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Kesslers Kolumne
Michael Kessler kommentiert Günther Jauchs "Wer wird Millionär?".

Michael Kessler kommentiert TV-Trends. Diesmal im Visier: Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Zum 1000. Mal: A, B, C oder D?

Michael Kessler über "Wer wird Millionär?"

Unsere britischen Nachbarn sind etwas eigen. Das Inselvolk kocht gern sein eigenes Süppchen, obwohl England eigentlich zu Europa gehört. Manchmal. Bezahlen muss man bei den Angelsachsen nämlich immer noch mit Pfund. Der Euro ist verteufelt. Aber das verzeihen wir der einstigen Weltmacht gern. Zu viele tolle Dinge kommen aus Britannien: die Spice Girls, Fish & Chips und "Who Wants to Be a Millionaire?" – hierzulande bekannt als "Wer wird Millionär?".

Ausgedacht haben sich die simple Quizshow nämlich drei britische Hirne. Das war 1998, und man fragt sich, ob die Gentlemen damals ahnten, welchen Siegeszug sie antreten würden. Vermutlich fällt Queen Elizabeth vor den Erfindern auf die Knie. Endlich hat England die Welt erobert! Mit einer Quizshow. 81 verschiedene Versionen gibt es weltweit von "WWM". In 37 Ländern wird momentan geraten. Von A wie Afghanistan bis V wie Venezuela. In 43 Ländern ist der Spaß schon wieder vorbei.

Wir Deutschen waren fast von Anfang an dabei, und so darf Günther Jauch jetzt zum tausendsten Mal fragen: "A, B, C oder D?" Noch 873 Folgen – dann schlägt Günther Jauch sogar Harry Wijnvoord mit "Der Preis ist heiß". Nur "WWM" kann zweimal die Woche laufen, selbst Doppelfolgen verleihen der guten Quote keinen Knick. Das liegt natürlich an Günther Jauch!

Der Traum-Schwiegersohn und Wunsch-Bundespräsident der fernsehenden Mehrheit moderiert mit Witz und Feingefühl. Günther Jauch lässt uns durch seine Brille auf die Kandidaten schauen. Er kitzelt unsere Nerven und die der Kandidaten, aber er ist immer fair. Doch es gibt noch einen anderen Grund für den Erfolg der Show: die Million, die winkt. Sie hängt wie die dicke Wurst vom Baum im Schlaraffenland von Günthers hoher Studiodecke. Des Deutschen liebstes Kind ist längst nicht mehr sein Auto, sondern das liebe Geld.

Stefan Raab hat reagiert und treibt bei "Schlag den Raab" das Lottoprinzip auf die Spitze. Bei ihm kann sich die Kohle auch längere Zeit im Jackpot sammeln. Wenn man schon "Wikipedia" auswendig lernt, dann muss es sich auch finanziell lohnen.

Die "Geiz ist geil"-Generation träumt von Saus und Braus und Party. Die Millionen der TV-Shows können diesen "Traum" erfüllen. Schauen wir also den nächsten tausend Folgen "WWM" ins Auge. Falls Sie bei Günther Jauch mal auf dem Stuhl sitzen sollten und gefragt werden, ob man Geld essen könne, dann verneinen Sie die Frage bitte. Auch wenn Herr Jauch dann sagt: "Sind Sie sich da absolut sicher?"

Artikel vom 27. Januar 2012

Autor: Michael Kessler

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