Die Illusion der Chancengleichheit

Wie der Geldbeutel über Studium und Karriere entscheidet

Gesellschaftsportrait / D 2015
Mi, 30.11.
09:30 - 10:15
4 out of 4 based on 1 reviews

Beschreibung

Wie der Geldbeutel über Studium und Karriere entscheidet - Das Studium ist die schönste Zeit des Lebens - so schwärmen gestandene Akademiker gerne, wenn sie an ihre eigenen Hochschuljahre zurückdenken. Damals hatte man Zeit, sich zu entfalten, etwas zu erleben, die Persönlichkeit reifen zu lassen. Wer allerdings heutzutage studiert, braucht vor allem gute Nerven, erheblichen Ehrgeiz, stabile Ellbogen und am besten vermögende Eltern. Anders ist ein erfolgreicher Abschluss an einer Uni kaum zu bekommen. Fast alle Studienfächer werden von den Unis mit einem Numerus Clausus (NC) verbarrikadiert. Wer kein Einser-Abi hat, muss oft jahrelang warten, bis er einen Studienplatz bekommt. Bestes Beispiel: Medizin. Hier liegt der NC mittlerweile bei 1,0-1,2. Wer schlechter ist, kommt auf die Warteliste und kann die Jahre oft nur über eine Ausbildung überbrücken. Um dieses Problem hat sich längst eine Anwaltsindustrie entwickelt: Für viel Geld können "schlechte" Abiturienten sich in ihren Wahlstudiengang einklagen. Dadurch gelangen vor allem Kinder begüterter Eltern in den Genuss des begehrten Studienplatzes. Die anderen haben das Nachsehen. Der gute alte Diplom-Ingenieur, im In- und Ausland hoch anerkannt, wurde abgeschafft und durch den nebulösen "Master of irgendwas" ersetzt. Eine Folge der Harmonisierung auf EU-Ebene. Doch die Bachelor- und Masterstudiengänge werden für viele Studierende zum Albtraum. Statt Orientierung und Entwicklung an der Uni müssen sie mit aufgesetzten Scheuklappen und in Rekordzeit "Creditpoints" sammeln. In einem völlig verschulten Studiensystem, immer stur nach vorne und ohne Zeit und Erlaubnis zum kritischen Hinterfragen. Gleichzeitig bleibt meistens kaum noch Zeit, nebenher zu jobben, ohne den Erfolg des Studiums zu gefährden. Bis tief in den Abend muss gelernt werden - und am Wochenende auch. Die Statistik zeigt eindeutig: Wer keine begüterten Eltern im Hintergrund hat, der hat erheblich schlechtere Chancen, die zweite Hürde zum Master-Abschluss zu überwinden oder wird gleich in eine bezahlte Ausbildung abgedrängt. Die Autorinnen Sigrid Born und Nicole Würth haben sich den aktuellen Alltag der Studierenden genau angeschaut und ziehen eine kritische Bilanz der Reformen seit dem sogenannten 'Bologna-Prozess'. Nach vielen Gesprächen und Interviews kommen sie zu dem Schluss: Viele der angestrebten Ziele wurden nicht erreicht, statt dessen ist der Geldbeutel der Eltern inzwischen für Studium und Karriere wieder genauso wichtig wie Fleiß und Intelligenz der Studierenden. Die häufig postulierte Chancengleichheit ist stärker denn je eine reine Illusion.

Filmstab

Drehbuch
Sigrid Born
 
Nicole Würth

Alternative Sendeplätze

Mi / 05:30 - 06:15 / One
Heute / 09:15 - 10:00 / One

Sendungseigenschaften

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