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Kesslers Kolumne
Michael Kessler regt sich über die Inflation der Duos in TV-Serien auf.

Comedian Michael Kessler (45) fragt: Warum gibt es nur noch TV-Serien mit ungleichen Paaren? - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Michael Kessler über Duos in TV-Serien

Langweilig & Langweilig

Wer hat eigentlich Schuld? Niedrig und Kuhnt, Edel und Starck, Mike und Molly, Lenßen und Partner, Richter und Henker, Hubert und Staller, der Cop und der Snob, Fuchs und Gans oder Anna und die Liebe? Oder waren es am Ende doch wieder Joko und Klaas?


Sendehinweis: ''Kesslers Expedition''
Fr., 07.12., RBB, 20:15 Uhr
Mit dem Rasenmäher will Michael Kessler den Brocken erklimmen.


Irgendein Pärchen hat den Doppelpack-Virus eingeschleppt und das ganze deutsche Fernsehen mit der Paarungspest infiziert. Egal ob Show, Film oder Serie. Überall verdoppelt man auf Teufel komm raus. Ein Hauptdarsteller ist zu wenig, ein Moderator reicht nicht mehr, und da sich Gegensätze angeblich anziehen, müssen jetzt in fast jeder deutschen Serie Dicke mit Dünnen spielen, Reiche mit Armen und Dumme mit Superhirnen.

Die Kombination zweier unterschiedlicher Charaktere gilt als Patentrezept für Spannung, Spaß und hohe Quoten. Dabei haben sich die Fernsehredakteure vermutlich am klassischen Porno-Streifen orientiert. Dort reiben sich seit Jahrzehnten zwei Menschen erfolgreich aneinander und ziehen damit Milliarden Zuschauer in ihren Bann.

Die Idee der Vereinigung ist nicht neu. Seit Jahrhunderten wird der dumme August vom Weißclown an der Nase herumgeführt. Das Prinzip kann auch funktionieren. Laurel und Hardy haben es als "Dick und Doof" genauso bewiesen wie Jack Lemmon und Walter Matthau in "Ein seltsames Paar". Und wer erinnert sich nicht an "Starsky und Hutch"? Aber warum geht es im deutschen Fernsehen im Moment fast andauernd nur noch zu zweit? Vermutlich weil Krimis in unserem Land so erfolgreich sind und unsere TV-Krimi-Sintflut ein seltsames Paar nach dem anderen ausspuckt.

Warum soll man sich etwas Neues ausdenken, wenn man so einen Thiel und einen Boerne auch in jedes andere TV-Format einbauen kann? Das Publikum zieht längst die Notbremse. Es hat in den letzten Jahren viel dazugelernt, vor allem wenn es darum geht, eine Masche zu entlarven – und der Paarungszwang zählt eindeutig zu den TV-Maschen. Beginnt bei einer Masche der allgemeine Melkbetrieb – alle Sender wollen nach demselben Prinzip möglichst einfach Quoten abschöpfen –, reagieren viele Zuschauer inzwischen allergisch und schalten ab. Zu Recht.

Und so verlief in der ARD für viele TV-Paare das Vorabendprogramm nicht heiter, sondern tödlich, und auchSat.1hat gleich mehrere Duos im Quotenloch versenkt. So einfach funktioniert Fernsehen eben nicht. Der satten Mediengemeinde, die heute mit den raffinierten Ideen, der überraschenden Dramaturgie und den interessanten Figuren vieler amerikanischer Serien verwöhnt ist, muss man mehr Innovation bieten, nicht mehr Hauptdarsteller.

Artikel vom 30. November 2012

Autor: Michael Kessler

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