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Ist US-Soldat Nicholas Brody (Damian Lewis) ein Held oder ein Überläufer?
Fotos

TV-Serie ''Homeland'' auf Sat.1: Ist US-Soldat Nicholas Brody (Damian Lewis) ein Held oder ein Überläufer? / Fotos: © Showtime 2011 / Showtime

''Beste Serie der Welt''

Start der TV-Serie ''Homeland'' auf Sat.1

Die Überraschung bei der Emmy-Verleihung im September 2012 war perfekt. Die ''Homeland''-Stars Claire Danes und Damian Lewis waren bereits als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet worden, als die neue US-Serie gleich mit ihrer ersten Staffel auch die wichtigste Trophäe des Abends gewann: beste Drama-Serie des Jahres. Jetzt kommt der packende Thriller über die mysteriöse Heimkehr eines amerikanischen Kriegsgefangenen endlich auch ins deutsche Fernsehen. Meisterhaft fängt ''Homeland'' die Paranoia in den USA nach 9/11 ein. Fazit: Einschalten ist oberste Bürgerpflicht!


''Homeland'' räumt bei den Emmys ab


Story:

Alles könnte so schön sein. Der tot geglaubte US-Soldat Nicholas Brody (Damian Lewis, "Band of Brothers") wird nach acht Jahren Gefangenschaft im Irak befreit. Doch die junge CIA-Agentin Carrie Mathison (grandios: Claire Danes) hat Zweifel. Kurz zuvor hatte sie bei einem Einsatz im Irak einen Tipp erhalten: Terroristen hätten einen gefangenen US-Soldaten auf ihre Seite ziehen können. Auf eigene Faust lässt Mathison in Brodys Haus Kameras installieren. Plant der in den Medien gefeierte Held etwa einen Terroranschlag in den USA?

Hintergrund:

Die Vorlage für "Homeland" lieferte eine israelische TV-Serie: "Hatufim" (2010) erzählt das Schicksal zweier israelischer Soldaten, die überraschend 17 Jahre nach einem Einsatz im Libanon nach Hause zurückkehren.

Wem gefällt’s?

Eingefleischte "24"-Fans könnten hier ihre neue TV-Heimat finden – wobei "Homeland" weniger auf Action und noch stärker auf Charaktere setzt. Cineasten kennen die Grundidee des verdächtigen Helden aus dem Klassiker "Botschafter der Angst" (1962) mit Frank Sinatra.


Sendehinweis: ''Homeland''

Spannende US-Serie über tot geglaubten Kriegsheimkehrer
SO, 3.2., Sat.1, 22.15 Uhr


Reporterin Anke Hofmann und Schauspielerin Claire Dane

Reporterin Anke Hofmann und Schauspielerin Claire Danes beim Interview für TV DIGITAL / Foto: © Theo Kingma

Schauspielerin Claire Danes im Interview:

TV DIGITAL: Mit der Serie "Willkommen im Leben" (1994-1995) hatten Sie Ihren großen Durchbruch. "Homeland" ist die erste TV-Serie, in der Sie seitdem mitgespielt haben. Ist das Zufall oder gewollt?

Claire Danes: Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, wieder in einer TV-Serie mitzuspielen, und ich habe mich auch um keine Serienrolle bemüht, obwohl es mich begeistert, wie sich die TV-Landschaft in den letzten Jahren entwickelt hat. Ich bin ein großer Fan von Serien wie "Breaking Bad", "The Wire" oder "Mad Men." Ich hatte also mitbekommen, dass das Medium Fernsehen lebendiger und aufregender denn je ist. Trotzdem hatte ich doch etwas Bedenken, mich wieder für sieben Jahre an ein Projekt zu binden. Das ist ein sehr erschreckender Gedanke für eine Schauspielerin. Aber die Handlung in "Homeland" war zu gut und die Figur der Carrie zu interessant, als dass ich hätte ablehnen können. Seit ich das Drehbuch zur Pilotfolge gelesen hatte, habe ich nur noch über Carrie nachgedacht. Diese Rolle regte meine Fantasie an. Der Auftakt endete mit einem so spannenden Cliffhanger, dass ich mir sicher war, dass die Autoren Howard (Gordon) und Alex (Gansa) die weiteren Folgen auch so mitreißend schreiben würden.

TV DIGITAL: Das Thema "bipolare Störung" (manisch-depressive Erkrankung) ist im Moment überall im Gespräch. Und "Homeland" ist eine der ersten Serien, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Ihre Kollegin Glenn Close nennt die bipolare Störung eines der letzten Stigmas unserer Gesellschaft...

