James Cameron (l.) und Produzent Jon Landau mit Anke Hofmann (TV DIGITAL) im Interview
TV Digital: Sie schrieben vor 14 Jahren das Drehbuch zu "Avatar". Woher stammen die Ideen?
James Cameron: Ich wollte etwas schaffen, das mir als kleiner Junge oder Teenager gefallen hätte. Eine Geschichte, die sich auf einem anderen Planeten abspielt. Sie sollte visuell originell sein. Meine Inspirationen waren Sci-Fi-Bücher, die ich als Kind gelesen hatte, Filme von Ray Harryhausen und natürlich "2001: Odyssee im Weltraum".
TV Digital: Warum war die Verfilmung damals nicht möglich?
James Cameron: Die Computertechnik für die Darstellung menschenähnlicher Gesichter war noch nicht weit genug. Meine Idee für "Avatar" war, eine nicht menschliche Figur zu entwickeln, die von einem Schauspieler gespielt wird. Unsere Kreaturen sollten der menschlichen Anatomie ähneln. So entstand das Design der Na’vi und der Avatare. Das wäre vor 14 Jahren noch viel zu teuer und zu zeitaufwendig gewesen. Erst als ich sah, wie lebensecht Gollum in Peter Jacksons "Der Herr der Ringe" wirkte, wusste ich, dass "Avatar" heute möglich ist.
TV Digital: Inwiefern ist die Digitalisierung der menschlichen Darsteller in "Avatar" so revolutionär?
James Cameron: Wir zeigen nicht nur, was der Schauspieler körperlich darstellt, sondern auch seine Gefühle: Ob er wütend, überrascht oder glücklich ist. Anstatt wie bisher reflektierende Markierungen im Gesicht der Schauspieler haben wir eine kleine Kamera wie eine Art Mikrofonhalter vor ihre Gesichter gesetzt. So können wir jeden Gesichtsausdruck aufnehmen. Insofern haben wir das bekannte Motion-Capturing zum E-motion-Capturing weiterentwickelt.
TV Digital: Warum haben Sie den australischen Schauspieler Sam Worthington für die Hauptrolle besetzt? Vor "Terminator" war er eher unbekannt.
James Cameron: Ganz einfach, weil er der Beste war. Das Einzige, was gegen ihn sprach, war sein starker australischer Akzent. Aber er hat sich diese Rolle redlich verdient. Er musste wirklich zigmal als Jake vorsprechen. Beim Dreh hat er mir blind vertraut. Denn selbst für mich war "Avatar" eine Entdeckungsreise.
Artikel vom 14. Oktober 2009
Autor: Anke Hofmann; Foto: Theo Kingma für TV DIGITAL
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