„Culpa“-Saga, „Maxton Hall“ & Co.: Warum verfilmte Teenie-Romane die Streaming-Charts erobern

22.01.2026 um 15:30 Uhr
    „Culpa“, „Maxton Hall“ & Co.: Warum Teenie-Romane die Streaming-Charts erobern | © Prime Video
    Noah (Nicole Wallace) und Nick (Gabriel Guevara) verbindet in "Culpa" eine verbotene Liebe; Kami (Alícia Falcó) steht in "Tell me softly" zwischen zwei Jungs; Ruby (Harriet Herbig-Matten) und James (Damian Hardung) stammen in "Maxton Hall" aus zwei Welten.  | ©Prime Video

    Social Media verändern die Buchbranche – und den Streamingmarkt: Warum immer mehr Bestseller adaptiert werden.

    Eine junge Frau, die für die neue Beziehung der Mutter umziehen muss – und sich schließlich in ihren gefährlichen Stiefbruder verliebt. Mit der Adaption von Mercedes Rons rasant-romantischer Romantrilogie „Culpa Mía“ gelang dem Streaminganbieter Prime Video 2023 ein Tophit. Weltweit schoss der spanische Film rund um eine verbotene Romanze, Autorennen und Partyexzesse an die Spitze der Streamingcharts, 2025 erschien der finale Teil. Eine britische Neuauflage der Trilogie läuft bereits. „Ich konnte damals zunächst gar nicht glauben, dass es überhaupt verfilmt werden sollte“, sagt Mercedes Ron im Gespräch mit TV DIGITAL. „Als Autorin ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Plötzlich erwachen Szenen, die ich mir vorgestellt habe, auf der Leinwand zum Leben.“ 

    Die Bestsellerautorin Mercedes Ron. | ©Imago

    Mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt: Prime Video kündigte im Oktober einen Exklusivdeal mit der Schriftstellerin an. Unter dem Titel „House of Ron“ sollen insgesamt zehn Geschichten umgesetzt werden, die auf ihren Werken basieren. Die im Dezember erschienene Dreiecksromanze „Tell Me Softly“ stellt den Auftakt zu einer neuen Trilogie dar.

    Diese Entwicklung zeigt deutlich, welches Erfolgspotenzial Buchverfilmungen heutzutage zugesprochen wird: Besonders sogenannte „Young Adult“- und „New Adult“-Geschichten, die Themen wie erste Liebe, Schule, Studium und Selbstfindung behandeln, finden ein zunehmend größeres Publikum. Jugendliche Zuschauer entfliehen damit aus ihrem Alltag, ältere Fans träumen sich in ihre Jugendzeit zurück. Der Vorteil für Produktionsfirmen: Die Geschichten bringen bereits eine große Fangemeinde mit, die sich in der Regel auch für die Verfilmung interessiert.

    Die jüngste Erfolgsgeschichte solcher Formate gibt den Filmemachern recht: Die deutsche Serie „Maxton Hall“ (seit 2024) nach der „Save Me“-Trilogie von Mona Kasten eroberte weltweit die Herzen der Fans, der US-Hit „Der Sommer, als ich schön wurde“ (2022 bis 2025) begeisterte über drei Staffeln hinweg. TV DIGITAL stellt  aktuelle Projekte vor.

    Direkter Draht zu den Fans

    Alle genannten Filme und Serien basieren auf prominenten Buchvorlagen. Denn: Lesen ist wieder im Trend. Hierzulande erwirtschafteten Bücher 2024 einen Umsatz von 9,88 Milliarden Euro – ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Börsenverein des deutschen Buchhandels berichtet. Dabei hatten Kritiker in Zeiten der Digitalisierung schon vor Jahren das Ende des traditionellen Buchmarktes prophezeit.

    Ruby Bell (gespielt von Harriet Herbig-Matten) und der arrogante Millionärserbe James Beaufort (gespielt von Damian Hardung) in "Maxton Hall".

    Ausgerechnet soziale Medien sorgen nun dafür, dass junge Erwachsene ihre Liebe zum gedruckten Wort neu entdecken. Unter dem Hashtag „BookTok“ teilen Nutzer der Videoplattform TikTok Empfehlungen und Leseerlebnisse. Diese persönlichen Berichte kommen an – über 25 Millionen Bücher wurden 2024 allein in Deutschland durch „BookTok“-Besprechungen verkauft. Mehr als das Doppelte im Vergleich zu zwölf Millionen Exemplaren im Jahr 2023. Ein Phänomen, für das Mercedes Ron eine einfache Erklärung hat: „Auf Social Media haben junge Menschen eine Community gefunden, in der sie sich untereinander austauschen können“, sagt die in Buenos Aires geborene Autorin. „Als ich jung war, habe ich mich oft als Außenseiterin gefühlt, weil ich Lesen toll fand. Dank sozialer Medien merken viele Nutzer, dass sie mit ihrer Begeisterung nicht allein sind. Lesende haben eine Plattform entdeckt, auf der sie ihre Leidenschaft teilen können – das steckt an.“

    Welterfolg durch Social Media

    Dabei werden zunehmend auch Geschichten von Autoren populär, die ohne soziale Medien kein Publikum gefunden hätten. Letzteres kennt auch Mercedes Ron aus eigener Erfahrung. Denn obwohl ihre „Culpa“-Trilogie 2017 schnell zum Welterfolg avancierte und sie bis heute über fünf Millionen Bücher verkauft hat, erinnert sich die Schriftstellerin noch gut an ihre Anfänge. „Ich habe superviele Absagen von Verlagen bekommen“, erzählt sie. „Dann habe ich begonnen, meine Geschichten auf ‚Wattpad‘ hochzuladen.“ Die Onlineplattform bietet Schreibenden die Möglichkeit, einzelne Kapitel zu veröffentlichen und von anderen Nutzern kommentieren zu lassen. „Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen und damit stieg die Aufmerksamkeit.“ Die Story verbreitete sich online – bis ein Verlag Ron einen Vertrag anbot. „Damals war Schreiben für mich ein Hobby, jetzt ist es zu einem Job geworden – inklusive Deadlines.“

    Asha Banks spielt Noah im zweiten Teil der britischen Adaption der „Culpa“-Reihe.

    Intensität der Jugendzeit

    Mittlerweile hat Ron mehrere eigene Reihen veröffentlich. Thematisch bleibt sie dabei der „Young Adult“-Zielgruppe treu – jung und weiblich. „Ich freue mich jedes Mal, wenn auch mal ein Junge zu meinen Signierstunden kommt“, schmunzelt sie. „Mir ist klar, dass es überwiegend Frauen in meinem Alter und Teenager sind, die die Bücher lesen. Und ich liebe es, ihnen einen Raum zu geben, wo sie ihre Alltagsprobleme vergessen können.“ Bereits im Alter von 19 Jahren begann Mercedes Ron mit dem Schreiben, heute ist sie 32 Jahre alt: „Natürlich bin auch ich erwachsener geworden und möchte, dass sich das in meinen Büchern widerspiegelt“, erklärt sie. „Gleichzeitig liegt mir diese Zeit rund um College und erste Liebe wahnsinnig am Herzen, weil sie so intensiv ist. Das ist eine Phase, in der wir Erfahrungen machen, die viele Geschichten mit sich bringen. Und darüber möchte ich schreiben.“ Das klingt nach vielen weiteren Büchern – und ihren Verfilmungen.

    Ein Artikel von Melanie Koch und Melanie Kroiss für TV DIGITAL

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