Claire Danes: Richtig. Und deswegen nehme ich meine Verantwortung gegenüber dieser Krankheit sehr ernst. Ich habe sehr viel Mitgefühl für diejenigen, die unter dieser Störung leiden. Ich nenne es lieber einen Zustand als ein Leiden, denn es kann auch ein Vorteil sein, wenn man anders gepolt ist und die Welt mit anderen Augen sieht. Solche Menschen können unserer Gesellschaft wichtige Erkenntnisse und Einsichten liefern. Ich will diese Krankheit nicht romantisieren, denn sie kann auch sehr schmerzhaft für die Betroffenen sein und ihnen extrem schaden. In der Serie wollen wir auf ehrliche und respektvolle Weise zeigen, was es bedeutet, ein manisch-depressiver Mensch zu sein. Aber genau wie beim Autismus gibt es ein riesiges Spektrum, innerhalb dessen sich diese Krankheit darstellen kann.

TV DIGITAL: Wo waren Sie am 11. September 2001?

Claire Danes: In Sydney in Australien. Mein damaliger Freund hatte am 11. September Geburtstag, und wir haben gefeiert, als uns die schreckliche Nachricht erreichte. Eigentlich wollte ich am 12. September wieder nach New York fliegen, aber das war natürlich nicht mehr möglich. Ich bin in New York aufgewachsen, in Soho – 15 Blöcke von den Zwillingstürmen des World Trade Centers entfernt. Es war fast surreal für mich, dass ich mich auf der anderen Erdhalbkugel befand, während meine Nachbarn diesen Schrecken durchmachen mussten. Bis zu diesem Moment war mir nie bewusst gewesen, wie patriotisch ich bin. Ich kam mir so hilflos vor - fast wie eine Verräterin -, weil ich mich so weit weg in Sicherheit befand. Nicht, dass ich wirklich viel hätte tun können. Aber ich wollte einfach nach Hause. Dieser Tag hat die ganze Welt verändert, und wir versuchen noch immer, den tieferen Sinn zu begreifen. Als amerikanische Staatsbürger haben wir dieses Gefühl von Verletzbarkeit vor dem 11. September nicht gekannt. Unser Land war noch nie direkt angegriffen worden. Wir haben unserer Unschuld an diesem Tag verloren und müssen uns jetzt als Amerikaner neu definieren. Unsere Herzen sind immer noch gebrochen. Genau diese Stimmung in unserer Gesellschaft greift "Homeland" auf.

TV DIGITAL: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet? Haben Sie sich die israelische Vorlage der Serie angesehen?

Claire Danes: Nein. In der Originalserie "Hatufim" gibt es keine weibliche Protagonistin. Die Vorlage unterscheidet sich also sehr von unserer Version. Aber wir haben Gideon Raff, den Schöpfer von "Hatufim", als ausführenden Produzenten mit in unserem Team. Seine israelische Serie konzentriert sich allerdings stärker auf den Aspekt der Folter. Natürlich habe ich sehr viel für meine Rolle recherchiert. Ich konnte für Carrie nicht einfach auf meine Intuition oder meine Vorstellungskraft zurückgreifen, sondern musste mich der Rolle konkreter annähern. Ich habe mich mit einer CIA Agentin getroffen. Sie hat mich nach Langley mitgenommen und ihren Kollegen vorgestellt. Ich habe sie mit meinen Fragen gelöchert, und zu meiner eigenen Überraschung waren sie extrem offen und entgegenkommend mit ihren Antworten. Total cool. Ich habe auch mit der medizinischen Expertin Julie Fast gesprochen, die selbst unter einer bipolaren Störung leidet und mehre Bücher darüber geschrieben hat. Und ich habe mich an einige Freunde gewandt, die Psychologen sind, und viel gelesen - sogar "Der Mittlere Osten für Dummies" (lacht). Das ist kein Scherz! Das war sogar sehr interessant.

TV DIGITAL: Könnten Sie jetzt als Analystin bei der CIA anfangen?

Claire Danes: Ich denke, ich bin eine bessere Schauspielerin als Analystin (lacht). Aber viele manisch-depressive Menschen glauben wirklich an Verschwörungstheorien und sind fest davon überzeugt, dass sie die Welt retten und an den Toren des Weißen Hauses klopfen müssen. Und Carrie ist beruflich in der Position, das wirklich tun zu können.

TV DIGITAL: Wie paranoid sind Sie selbst?

Claire Danes: Ich bin nicht sehr paranoid. Ich bin auch nicht sehr politisch gepolt. Seit den Dreharbeiten bin ich auf diesem Gebiet aber aktiver geworden.

TV DIGITAL: Haben Sie in Ihrem Leben jemals jemandem nachspioniert?

Claire Danes: Ich bin in New York aufgewachsen, und die Apartments sind so gebaut, dass man fast automatisch dem Nachbar ins Fenster schauen kann. Wir haben uns wahrscheinlich gegenseitig ausspioniert (lacht). Wie in (Alfred Hitchcocks) "Das Fenster zum Hof"!

TV DIGITAL: Vielen Dank, Claire Danes, für das Interview.

Artikel vom 01. Februar 2013

Autor: Michael Tokarski / Interview: Anke Hofmann

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