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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Die TV-Doku ''Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft'' (13.02., 22.45 Uhr, Das Erste) zeigt eins der seltenen Interviews mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. / Fotos: © NDR

Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft

Heute im TV: eine Doku über Facebook

Wer in der Zentrale von Facebook im kalifornischen Palo Alto als Entwickler anfängt, fragt sich mitunter, ob Mark Zuckerberg nur ein T-Shirt hat. Dabei kauft sich der Mehrheitsgesellschafter und Facebook-Gründer immer ein Dutzend derselben Art und trägt sie dann einen Tag nach dem anderen. An Mode hat der Erfinder von Facebook kein gesteigertes Interesse – seine volle Aufmerksamkeit gilt stattdessen seiner Schöpfung.


Sendehinweis:

"Facebook: Milliardengeschäft Freundschaft"
Mark Zuckerbergs Imperium im Check
MO 13.2., Das Erste, 22.45 Uhr

Allein in Deutschland tummeln sich über 22 Millionen in diesem sozialen Netzwerk, dass das Leben ins Internet verlegt: Wenn der Freundeskreis etwas wissen muss, gab es früher die Telefonkette und gestern die E-Mail. Will man heute möglichst viele Gleichgesinnte erreichen, erledigt das Facebook. In der arabischen Welt wurden auf Facebook Revolutionen geboren, hierzulande machte ein Mädchen namens Thessa Schlagzeilen, als es ungewollt öffentlich zu einer Party einlud.

Aber: Was hat das Unternehmen selbst eigentlich von all den Mitteilungen, privaten Informationen und – häufig genug – Belanglosigkeiten, die es verwaltet? Das klärt die Doku "Facebook: Milliardengeschäft Freundschaft" (13.2., 22.45 Uhr, Das Erste). TV DIGITAL sprach mit den Machern und verrät, was Facebook mit unseren Daten anstellt.

Facebook ist ein global Player – das Durchbrechen der Schallgrenze von einer Milliarde Nutzern weltweit ist nur noch eine Frage der Zeit. "Das Ziel des Unternehmens ist, die Welt noch offener und vernetzter zu machen", sagt Mark Zuckerberg in der Doku. "Wir glauben, dass es allen viel besser geht, wenn du erfährst, was deine Freunde tun. So kannst du Neues kennenlernen, zum Beispiel Restaurants entdecken oder neue Laufstrecken finden. Deine Welt wird bereichert."

Der Boss weiß, wie seine User ticken. In Harvard war neben Informatik auch Psychologie eines seiner Studienfächer. Er kombinierte das Wissen aus beiden Fächern, um die Nutzer zum Plaudern zu animieren: Nur wer etwas von sich preisgibt, bekommt Reaktionen. Ein "gefällt mir" zu ernten, wird zur Motivation, immer wieder Neues zu teilen.

Privates ist die Währung im sozialen Netzwerk. Die Versuchung mitzumachen, ist groß. Aber wer sich bei Facebook anmeldet, erteilt dem Netzwerk automatisch für alle privaten Fotos und Videos, die er hier hochlädt, eine übertragbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für ihre Nutzung. Wer an Spielen – etwa einem virtuellen Bauernhof – auf Facebook teilnimmt, willigt ein, dass diese Anwendungen auf Profildaten zugreifen – und zwar nicht nur auf die des Spielers, sondern auch seiner Freunde.

Auch viele Unternehmen sammeln Daten, indem sie Aktionen und Gewinnspiele im Netzwerk veranstalten. Die deutschen Datenschützer allerdings kochen besonders wegen eines Cookies: Mit diesem kleinen Code, der sich bei jedem Nutzer im Rechner einnistet, kann Facebook auch jenseits der eigenen Grenzen verfolgen, was der Nutzer im Internet macht. Alle Seiten außerhalb Facebooks, die einen "Gefällt mir"-Button anbieten oder die Möglichkeit, einen Artikel über Facebook weiterzuempfehlen, kann der Cookie identifizieren. So kann Facebook für jeden seiner User problemlos ein ausgefeiltes Surf-Protokoll erstellen.

Privatsphäre existiert im sozialen Netzwerk also nur scheinbar, die dort offenbarten persönlichen Vorlieben sind dessen Betriebskapital. Denn der Markt für Onlinewerbung wächst stetig. Mehr als sechs Milliarden Euro haben Unternehmen dafür im letzten Jahr in Deutschland ausgegeben. Facebook ermöglicht Werbekunden das sogenannte "Targeting", also das gezielte Ansprechen von Zielgruppen, passend zu den gesammelten User-Daten. Auch das ist angewandte Psychologie: Wer sich im privaten Umfeld wähnt, ist empfänglicher für Werbebotschaften.

In Palo Alto selbst gibt es keine kritischen Stimmen. BBC-Journalist Charles Miller, der für die Doku eines der seltenen Interviews mit Zuckerberg erhielt, erlebte eine lockere Atmosphäre in der Konzernzentrale. Der Chef läuft den Kollegen oft über den Weg, Praktikanten werden bewusst in die Nähe der Chefriege gesetzt, denn frische Ideen, neue Impulse werden hier geschätzt. "Seit dem Film ,The Social Network‘ könnte man denken, dass sich Zuckerberg 24 Stunden am Tag hinter dem Rechner versteckt", sagt Miller zu TV DIGITAL. Doch der Facebook-Chef ist kein Soziopath: "Er führt ein ziemlich normales Sozialleben und hat schon immer viele Freunde gehabt."


Hier: Facebookseite von TV DIGITAL

Fragen zum deutschen Datenschutz waren im Interview tabu. Zuckerberg kenne sich mit der speziellen Rechtslage in Deutschland zu wenig aus, lautete die Begründung. Der schmale Grat, auf dem er wandelt, ist ihm aber offensichtlich bewusst: "Unser Ziel ist, dass die Leute unser Angebot nutzen. Wenn wir allerdings zu weit vorpreschen oder ihnen Dinge vorschreiben, die sie nicht wollen, scheitern wir."

Auch die Versuche von Doku-Autorin Svea Eckert, von Facebook ein Statement zum Datenschutz zu bekommen, scheiterten. Wegen eines Interviews mit Richard Allan, dem europäischen Cheflobbyisten, hielt man sie monatelang hin, bis eine Absage kam. Dennoch hat sie nach der Recherche ihren Facebook-Account nicht gelöscht. Man müsse eben lernen, empfiehlt sie, das Netzwerk zu nutzen, ohne sich benutzen zu lassen. Sich intensiv mit den Privatsphäre-Einstellungen auseinandersetzen, AGBs genau lesen, nach jedem Besuch Cookies löschen. "Viele verwenden Facebook, als würden sie blind über die Straße laufen." Und das war schon riskant, als wir Neuigkeiten im Freundeskreis noch per Telefonkette verbreiteten

Artikel vom 13. Februar 2012

Autor: Dirk Oetjen

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