Der ehemalige HSV-Star spricht in der ZDF-Doku über Rassismus im Fußball

„Schwarze Adler“: DARUM wollte sich Jimmy Hartwig die Haare blond färben

18.06.2021 um 19:12 Uhr

Rassismus im Fußball ist - genau wie der Rassismus in unserer Gesellschaft - ein Thema, welches uns nicht erst seit wenigen Jahren begleitet. Einen genaueren Blick auf diese Missstände im Fußball wirft die Doku "Schwarze Adler", die heute um 23.30 Uhr im ZDF zu sehen ist.

Anfeindungen, Beleidigungen, Drohungen, Vorurteile: Gerade ausländische oder dunkelhäutige Fußballspieler müssen in unserem Land so einiges aushalten. Auch heutzutage sind solche Vorfälle oft Gründe für Spielabbrüche, Skandale oder langwierige Diskussionen - ohne dass sich am grundsätzlichen Problem etwas ändert. Man erinnere sich nur an das Spiel zwischen Istanbul Basaksehir und Paris Saint-Germain im Dezember 2020 -  nach nur knapp 15 Minuten Spielzeit wurde es wegen eines Rassismus-Vorfalls abgebrochen. Die Dokumentation "Schwarze Adler" nimmt sich diesem Problem an. Über 110 Minuten wagt der Film eine Zeitreise in unsere unbequeme Vergangenheit bis hin in die Gegenwart - in der sich nur wenig geändert zu haben scheint.

So werden die persönlichen Geschichten von unter anderem Erwin Kostedde (74) erzählt, welcher 1974 der erste schwarze Spieler der deutschen Nationalmannschaft war. Oder von Steffi Jones (48), Gerald Asamoah (42) und Patrick Owomoyela (41).

"Du gehörst nicht in die Nationalmannschaft"

Auch Jimmy Hartwig (66) komm zu Wort, der in den 1980er Jahren als einer der besten Mittelfeldspieler Deutschlands galt aber vom damaligen Nationaltrainer nicht berücksichtigt wurde. „Jupp Derwall hatte mir damals gesagt: "Nein, du gehörst nicht in die Nationalmannschaft". Und das, obwohl es keinen Mittelfeldspieler in Europa gab, der so viele Tore geschossen hatte wie ich und offensiv und defensiv so stark war."

"Ich hatte schon überlegt, ob ich mir die Haare blond färbe oder mir blaue Kontaktlinsen besorge“.

Hartwig erzählt die Geschichte mit einem Augenzwinkern, aber sie war für ihn bitterer Ernst, wie der tägliche Rassismus in seiner Jugend. „Ich habe mit dem achten Lebensjahr gemerkt, dass ich die Leute schauspielerisch ganz gut überzeugen kann. Ich habe gelächelt und gesagt "Grüß Gott, Herr Müller" und wusste genau, dass wenn er sich umdreht, denkt: "Was will denn dieser Negerboy jetzt? Nur so ging das und deswegen gehe ich ganz offen mit dem Thema um.“

Welchen harten Weg mussten die Spieler hinter sich bringen, damit wir ihnen überhaupt zujubeln? Welche Hürden, welche Vorurteile standen ihnen im Weg? Und wie hat sich die Situation im Laufe der Jahrzehnte verändert? Auch "kaum gezeigte Archivbilder" sollen einen völlig neuen Blick auf die Situation dunkelhäutiger Spieler im Fußball werfen.

 "Ihre Geschichten erzählen nicht nur davon, was es bedeutet, vor Tausenden von Menschen im Stadion und vor Millionen vor den Fernsehern rassistisch angefeindet zu werden. Sie werfen auch ein Licht darauf, wie Zuschauer, Medien und die deutsche Gesellschaft mit dem Thema Rassismus umgehen - und wie langsam sich, von heute aus betrachtet, in den letzten Jahrzehnten etwas an diesem Umgang verändert hat", so ein offizielles Statement zum Film. 

"Schwarze Adler": Fr, 18. Juni, 23.30 im ZDF, in der ZDF Mediathek und bei Amazon Prime Video