Erst Test-Strategie, dann Lockerungen!

Hart aber Fair: Lauterbach stellt Lockerung trotz 3. Corona-Welle vor

01.03.2021 um 23:52 Uhr

Macht Politiker und Epidemiologie Prof. Dr. Karl Lauterbach jetzt eine Kehrtwende? Er war bisher derjenige, der sich angesichts der nahenden dritten Pandemie-Welle mit der hochansteckenden Corona-Variante B117 gegen Lockerungen ausgesprochen hat. In der Talkshow „Hart aber Fair“ skizzierte er jetzt die Möglichkeit, mit Hilfe von Antigen-Tests in Betrieben und Schulen, kurzfristige Lockerungen zu ermöglichen und die Zahl der Neuinfektionen zu drücken.

Antigen-Tests und Bescheinigungen

Sein Vorschlag sieht folgendermaßen aus: In Betrieben und Schulen sollen einmal wöchentlich Antigen-Test durchgeführt werden. Wer negativ ist, erhält eine Bescheinigung. Mit dieser Bescheinigung ist der Besuch von Geschäften oder anderen Einrichtungen für diesen Tag möglich. Wer weder in der Schule noch im Betrieb getestet werden kann, soll sich die Bescheinigung im Testzentrum holen. Sobald ausreichend Tests zur Verfügung stehen, könnten die Tests zweimal wöchentlich stattfinden. Die Lockerungen seien gleichzeitig auch ein Anreiz, sich testen zu lassen.

Schnelltests nur in Gruppen

Lauterbach hält es allerdings für wichtig, dass in Clustern getestet wird. Selbst die besten Schnell-Tests würden nur 60 Prozent der positiven Fälle bei Verläufen ohne Symptome finden. Wenn in Gruppen getestet würde, sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass man im Falle einer Ansteckung einen "anderen schnappt" und die restlichen Mitglieder nachtesten kann. Außerdem sei gewährleistet, dass die positiven Fälle auch wirklich dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Das würde bei Selbst-Tests für jeden nicht unbedingt geschehen. Aus diesem Grund hält Lauterbach auch nichts vom freien Verkauf von Schnelltests ohne ordentliche Strategie.

Mitte bis Ende März gibt es eventuell genug Schnell-Tests

„Mit der Strategie sinkt der R-Wert auf unter 1 - selbst für B117“, meint Lauterbach. Das Vorgehen müsse aber gut vorbereitet werden und brauche noch Zeit, bis ausreichend gute Tests zur Verfügung stehen. Außerdem müssten die Gesundheitsämter zunächst die Schulen und Betriebe vorbereiten. Karl Lauterbach schätzt, dass die Voraussetzungen für diese Strategie Mitte bis Ende März erfüllt sein könnten, sofern man die Tests nicht anderweitig herausgibt.

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