Jan Josef Liefers als Miss Marple, Axel Prahl als Mr. Stringer im Fotoshooting für TV DIGITAL / Fotos: © Det Kempke für TV DIGITAL
Die Filmstudios Potsdam-Babelsberg an einem Spätsommertag. Ein roter Ferrari 308 GTS braust vor. Heraus steigt kein Geringerer als Thomas Magnum. Kläffend begrüßen ihn die Dobermänner von Jonathan Quayle Higgins III. Der Dreh eines heimlichen Remakes der Krimiserie aus den 80ern? Irrtum! Magnum ist in Wirklichkeit der "Tatort"-Cop Jan Josef Liefers (46). Lachend begrüßt er Higgins alias Axel Prahl (50). Heute sind beide in geheimer Mission unterwegs – und verwandeln sich für TV DIGITAL in die legendärsten Ermittler der TV-Kriminalgeschichte. Im Interview verraten sie, welche Ideen sie für den "Tatort" haben, dass sie nicht immer mit den Autoren zufrieden sind – und wann Schluss ist mit dem Münster-Krimi.
Die Fotos aus dem Krimilegenden-Shooting finden Sie unten in der Bilderstrecke.
TV DIGITAL: Eine Zeitreise von Miss Marple über Hercule Poirot bis hin zu Magnum – haben die Verwandlungen für TV DIGITAL Spaß gemacht?
Jan Josef Liefers: Verwandlung und Verkleidung, das liebe ich. Besonders der BH gab mir ein sicheres Gefühl für den ganzen Tag! Bei diesem Shooting bin ich voll auf meine Kosten gekommen. Stimmt’s Schatz?
Axel Prahl: Ich habe auch viel Spaß. Bedauerlicherweise ist es ja im Film ganz häufig der Fall, dass man sofort erkannt wird – besonders, wenn man so populär ist wie Herr Liefers (lacht). Im Ernst: Verwandlungen machen uns und den Zuschauern Freude. Wenn sie erst nach einer Minute entdecken, wer hinter einer Maske steckt, ist das viel aufregender, als das immergleiche Gesicht zu sehen. Nicht umsonst gibt es den Oscar für die beste Maske, wenn sich ein Schauspieler bestmöglich verändert.
TV DIGITAL: Herr Liefers, Sie brillieren als Miss Marple und Emma Peel. Sind Frauenrollen ein Debüt für Sie?
Jan Josef Liefers: Habe ich schon einmal eine Frau gespielt? Nein! Warum eigentlich nicht? "Manche mögen’s heiß" ist der Klassiker. Man muss dem Affen Zucker geben, aber den Zucker fein dosieren. Männer im Frauenfummel sind ein schneller Lacher, aber das hält nicht lange. Und man braucht ein sehr gut funktionierendes Drehbuch. Eine möglichst emotionale Geschichte, so ernst wie möglich. Dann kann es lustig werden. Filme wie "Tootsie" oder "Mrs. Doubtfire" gehören zur Champions League dieses Genres. Eine Frau zu spielen, das wäre eine Traumrolle!
TV DIGITAL: Welches der fünf Ermittlerduos – Holmes und Watson, Marple und Stringer, Poirot und Hastings, Steed und Steel, Magnum und Higgins – beeindruckt Sie besonders?
Jan Josef Liefers: Ich kann nicht viel dazu sagen als Ex-DDR-Kind. Zwar kenne ich die alle ein bisschen, aber richtig eingestiegen in Serien wie "Magnum" bin ich nie. Nur "Sherlock Holmes" habe ich immer geschaut. Persönlich stehe ich sehr auf die englischen Krimis. Ein bisschen was von ihrer Erzählweise findet sich auch im Münster-"Tatort" wieder – immer dann, wenn skurrile Charaktere im Vordergrund stehen und es weniger um Sozialdrama oder die Psychologie des Thrillers geht.
Axel Prahl: Ich gucke gern die alten Miss-Marple-Filme. Es ist bemerkenswert, wie viel Akribie und Freude am Detail in die Maske, Requisite und Filmmusik dieser alten Streifen investiert wurde. Heutzutage würde das den Kostenrahmen sprengen. So müssen wir beim Münster-"Tatort" mit 22 statt wie früher mit 24 Drehtagen auskommen – jeder dauert bis zu zwölf Stunden. Vor diesem Hintergrund ist es undenkbar, eine Filmmelodie wie die von "Miss Marple" in 95 000 Varianten durchzudeklinieren. Studiomusiker oder Filmorchester gibt es ja kaum noch bei Spielfilmen.
TV DIGITAL: Herr Liefers, welches Ermittlerpaar war in Ostdeutschland legendär?
Jan Josef Liefers: Im DDR-Fernsehen war es der "Polizeiruf 110". Da ermittelte aber kein Duo, sondern ein ganzes Kommissariat, also ein allgegenwärtiges Kollektiv aus bewährten Genossen der Volkspolizei. Es war eben die DDR-Ausgabe, aber im Kern verfolgte sie dasselbe Prinzip.
TV DIGITAL: Boerne und Thiel sind selbst ein Kult-Duo, das bis zu zehn Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm fesselt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Jan Josef Liefers: Wollen Sie meine ehrliche Antwort hören? Darüber will ich keine Sekunde nachdenken. Das ist so, als würde man jemandem sagen, er sei auf eine schöne, natürliche Art charmant! Wenn dann der Gelobte darüber nachzudenken beginnt, wie dieser Eindruck wohl zustande kommt – peng – verliert er seinen Charme. Für uns ist die Arbeit am Münster-"Tatort" einfach ein großes Vergnügen. Vielleicht überträgt sich das auf die Zuschauer.
TV DIGITAL: Wie wichtig ist Ihnen die Einschaltquote?
Jan Josef Liefers: Wenn mir jeder Zuschauer, der unseren "Tatort" sieht, einen Euro schicken würde, würde ich mich sehr für die Quote interessieren!
Axel Prahl: 50 Cent wären auch nicht schlecht… Nein: Über die Quote will ich nicht spekulieren. Toll, dass sie bei uns so gut ist!
TV DIGITAL: Wie gut ist die Drehbuchqualität Ihres "Tatorts"?
Jan Josef Liefers: Beim Münster-"Tatort" lässt sich einiges realisieren, was bei anderen "Tatorten" schwierig wäre. Insofern lautet die Antwort: sehr gut. Andererseits haben wir keine Lust, inhaltlich auf der Stelle zu treten. Bei Stagnation höre ich lieber auf, dann bleiben wir wenigstens in guter Erinnerung. In diesem Punkt sind Axel und ich uns einig. Doch es stellt sich immer wieder heraus, dass es allgemein Drehbuch-Autoren nicht so leicht zu fallen scheint, einen wasserdichten Münster-"Tatort" zu schreiben.
Axel Prahl: Manchmal gucken wir schon komisch, wenn es wieder heißt, mein kiffender Vater habe eine Leiche entdeckt. Die große Herausforderung für Autoren des Münster-"Tatorts" besteht darin, vor dem Schreiben eines Drehbuchs erst einmal die Entwicklung der Haupt- und Nebenfiguren über die vergangenen 17 Folgen nachzuvollziehen. Eigentlich brauchen die Autoren eine Art "Tatort"-Bibel. Sie müssen wissen, dass Thiel schon mal strafversetzt wurde, Alkoholprobleme hatte und den Führerschein verlor. Ansonsten rümpfen wir Schauspieler die Nase und wundern uns, dass Autoren gar nicht wissen, dass mein Filmsohn in Neuseeland ist.
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