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Kesslers Kolumne
Michael Kessler über die Programmierungsmasche der TV-Sender.

Comedian Michael Kessler mokiert sich über die Programmierungsmasche der TV-Sender. - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Michael Kessler über die Programmierung der TV-Sender

Miese Masche

Es ist schon zum Mäusemelken. Im Fernsehen funktioniert immer weniger Fernsehen. Die heiligen Quoten schießen kaum noch in die Höhe. Viele Sendungen verschwinden schon im schwarzen Loch der "nicht mehr messbaren Quote". Sogar Harald Schmidt kann demnächst jeden seiner Zuschauer namentlich begrüßen.


Sendehinweis: ''Der Staatsanwalt''
Freitag., 25.01., ZDF, 20:15 Uhr
Ein Mord im Krankenhaus – Michael Kessler spielt eine Gastrolle.


Von 87 Millionen Deutschen, interessieren sich noch etwa 5000 Mitbürger für Dirty Harry. Das mag daran liegen, dass Harald Schmidt seit Jahren mit seinem Bühnenbild und Helmut Zerlett wie ein Wanderzirkus von TV-Sender zu TV-Sender zieht. Oder liegt es vielleicht doch am Inhalt?

Damit niemand auf die Idee kommt, an der Qualität des deutschen Fernsehens zu zweifeln, reden die Macher lieber nur noch über die "Programmierung". Dieses Zauberwort definiert die Art und Weise, wie ein TV-Sender sein Programm zusammenstrickt. Das Strickmuster wird immer wichtiger, um den ganzen schwachen Fernsehschrott zwischen den wenigen "Events" erfolgreich zu versenden. Die Programmmacher wollen den Zuschauer durch den richtigen "Flow" dazu bringen, den ganzen Abend auf einem Sender zu verbringen und nicht mehr zur Konkurrenz umzuschalten. Dazu programmiert man gern einen Quoten-Knaller in der Primetime und hofft, dass der Zuschauer das Anschlussprogramm auch noch schaut.

Damit das passiert, werden die nachfolgenden Sendungen auf Teufel komm raus betrailert, und in der Tat funktioniert das System. Viele Zuschauer vergessen ihre Fernbedienung in der Sofaritze und glotzen den einen Sender immer weiter. Plötzlich erscheint ein ganzer Fernsehabend als erfolgreiches Programm und macht den Sender zum "Marktführer".

Spannend wird es, wenn das Anschlussprogramm mal ohne Knaller im Vorfeld laufen muss. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Ohne "DSDS" oder Das Supertalent im Vorprogramm schauen z. B. die meisten RTL-Comedians ziemlich in die Quoten-Röhre.

Aber auch Günther Jauch müsste ohne "Tatort" bestimmt auf einige Zuschauer verzichten. Und was täten Gundula Gause und Klaus Kleber ohne "Wetten, dass..?"

Da wird einem auch klar, warum die Sender König Fußball so viel Geld in den Rachen schmeißen. Das richtige Spiel zum richtigen Zeitpunkt lockt schon mal 28 Millionen Menschen vor die Glotze. Danach kann man sogar dem "Wort zum Sonntag" noch zu Traumquoten verhelfen. Beim Stricken entstehen durch Faden und Garn Maschen. Die Programmierungsmasche der TV-Sender ist längst offensichtlich – und sie täuscht nicht darüber hinweg, dass viel zu viele Sendungen mit der heißen Nadel gestrickt werden und ihnen der rote Faden fehlt.

Artikel vom 11. Januar 2013

Autor: Michael Kessler

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