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Kesslers Kolumne
Michael Kessler nimmt Show-Remakes aufs Korn.

Comedian Michael Kessler erinnert sich lieber an die alten Shows, statt Remakes zu gucken. - Foto © Stephan Pick für TV DIGITAL

Show-Recycling

Michael Kessler nimmt Show-Remakes aufs Korn

Kesslers Kolumne bei TV DIGITAL: Diesmal nennt der Comedian gute Gründe, warum 70er-Jahre-Shows in Frieden ruhen sollten.

Es war einmal ein Land, wo alle abends Fernsehen schauten. Die Menschen lebten noch in Familien, die sich vollzählig auf Sofas versammelten, um gemeinsam fernzusehen. Papa wählte einen der drei Sender, und alle verfolgten bei Wurstbrot und Nüsschen die Geschichten aus dem Flimmerkasten. Die Straßen waren abends leer gefegt, denn zu Hause liefen Straßenfeger.

Klein und Groß blieben gespannt im "Stahlnetz" hängen oder gingen in fernen Galaxien auf "Raumpatrouille". In den Familien wurde noch zusammen gelacht. Jung und Alt amüsierte sich mit Frankenfeld, Carrell und Kulenkampff oder Thoelke, Heck und Rosenthal. Millionen fieberten "Am laufenden Band" bei "Der große Preis" und hofften, "Einer wird gewinnen". Die Showmaster waren noch charismatischkomische Multitalente mit Persönlichkeit. Sie moderierten, spielten, sangen und tanzten.

Dem Charme und Humor eines Peter Alexander konnte keiner widerstehen. Unvergessen sind seine Parodien. Und wir alle waren einer Meinung: "Das war spitze!" So viel Charme und Talent sucht man heute bei den Showmastern vergeblich. Bleiben deshalb die Plätze auf dem Sofa vor der Glotze leer? Besitzen deshalb junge Leute keinen Fernseher mehr? Dem Fernsehen von heute mangelt es nicht nur an guten Fachkräften, sondern auch an neuen Ideen. Vor lauter Quotenangst fällt niemandem etwas Neues ein. Deshalb kopiert man erfolgreiche Shows aus dem Ausland oder schaut in die eigene verstaubte Show-Schublade.

Da funkeln alte Juwelen, wie z. B. "Dalli Dalli" oder "Die Pyramide". Unter dem Motto: Was früher mal erfolgreich war, muss es heute auch noch sein, werden tote Shows reanimiert und sogar mehrfach recycelt. Vor Kai Pflaume hat Andreas Türck auch schon einmal "Dalli Dalli" gerufen. Das antike Konzept der Redakteure geht nicht auf. "Dalli Dalli" läuft irgendwo im NDR, "Die Pyramide" scheiterte im ZDF. Wir leben eben nicht mehr in den 70er-Jahren. Beisenherz ist nicht Heck und Pflaume nicht Rosenthal. Ideen, Shows und Konzepte sind und bleiben an die Menschen gebunden, die sie sich ausdenken, sie gestalten und zum Erfolg machen.

Showmaster und Schauspieler sind nicht einfach austauschbar, auch wenn die Sender sich das wünschen. Selbst das Kino macht vor der Wiederverwertung keinen Halt. Alte Meisterwerke wie z. B. die von Alfred Hitchcock zu recyceln, das grenzt an Leichenfledderei. Vermutlich spielt Carmen Geiss demnächst im Remake den E.T., und Harald Glööckler dreht als Horst Tappert sämtliche 281 Folgen "Derrick" noch mal "neu". Dann doch lieber etwas wirklich Neues.

Artikel vom 16. November 2012

Autor: Michael Kessler

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