Günther Jauch feiert Jubiläum: Der Moderator begrüßt die RTL-Zuschauer zum 1.000. Mal zu "Wer wird Millionär?" (03.02.2012, 20.15 Uhr).
Tausendmal verführt, tausendmal ist viel passiert: Günther Jauch hat seine Kandidaten in Versuchung gebracht, mit den Gewinnern gejubelt, tragische Abstürze erlebt. In bisher 999 Folgen wurde seit 1999 um gigantische 74 Millionen Euro gespielt, zehn Kandidaten (davon drei Promis) gingen als Millionäre, 21 von insgesamt 2051 Glücksjägern mit null Euro nach Hause.
Bevor am 3. Februar das 1000. Jubiläum von "Wer wird Millionär?" (siehe TV-Tipp rechts) mit einer Doppelfolge gefeiert wird, wollte TV DIGITAL von der Fernsehnation wissen, warum sie so gerne "WWM" schaut. Eine Repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von TV DIGITAL ergab, dass 46 Prozent aller Personen ab 14 Jahren in Deutschland gelegentlich "Wer wird Millionär?" sehen, weitere 13 Prozent sogar regelmäßig. Diese Zuschauer wurden anschließend nach den Gründen, die Sendung einzuschalten, befragt.
Mit Abstand das wichtigste Motiv ist der Wissensgewinn (86 Prozent). Dass sein Publikum durchs Mitraten schlauer wird, gefällt Günther Jauch: "Durch 'WWM' geschieht die Wissensvermittlung nicht mit dem erhobenen Zeigefinger", sagt er. "Die Fragen (siehe weiter unten) spielen bei unserem Erfolg eine maßgebliche Rolle. Sie sind zum Teil witzig, aber auch wohlüberlegt. Da macht es viel Spaß, vor dem Fernseher mitzuraten."
"Wer wird Millionär?": Wer sucht die Fragen aus?
Die Arbeit der Autoren ist nicht gerade einfacher geworden: Sieben bis acht von zehn Ideen wandern laut Chefautor Günter Schröder mittlerweile in den Papierkorb, weil eine Frage schon in ähnlicher Form existiert. Von ursprünglich drei ist das Team auf heute zehn Köpfe gewachsen. Für echte Aufregung sorgte 2005 die Frage, welcher Nobelpreisträger für Physik mehrfacher Fußballnationalspieler seines Landes war. Die vermeintlich richtige Antwort, Niels Bohr, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Nur der Bruder des Dänen, der 1913 ein bahnbrechendes Atommodell entwickelte, war definitiv Nationalspieler. Der betroffene Kandidat erhielt eine zweite Chance.
Die Spannung von Wer wird Millionär? ist das am zweithäufigsten genannte Motiv der Zuschauer (61 Prozent): Schafft es der Kandidat bis zur Millionenfrage? Riskiert er es, ohne Joker weiterzuspielen? Oft enden Spielrunden in der sogenannten "500-Euro-Tragödie", wenn Kandidaten mit einer falschen Antwort Tausende Euro verlieren. Den herbsten Absturz erlebte François Pütz, der sich im November 2008 bis zur 500 000-Euro-Frage durchschlug: "Wer stellte vor 150 Jahren ein Kondom aus Gummi her?" Giovanni Pirelli, John Dunlop, Charles Goodyear oder André Michelin? Der damals 40-Jährige hatte einen Verdacht, den ein befragter Zuschauer noch bekräftigte: John Dunlop. Richtig wäre jedoch Charles Goodyear gewesen. Pütz fiel so tief wie kein anderer Kandidat in der Geschichte der Show und verlor 124 500 Euro.
46 Prozent der befragten Zuschauer gaben an, dass sie das Quiz einschalten, weil sie mit den Kandidaten mitfühlen. Die sind auch der Grund, warum Günther Jauch bis heute Spaß an der Sendung hat: "Gottes großer Zoo ist einfach unerschöpflich!", so der 55-Jährige. "Dadurch, dass immer neue und andere Menschen in meiner Show antreten, wird es immer interessant bleiben. Ich mache mir keine Sorgen, dass die Show jemals langweilig werden könnte."
Dass nur 42 Prozent der Befragten explizit sagen, sie seien seinetwegen dabei, trägt er mit Fassung: "Ich finde das völlig in Ordnung, und es überrascht mich auch nicht. Entscheidend ist im Fernsehen immer ein starkes Format und erst in zweiter Linie der Präsentator", sagt er. Günther Jauchs ganz persönliche Rangliste der Gründe, das Format zu mögen: "Für mich ist die Kommunikation mit den Kandidaten am interessantesten, dann, ob ich die Frage selbst beantworten könnte, und erst zuletzt, wie viel Geld damit gewonnen wird." Die Beute der Kandidaten kann sich sehen lassen: Durchschnittlich nahm jeder 36 306 Euro mit. Und ein Ende des Spiels ist nicht abzusehen. Tausendmal hat Jauch verführt, tausendmal ist viel passiert – da hat es beim Publikum ganz mächtig "Zoom" gemacht.
"Wer wird Millionär?": Wer kommt bloß auf diese Fragen?
Ein Blick in die Denkfabrik von "Wer wird Millionär?"
1. Die Idee für eine Frage entsteht beim Lesen in der Zeitung, beim Surfen im Internet oder in Alltagssituationen: Manchmal stolpern die Autoren selbst beim Einkaufen über einen Sachverhalt, der sich für eine Frage eignen könnte. Eine Notiz im Handy sorgt meist dafür, dass die Idee nicht verloren geht.
2. Über die Stichwortsuche in einer Datenbank, die alle bereits gestellten Fragen enthält, kontrolliert ein Autor, ob jemand vor ihm auf dieselbe Idee kam. Wenn nicht, wird die Frage geschrieben.
3. Mit einer speziellen Software wird sie dann in die Datenbank eingegeben. Anschließend muss der Autor mindestens zwei Quellen finden, die den Sachverhalt belegen. Außerdem schlägt er einen Schwierigkeitsgrad vor. Bis zur Millionenfrage gibt es zehn Schwierigkeitsgrade.
4. In einer Redaktionssitzung werden jede Woche alle neuen Fragen diskutiert und entschieden, ob sie für die Sendung geeignet sind. Dabei besprechen die Kollegen auch, ob der vorgeschlagene Schwierigkeitsgrad zur Frage passt.
5. In einer weiteren Sitzung, diesmal mit den Verantwortlichen von RTL und der Produktionsfirma Endemol, wird erneut über Inhalt, Form und Schwierigkeitsgrad der Fragen diskutiert.
6. Von zwei weiteren Autoren werden alle Fragen auf sachliche Richtigkeit geprüft, dazu von einer Lektorin Korrektur gelesen und noch einmal gecheckt. Danach gelangen sie als "spielberechtigt" in den Pool der zirka 300 vorgesehenen Fragen für die nächsten Sendungen. Nach dem Zufallsprinzip stellt die Software Fragen-Sets für eine Sendung zusammen.
7. Am Aufzeichnungstag (die Sendungen sind nicht live) werden die Fragen nochmals daraufhin inspiziert, ob sie im Lichte aktueller Entwicklungen noch eindeutig zu beantworten sind. Erst dann kommen sie auf Günther Jauchs Bildschirm.
Artikel vom 02. Februar 2012
Autor: Dirk Oetjen
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