Glücklich verheiratet: Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) ist ein Exot unter den einsamen Ermittlern. (© SWR/Peter A. Schmidt)
Lust und Liebe wie im Comic: Bei ihren Herzensangelegenheiten gehen die Ermittler häufig eher hilflos vor, egal ob als Macho oder als Weichei
Der Tatort zeigt Spuren, das Delikt ist eindeutig: Auf zerwühlten Laken hockt die rosige Geliebte und hält dem zerzausten Kommissar den nackten Fuß vor die Nase. Der balanciert ein Lackfläschchen in der Linken und malt ihr sehr zärtlich den Zehennagel rot. So poetisch zeigten Dietz-Werner Steck als Kommissar Bienzle und Rita Russek als Dauerfreundin Hannelore, dass es durchaus zum Letzten kommen kann, wenn es das Drehbuch denn so will. Leider will es sehr selten.
"Tatort"-Kommissare und die Liebe: ein trauriger Fall. Wer nach Erotik sucht, muss lange zappen zwischen Kiel und Konstanz. Einsame Wölfe, wohin man blickt. Verwundete Seelen in verregneten Straßenschluchten, abgehärtete Großstadtpflanzen in schweren Lederjacken, nur dann und wann ein One-Night-Stand. Ein Schwenk über die Lebensbiotope: Die Frankfurter Kommissarin Charlotte Sänger beherbergt im Haus ihrer ermordeten Eltern den Kollegen Fritz Dellwo, ein heimatloses Trennungsopfer. Bremens verhärmte Inga Lürsen kabbelt sich mit ihrer halbwüchsigen Tochter. Die Kölner Ballauf und Schenk wärmen sich an der Currywurstbude, Ludwigshafens Lena Odenthal streichelt Katzen, Klara Blum labt sich am Bodenseeblick. Nur Felix Klare als Sebastian Bootz im Stuttgarter Duo fällt aus dem Raster der verkrachten Existenzen. Verheiratet, zwei Kinder, relativ glücklich im Einfamilienhaus - in der "Tatort"-Familie fast ein Exot. Wenn es überhaupt mal menscheln darf, dann zwischen den Kommissaren und ihren Kollegen. Da allerdings wachsen eher Neurosen als Gefühle.
Dabei war Autoren und Regisseuren schon in den 80ern klar, dass einsame Kommissare auf Dauer eintönig sind. "Reine Funktionsträger waren das", sagt der langjährige "Schimanski"-Regisseur Hajo Gies. Graue Herren mit der Standardfrage: "Wo waren Sie gestern Nacht?" Ein "soziales Hinterland" musste her, wie es im Jargon der Drehbuchschreiber heißt. Also wurden Assistenten erfunden, die funktionieren sollten wie die Komplementärfarbe beim Malen. Ist der Star markant, sind sie blass. Ist er ein Raubein wie Horst Schimanski, sind sie vom Typ Erbsenzähler wie Thanner. So pedantisch war dieser Schlipsträger, dass er sogar Buch führte über die "Scheiße"- Brüller seines Kollegen. "Wir haben diese Form des Duos erfunden, und alle haben es nachgemacht", triumphiert Gies.
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