Claudia (61): „Ich konnte nicht mehr sprechen“ - wie sie ihre Migräne endlich verbessern konnte

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06.05.2026 um 13:00 Uhr
    Frau mit Migräne | © Getty Images
    Bei Migräne ist oft schon der kleinste Lichtstrahl zu hell | ©Getty Images

    Claudia Tetling litt jahrelang unter starker Migräne. Durch die Teilnahme an einer klinischen Studie geht es ihr heute wesentlich besser: „Meine Kopfschmerztage haben sich um mehr als die Hälfte reduziert!“ Hier berichtet sie, wie es dazu kam.

     

    Rückblickend weiß Claudia Tetling: Sie hatte schon mit sechs, sieben Jahren Migräne. Damals zeigte sich die Erkrankung in Form von Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und mit dem Alice-im-Wunderland-Syndrom: „Ich sah merkwürdige Bilder, von denen ich nicht wusste, ob sie wirklich waren“, erinnert sich die heute 61-Jährige. In der Pubertät verstärkten sich die Symptome. „Ich musste mich oft ins Bett legen, alles verdunkeln, konnte kein Gerüche, keine Geräusche ertragen. Ich konnte das aber wegschlafen, am nächsten Tag war alles wieder in Ordnung.“

    Ein beängstigendes Schlüsselerlebnis führte zur Diagnose

    Doch das änderte sich. Die starken Kopfschmerzen kamen auch während der Periode und hielten mehrere Tage an. Sie traten bei Autofahrten, Wetterwechsel und bei Anspannung auf. Auch da war Claudia Tetling noch nicht klar, dass es sich um Migräne handelt.

    Das Schlüsselerlebnis hatte die Bauzeichnerin 2011. In dem Jahr verstarb ihre Mutter, die emotionale und physische Belastung war groß. „Auf einmal hatte ich extreme Sehstörungen und Wortfindungsstörungen, ich konnte nicht mehr sprechen“, erzählt sie. „Das war sehr beängstigend.“ Ein Neurologe diagnostizierte schließlich die Migräne. Seine indirekte Botschaft: Damit müsse sie halt leben. Sie bekam die üblichen Schmerzmittel, das war’s. Keine Aufklärung, keine weitere Hilfestellungen.

    Inzwischen kann Claudia Tetling die Sonne wieder genießen | ©Privat

    Dadurch chronifizierte sich ihre Migräne. „Ich litt unter andauerden Kopfschmerzen, Übelkeit oder Nackenschmerzen und war nie richtig befreit oder fröhlich.“ Regelmäßig wurde sie aus ihrem Alltag gerissen, konnte nichts tun, außer in einem abgedunkelten Zimmer zu liegen.

    Migräne-Patientin Tetling wollte etwas ändern – und fand eine Studie

    Damit wollte Claudia Tetling sich nicht mehr abfinden. Sie wandte sich 2024 an das Kopfschmerzzentrum am Universitätsklinikum Essen und erfuhr dort von der TEMPLE-Studie.

    „Die TEMPLE-Studie hat zwei Strategien der Migräneprophylaxe miteinander verglichen: einen klassischen Wirkstoff, nämlich Topiramat, und eine moderne Therapie mit CGRP-Antikörpern, konkret Atogepant“, erklärt Prof. Dr. Holle-Lee, die die Studie durchgeführt hat. „Untersucht wurden Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapietreue.“

    Für Claudia Tetling war schnell klar: Sie konnte bei der Studie nur gewinnen, denn egal in welchem Studienarm, sie würde definitiv ein Prophylaxe-Medikament bekommen: entweder das bisher beste auf dem Markt oder ein eventuell noch besseres.

    „Als ich von der Study Nurse die Unterlagen bekam und von den vielen Nebenwirkungen las, die es geben könnte, war ich schon ein bisschen nervös“, erzählt sie. „Aber im Gespräch wurde schnell deutlich, wie engmaschig ich betreut würde, das hat mir die Sorge genommen.“ Auch die Zusage, dass sie die Studie bei einem unguten Gefühl jederzeit abbrechen könnte, gab ihr ein sicheres Gefühl.

    Claudia Tetling nahm an einer Blindstudie teil

    Da es eine blinde Studie war, wusste Claudia Tetling in den ersten sechs Monaten nicht, welches Medikament sie bekam. Der Effekt war jedoch enorm: „Meine Kopfschmerztage haben sich um mehr als die Hälfte reduziert, ich hatte keine Übelkeit mehr. Das war herrlich, echt toll!“ Nach dem ersten halben Jahr bekam sie definitiv das neue Medikament und sprach darauf sogar noch besser an. Das spiegelt das Ergebnis der Studie wider: „Die Studie hat gezeigt, dass Erenumab eine vergleichbare oder bessere Wirksamkeit bei deutlich besserer Verträglichkeit hat. Besonders auffällig war, dass deutlich weniger Patient*innen die Therapie abgebrochen haben als unter Topiramat“, erklärt Dagny Holle-Lee.

    Inzwischen ist Atogepant zur Migräneprophylaxe zugelassen und wird klinisch eingesetzt. „Leider bekomme ich das Medikament nicht weiter, sondern ein anderes.“ Den Grund dafür kennt Holle-Lee: „CGRP-Antikörper wie Atogepant sind deutlich teurer als klassische Therapien und werden daher meist erst eingesetzt, wenn andere Prophylaxen nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.“

    Für Claudia Tetling hat sich die Teilnahme an der Studie trotzdem gelohnt: „Durch die Prophylaxe geht es mir viel besser, ich kann das nur allen Patient*innen nur empfehlen.“

     

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