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Kesslers Kolumne
Michael Kessler hat eine Meinung zur neuen TV- und Radiogebühr.

Früher gab es die GEZ, jetzt gibt’s kein Entkommen mehr: Michael Kessler hat eine Meinung zur neuen TV- und Radiogebühr. - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Michael Kessler über die neue TV- und Radiogebühr

Goodbye GEZ

Früher gab es die GEZ, jetzt gibt’s kein Entkommen mehr: Michael Kessler über die neue TV- und Radiogebühr.

Wieder und wieder fragte man uns: "Schon GEZahlt?" Viele sagten brav: "Natürlich zahle ich!" Andere haben aber nie GEZahlt. Seit 1976 treibt die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Rundfunkgebühren fürs öffentlich-rechtliche Programm ein. Das ist nämlich für alle und wird deshalb auch von allen bezahlt. Rund siebeneinhalb Milliarden Euro kommen da pro Jahr zusammen.

Aus der bescheidenen Summe stricken ARD und ZDF ihr Programm. Im Gegensatz zum Privatfernsehen, das sich durch Werbung finanziert. Die GEZ gibt es jetzt nicht mehr. Sogar unsere Politiker merkten, dass sie nicht mehr vor Röhrenradios sitzen und die Gebühr in Zeiten von DSL so nicht mehr taugt. Jahrelang mussten wir Radios und Fernseher zählen und für jedes Gerät bezahlen. Wir kreuzten emsig Formulare an – aus Angst vor Strafe. Angeblich spürten getarnte Messwagen Schwarzseher mit Richtantennen auf.

GEZ-Fahnder schauten unentwegt nach, wer wirklich keine Glotze glotzt. WGs und Kommunen fragten: "GEZ noch?" und erklärten sich zur GEZ-freien Zone. Geglotzt wurde trotzdem. Aber das größte Problem der GEZ waren nicht die Schwarzseher, sondern ihr Image. Keiner mochte sie. Geiz war geiler als die GEZ-Gebühr. Das war nicht fair. Schließlich gab es jahrzehntelang nur öffentlich-rechtliches Programm, und fast alle wurden damit groß.

Die GEZ heißt jetzt "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice"

2013 will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Schwarzseher minimieren und das Image polieren. Deshalb heißt die GEZ jetzt "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice". GEZahlt wird prinzipiell pro Haushalt – egal wie viele Bewohner und Geräte. Für einige wird’s günstiger, für andere bleibt alles gleich. Aber ist die Reform zeitgemäß? Die Zuschauer von ARD und ZDF werden immer älter, sie sind die aussterbende Generation GEZ. Die Jungen besitzen weder Fernseher noch Radio und nutzen im Internet oft keinen öffentlich-rechtlichen Content mehr.

Aber gerade das Internet zeigt uns mit seinen explodierenden Pop-ups und Spots neben dem Privatfernsehen mit seinen unerträglichen Werbeblöcken, wie wichtig unabhängig produzierte werbefreie Inhalte sind. Öffentlich-rechtliches Programm ist ein zu schützendes Gut, das vielleicht auch von allen bezahlt werden sollte. Aber nur wenn die Sender auch Programm für alle machen, ihre Unabhängigkeit bewahren und mit unserem Geld verantwortungsvoll umgehen. Die Skandale bei KiKa, dem MDR und NDR lassen anderes ahnen, und siebeneinhalb Milliarden Euro sind sehr viel Geld. Die nächste Reform der GEZ wird früher kommen, als wir denken.

Artikel vom 08. Februar 2013

Autor: Michael Kessler

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