Der Virologe kritisiert den Corona-Stufenplan

Hendrik Streeck: „Wer das beste Hygienekonzept hat, sollte zuerst öffnen dürfen!“

05.03.2021 um 01:27 Uhr

Virologe Hendrick Streeck hat in der Talkshow „Maybrit Illner“ den neuen Corona-Stufenplan kritisiert, auf den sich Bund und Länder am Mittwoch verständigt haben. Man müsse weg von einem branchenspezifischen Ansatz und hin zu einem Ansatz, der Hygienekonzepte stärker berücksichtigt. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen und Menschen die Chance geben, bei der Bekämpfung der Pandemie mitzuarbeiten. Wer das beste Hygienekonzept habe, solle zuerst öffnen dürfen.

„Wir müssen mit Corona leben“

Streeck betonte, dass er schon im Sommer letzten Jahres darauf hingewiesen habe, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben. „Wenn man sich vor Augen führt, dass das keine Floskel ist, sondern ein Prinzip der Bekämpfung der Pandemie, dann merkt man, was wir eigentlich gerade versäumt haben. Wir dürfen nicht nur auf die Inzidenzzahlen gucken, um unsere Maßnahmen zu beschließen.“ Der Virologe wiederholte, dass die Pandemie ein Marathonlauf sei und kein Sprint. „Wir müssen den Menschen Tools an die Hand geben, damit sie mitarbeiten können.“

„Vielleicht hat das Orchester bessere Hygieneregeln als der Baumarkt“

Seiner Meinung nach könne man die Menschen aber nicht mitnehmen, wenn man einen branchenspezifischen Ansatz fahre. Es sei nicht zu vermitteln, warum man sich Blumen im Gartenmarkt anschauen dürfe, aber nicht im Botanischen Garten. Sein Vorschlag: Auch, aber nicht nur auf die Inzidenzwerte schauen. „Die Menschen und die Bürger, die mitdenken, die sollten die Möglichkeit habe, ihre Bereiche zu öffnen. Da mag ein Orchester oder ein Pianist bessere Hygieneregeln haben als der Baumarkt um die Ecke.“

"Man sollte andersherum denken"

Auch die Vorgehensweise, Werte festzulegen, bei denen Branchen regional öffnen dürfen, hält Virologe Hendrik Streeck für problematisch. Er sagte in der Talkrunde: „Man sollte eher andersherum denken und Hotspot-Strategien haben, mit denen man sehr hohe Zahlen eindämmt.“ Das Virus würde schließlich mitreisen, wenn die Menschen in die Nachbarorte mit besseren Inzidenzwerten fahren, weil dort bereits geöffnet ist.

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