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TV DIGITAL
Tatort
Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli)

"Tatort: Borowski und eine Frage von reinem Geschmack": Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) / Fotos: © NDR/Marion von der Mehden

Die Neue beim "Tatort"

Sibel Kekilli unterstützt Axel Milberg

Im neuen Tatort">"Tatort" ("Borowski und eine Frage von reinem Geschmack", 24.10., 20.15 Uhr, Das Erste) geht Axel Milberg nicht nur auf Mörderjagd, sondern auch auf Partnersuche – und wird fündig. Als Sarah Brandt ermittelt Sibel Kekilli ("Gegen die Wand") an seiner Seite. TV DIGITAL traf das neue Kieler Duo zum Exklusiv-Interview über Henkersmahlzeiten, Wachstumshormone – und die Erotik des Fleisches

TV DIGITAL: Ihr "Tatort" eröffnet die ARD-Themenwoche "Gesunde Ernährung". Warum ist es ein besonderer "Tatort"?

Axel Milberg: Bisher wurde uns noch nie ein Thema vom Sender vorgegeben. Wir hätten auch sagen können, nicht mit uns, aber das Drehbuch gefiel uns.

TV DIGITAL: Warum ist das Thema "Gesunde Ernährung" mehr denn je relevant?

Sibel Kekilli: Erstens aus gesellschaftlichen Gründen. So gibt es zum Beispiel immer wieder gesellschaftliche Debatten, ob etwa dickere Menschen mehr Krankenkassenbeiträge zahlen sollen. Zweitens merke ich selbst, dass ich schläfrig, müde und unkonzentriert bin, wenn ich Junk Food esse. Mein persönliches Fazit lautet, dass wir uns in Deutschland zwar gesundheitsbewusster ernähren, aber leider längst noch nicht in allen gesellschaftlichen Kreisen.

Axel Milberg: Der Verbraucher entscheidet darüber, was produziert wird – indem er ein Produkt kauft oder nicht. Doch so lange die Verbraucher nur Wert auf billiges Fleisch und billige Lebensmittel legen, ändert sich nichts zum Positiven. Ein Beispiel: Wenn Sie im Bioladen Putengeschnetzeltes kaufen, kosten 200 Gramm etwa sieben Euro – im Supermarkt hingegen nur ein Drittel. Das liegt an der Massentierhaltung. Wachstumshormone simulieren ein ausgewachsenes Tier. Deshalb müssen die Verbraucher informiert werden über das, was sie essen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Krebs können an ungesunder Ernährung liegen. Das führt uns zurück zur Themenwoche: Es ist gut, dass die ARD als öffentlich-rechtlicher Sender diesbezüglich aufklärt. Und Aufklärung gelingt besonders gut durch einen Krimi wie den "Tatort", der Thriller-Elemente mit Informationen verbindet.

TV DIGITAL: Wie viel nützen Informationen über die in unseren Lebensmitteln enthaltenen Inhalts- und Zusatzstoffe wirklich?

Axel Milberg: Manchmal schaue ich genauer hin, manchmal nicht – etwa bei Sachen, die ich schon immer gegessen habe oder zu meinen Leibspeisen zähle. Außerdem kenne ich wie jeder Mensch das Gefühl, dass ich es mir leisten kann, etwas Ungesundes zu essen, wenn ich mich zuvor gesund ernährt habe. Übrigens lässt sich dieses Verhalten trefflich am Frühstücksbuffet in Hotels studieren. Dort verleiben sich viele Reisende zuerst ein gesundes Müsli mit Honig ein – und verputzen anschließend Quarkschnitten, Apfeltaschen und Eier mit Speck. Dieses Gefühl, sich etwas verdient zu haben nach zehn Minuten Askese, kenne ich auch.

TV DIGITAL: Was wäre Ihre Henkersmahlzeit? Als "Tatort"-Kommissare mögen Sie Ihr Fleisch bestimmt gern blutig, oder?

Sibel Kekilli: Nein! Ich liebe Sushi!

Axel Milberg: Ich esse mein Steak gern "medium, well done". Aber Lieblingsgerichte habe ich nicht. Ich liebe Kassler mit Ananaskraut, bekomme es zu Hause allerdings nie, weil meine Frau es nicht mag.

TV DIGITAL: Lässt sich angesichts immer neuer Lebensmittelskandale überhaupt durchschauen, was in unserer Nahrung steckt?

Sibel Kekilli: Ein Lebensmitteleinkauf beim kleinen Händler oder seit Jahren bewährten Metzger um die Ecke ist sicher besser als wahlloses Einkaufen im Einkaufscenter.

TV DIGITAL: Doch was raten Sie als ernährungsbewusste Menschen denjenigen, die sich keine teureren Lebensmittel beim Kleinhändler oder im Bioladen leisten können?

Axel Milberg: Auf jeden Fall, die kleinen Läden zu unterstützen. Von ihrer Geschäftsgrundlage ist die Existenz der Familien abhängig. Außerdem macht es viel mehr Spaß, dort einzukaufen, weil sich häufig im Gespräch mit den Ladenbesitzern ein toller Speiseplan zusammenstellen lässt. Ich mache das selbst. Meine "Beraterin" ist Frau Moser in München, die einen tollen Metzgerladen betreibt. Dort verläuft die Kommunikation in etwa so. Frau Moser sagt: "Ach gerade drehfrei? Was nehmen wir denn?" Ich: "Für sieben Personen Rinderrouladen." Frau Moser: "Da hätte ich ein besonders schönes Stück Rinderlende für Sie …!" Nun, wer seinen Körper liebt, sollte ihm auch gute Dinge zuführen. Gute Ernährung ist ein Teil davon, zu sich selber Ja zu sagen. Ich finde es schade, dass die kleinen Läden in den letzten 20 Jahren fast alle aufgeben mussten. Die Innenstädte sind zum Teil tot, dafür boomen Einkaufscenter in Industriegebieten – das ist eine unschöne Entwicklung.

Artikel vom 15. Oktober 2010

Autor: Mike Powelz

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