da machte der Todesstern seine brutalste Waffe scharf: YouTube! Mit ihr kann die dunkle Seite der Macht bewegte Bilder auf Computer, Smartphones und sogar auf Fernseher senden. Seit Jahren plündern Klonkrieger die Programme der TV-Sender und laden sie bei YouTube hoch. Unsere Sender verschliefen die Attacke. Als sie aufwachten, waren sie jahrelang wie gelähmt vor Ahnungslosigkeit. Dann hatten sie eine geniale Idee. Sie kopierten die Wunderwaffe des Todessterns. Jeder schuf sein eigenes Youtube.

Allein die Namen machten Angst: Clipfish, MyVideo, RTL Now und die ARD- und ZDFMediathek. Jetzt werden alle Raubkopien zurückerobert. Aber wer zu spät kommt, den bestraft nicht nur das Leben, sondern auch YouTube. Während die Amis sich schlau gegen die Bedrohung wehrten und mit Hulu ein zentrales Andocksystem für amerikanisches Fernsehen bauten, wird bei uns alles kleinkariert auf verschiedenen Plattformen verwurstet. Allerdings für einen sehr kleinen
Zuschauerkreis.

Die Welt schaut weiter YouTube. Da bleibt für Clipfish und Co. nicht mehr viel übrig. Aber was soll man auch auf Plattformen, die Abspiel- und Werbeflächen von TV-Sendern sind? Längst holt der Todesstern zum nächsten Schlag aus. Statt Raubkopien produziert YouTube jetzt eigene Clips auf eigenen Kanälen. Dabei werden die dilettantischen Clips der Kids imitiert, die es seit Jahren bei YouTube zu sehen gibt. Je dilettantischer, desto besser. Geklickt wird immer, denn die Kids träumen davon, ein "Star" zu sein. Das haben ihnen Herr Bohlen und Frau Klum eingeredet.

Weil sie aber nicht das Zeug zum Star haben, identifizieren sie sich immer stärker mit den Talentlosen, statt mit den Talentierten. Heute machen Talentlose die Talentlosen zum "Star". Ich freue mich auf den Tag, an dem alle Kids Chirurg werden wollen und sich ohne Studium und Fingerfertigkeit an den OP-Tisch stellen, Herzen transplantieren und Hirntumore entfernen.

Artikel vom 22. Februar 2013

Autor: Michael Kessler

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