"MAITHINK X - Die Show" startet bei ZDFneo

Mai Thi Nguyen-Kim: Chemiker hassen „CSI: Miami“ - völlig absurd!

22.10.2021 um 16:42 Uhr

Exklusiv bei TV DIGITAL: Chemikerin Dr. Mai Thi Nguyen Kim über ihre neue TV-Show bei ZDFneo, Intelligenz, absurde US-Serien und Gott und die Welt.

Wissenschaft ist sexy, findet die Chemikerin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, die 2020 das erfolgreichste YouTube-Video des Jahres („Corona geht gerade erst los“, bisher 6,6 Millionen Abrufe) produzierte. Ihr Erfolgsgeheimnis: komplizierte Sachverhalte verständlich erklären. Nun bekommt die 34-Jährige eine eigene Fernsehshow.

Ein Interview von TV DIGITAL Chefreporter Mike Powelz

TV DIGITAL: Was erwartet die Zuschauer in Ihrer neuen Show „MAITHINK X“?

DR. MAI THI NGUYEN-KIM: Themen, die aktuell emotional und hitzig diskutiert werden. Ich will den verbissenen Streit aufweichen, indem ich ihn versachliche. Auch komplexe Inhalte lassen sich nämlich unterhaltsam vermitteln.

Wie ist das Konzept entstanden?

Die Idee hatte ich schon im Studium, lange bevor ich mit YouTube anfing. Ich habe mir immer US-Late-Night-Shows angeschaut und festgestellt, dass Politik und Naturwissenschaften beide superkompliziert sind. Die meisten kennen sich nur oberflächlich damit aus, aber über Politik unterhält man sich trotzdem gerne. Ich habe mich damals gefragt, ob man wissenschaftliche Themen nicht auch als humorvolle Unterhaltungssendung mit satirischen Elementen rüberbringen könnte.

Ihre Show soll Sketche und Reportagen enthalten. Wie ist sie genau aufgebaut?

Wie eine „Vorlesung de luxe“ – monothematisch und ohne starren Ablauf. Außerdem gibt es viele Cameos, also Gastauftritte bekannter Leute, die man nicht unbedingt in einer Wissenschaftssendung erwartet.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Chemie Ihr Ding ist?

Diese Erkenntnis kam eher schleichend. Mein Vater ist Chemiker. Er hat Haarkosmetik erforscht und Materialien für Shampoos und Spülungen hergestellt. Das fand ich alles superspannend.

Wie hoch ist Ihr IQ?

Den habe ich noch nicht gemessen! Un­sere Gesellschaft pflegt einen seltsamen Umgang mit Intelligenz und dem IQ, denn beides wird ziemlich überhypt. Zumal Intelligenz ja nicht nur genetisch bedingt ist, sondern zu gleichem Anteil von der Umwelt, etwa Bildung abhängt. Außerdem ist Intelligenz nur eine von mehreren Erfolgssäulen, weil Fleiß und Motivation mindestens genauso wichtig sind. Was mich betrifft, würde ich sagen, dass ich ein sehr fleißiger Mensch bin. Schon in der Schule war ich eine richtige Streberin.

Huhn oder Ei – was gab’s zuerst?

Natürlich das Ei, denn vor den Hühnern existierten ja bereits die Dinosaurier. (lacht)

FÜNF FAKTEN ZU DR. MAI THI NGUYEN-KIM

  • Mai Thi wurde 1987 in Heppenheim geboren, ihre Eltern stammen aus Vietnam.
  • Sie studierte Chemie u.a. an der Uni Mainz, promovierte 2017 in Potsdam.
  • Ihr Ehemann ist der Chemiker Matthias Leiendecker, 2020 wurde ihre Tochter geboren.
  • Für FUNK, das Onlineangebot von ARD und ZDF, baute sie den Wissenschaftskanal maiLab auf, moderiert Sendungen wie „Quarks“.
  • Mai Thi wurde für ihre Wissensvermittlung mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Bundesverdienstkreuz oder Grimme-Preis

Naturwissenschaft ist das Gegenteil von Religion. Ist die Existenz Gottes trotzdem naturwissenschaftlich beweisbar? Und glauben Sie an Gott?

Ich bin nicht religiös und würde auch nicht sagen, dass ich an Gott glaube. Vielmehr glaube ich an abstrakte Dinge wie Gerechtigkeit und daran, dass dieser Wert etwas ist, nach dem wir Menschen intrinsisch („von innen her“, Anm. der Red.) streben. Ob ein Gott existiert oder nicht, kann ich rein methodisch weder belegen noch widerlegen. Insofern bleibt es eine Glaubensfrage. Und ja, in Bezug auf ihr Wesen sind Wissenschaft und Religion tatsächlich gegenteilig. Denn bei der Religion geht es um Werte, auf die man sich als Gesellschaft verständigt, während in den Naturwissenschaften allein die knallharte Evidenz („unumstößliche Tatsache“, Anm. der Red.) zählt.

Gibt es aus naturwissenschaftlicher Perspektive ein Leben nach dem Tod?

Nein, ich glaube nicht, dass nach meinem Tod meine Seele in einer Nachwelt weiterlebt. Aber meine Atome werden weiter existieren – weil sie nirgendwo hingehen. Wenn ich einen Regentropfen abbekomme, ist exakt dasselbe Sauerstoff- bzw. Wasserstoff-Atom von diesem H2O-Molekül vielleicht schon auf die Dinosaurier gefallen. Das finde ich absolut cool, ein sehr poetischer Fakt.

Serien wie „Breaking Bad“ oder „The Big Bang Theory“ beschäftigen sich am Rande auch mit Chemie oder Physik. Sind Sie ein Fan solcher Formate?

Ich weiß, dass es fast schon ein Verbrechen ist, aber ich habe „Breaking Bad“ noch nie gesehen. „The Big Bang Theory“ mag ich nicht so sehr. Das ist einfach nicht mein Humor. Und was Sendungen wie etwa „CSI: Miami“ betrifft, kann ich Ihnen verraten, dass das „Hate Watching“ für Chemiker ist. Bei diesem Format mit all den hypermodernen Laboren stecken die Akteure meistens ein kleines Teil in eine Maschine und bekommen flugs Antworten wie „Das ist Polytetrafluorethylen“. Völlig absurd! Ich muss mal deutlich klarstellen, dass es für die Erfindung einer derartigen Maschine mindestens drei Nobelpreise gegeben hätte.

Schlussfrage: Blicken Sie optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?

Irrationalerweise völlig optimistisch. Ich weigere mich zu glauben, dass unser gesellschaftlicher Umgang mit Krisen – also die fatale Matschepampe aus Wahrheit, Lügen, Fakten und Ideologien – immer so weitergehen soll. Und ich hoffe, dass wir Menschen etwas vernünftiger werden und von der Wissenschaft lernen. Mit meiner Show will ich dazu beitragen.

"MAITHINK X – Die Show" ist ab dem 24. Oktober 2021, sonntags um 22.15 Uhr, in ZDFneo zu sehen. In der ZDFmediathek ist sie sonntags bereits ab 18.00 Uhr abrufbar.

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