Gaming-Legende in Gefahr? „Monkey Island“-Fans haben einen guten Grund zur Sorge!

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10.06.2026 um 12:45 Uhr
    Guybrush und Elaine im Portrait vor einem Vollmond-Hintergrund. | © The Walt Disney Company
    Guybrush und Elaine schlagen sich gemeinsam durch die „Monkey Island“-Reihe. | ©The Walt Disney Company

    Disney hat in den vergangenen Monaten mehrere PC-Klassiker aus digitalen Stores entfernt. Nachdem Kult-Spiele wie Outlaws oder Star Wars: Rebellion und Star Wars: Dark Forces oder Afterlife verschwunden sind, diskutiert die Retro-Community verstärkt über die langfristige Verfügbarkeit klassischer Spiele. Ist unser aller Lieblingspirat Guybrush Threepwood als Nächstes an der Reihe? Schließlich gehören die Rechte an der Reihe inzwischen auch der Walt Disney Company.

    Bevor ihr eure Säbel poliert, gibt es Entwarnung: Guybrush Threepwood segelt aktuell noch in sicheren Gewässern. Doch die jüngsten Delistings sind ein guter Anlass, sich die „Monkey Island“-Reihe auf der Festplatte zu sichern. 

    Das Ende des Bildschirm-Tods

    Um den Stellenwert der Reihe zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück in die späten Achtzigerjahre. Marktführer Sierra Online setzte in Reihen wie King’s Quest auf ein gnadenloses Spieldesign: Ein falscher Schritt konnte den Bildschirmtod bedeuten, und manche Abenteuer ließen sich durch übersehene Gegenstände Stunden später nicht mehr abschließen.

    The Secret of Monkey Island brach 1990 bewusst mit vielen dieser Konventionen. Unter der Leitung von Ron Gilbert verfolgte das Entwicklerteam einen damals ungewöhnlichen Ansatz: Spieler sollten möglichst nicht durch Sackgassen oder permanente Fehlentscheidungen bestraft werden. Statt Frust standen Entdecken, Experimentieren und Humor im Mittelpunkt. Dieses Design gab Spielern die Freiheit, jede Ecke zu erkunden, skurrile Gespräche zu führen und die Welt ohne ständige Angst vor einem Game Over zu erleben.

    Das Logbuch: eine legendäre Kaperfahrt

    Den Anfang machte The Secret of Monkey Island. Darin strandet der naive Guybrush in der Karibik, träumt davon, Pirat zu werden, verliebt sich in Gouverneurin Elaine Marley und legt sich prompt mit dem Geisterpiraten LeChuck an.

    Der Nachfolger Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge wurde größer, düsterer und endete mit einem Finale, das bis heute zu den meistdiskutierten Enden der Videospielgeschichte zählt. Im Mittelpunkt steht die Suche nach dem geheimnisvollen Schatz „Big Whoop“.

    Mit The Curse of Monkey Island erschien 1997 für viele Fans der optische Höhepunkt der Serie. Der handgezeichnete Comic-Stil, die vollständige Sprachausgabe und der Soundtrack verliehen dem Abenteuer einen unverwechselbaren Charakter.

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    Es folgte Escape from Monkey Island, das den Sprung in die dreidimensionale Grafik wagte. Seine Geschichte über die zunehmende Kommerzialisierung der Karibik durch Tourismus-Unternehmer wirkt aus heutiger Sicht erstaunlich aktuell.

    Nach der Episoden-Reihe Tales of Monkey Island von Telltale Games kehrte die Serie 2022 mit Return to Monkey Island zu ihren Wurzeln zurück. Man griff dabei viele Themen der früheren Spiele auf und beschäftigte sich unter anderem mit Erinnerungen, Legenden und der Frage nach dem „Geheimnis“.

    Wenn Rätsel Geschichte schreiben

    Die besondere Faszination von Monkey Island liegt bis heute in seinen Rätseln. Statt logischer Alltagslösungen verlangt die Reihe häufig ein Umdenken in die herrlich verschrobene Piratenlogik ihrer Spielwelt. Besonders berühmt wurde das sogenannte „Monkey-Wrench“-Rätsel aus Monkey Island 2. Um das Ventil einer Wasserpumpe festzuhalten, musste Guybrush den zahmen Affen Jojo als Werkzeug einsetzen. Hinter dem Rätsel verbarg sich ein Wortspiel aus dem Englischen: Ein Schraubenschlüssel wird dort umgangssprachlich als „Monkey Wrench“ bezeichnet. Für viele deutsche Spieler war diese Anspielung damals besonders knifflig.

    Ebenso legendär ist das Beleidigungsfechten. Auf hoher See gewinnt man Duelle nicht durch Gewalt, sondern durch die passende Antwort auf die verbalen Angriffe des Gegners. Spieler mussten die Beleidigungen anderer Piraten zunächst lernen und sich die passenden Konter merken. Erst dadurch war es möglich, sich im Duell zu behaupten. An den Dialogen des Spiels wirkte unter anderem der bekannte Science-Fiction-Autor Orson Scott Card mit.

    Seemannsgarn aus dem Lucasfilm-Archiv

    Hinter den Kulissen der Entwicklung verbergen sich zahlreiche Geschichten, die bis heute weitererzählt werden. Der Name Guybrush Threepwood entstand eher zufällig. Als Grafiker Steve Purcell die Figur in Deluxe Paint entwarf, wurde die Datei schlicht als „guy“ gespeichert. Die Dateiendung des Programms lautete „.brush“. Auf dem Bildschirm erschien deshalb regelmäßig „guy.brush“ – ein Name, der dem Team so gut gefiel, dass er schließlich übernommen wurde.

    Jetzt loslegen!

    Ein idealer Einstieg ist die The Secret of Monkey Island: Special Edition auf Steam oder GOG. Die Neuauflage bietet überarbeitete Grafiken, eine Vertonung und die Möglichkeit, jederzeit zwischen der modernen Darstellung und der ursprünglichen Pixelgrafik von 1990 umzuschalten. So lässt sich direkt nachvollziehen, wie das Adventure ursprünglich aussah.

    Wer moderne Komfortfunktionen bevorzugt, kann direkt mit Return to Monkey Island beginnen. Das Spiel verfügt über ein integriertes Hinweis-System, das bei Bedarf schrittweise Hilfestellungen liefert, ohne sofort die komplette Lösung preiszugeben. Dadurch fällt der Einstieg auch Spielern leichter, die bisher wenig Erfahrung mit klassischen Adventures haben. Aber Vorsicht: Es ist ein wenig so, als würde man „Avengers: Endgame“ schauen, ohne die vorherigen Marvel-Filme zu kennen. Man versteht zwar die Handlung, verpasst aber die Insider-Gags und Anspielungen.

    Mein Fazit 

    Die jüngsten Delistings erinnern daran, dass digitale Inhalte nicht zwangsläufig dauerhaft in den Verkaufsregalen bleiben, gerade wenn sie aufgekauft werden oder wenn Lizenzen auslaufen – oder wenn teure Remaster auf den Markt kommen. Sollte Disney der alten LucasArts-Bibliothek den Stecker ziehen, um nur noch die Special Editions anzubieten, könnten die Ur-Versionen permanent verschwinden. Wer die Reihe bisher verpasst hat, sollte diese Lücke schnell schließen und sich die Games sichern. Guybrush Threepwood hat schon Geisterpiraten, Voodoo-Flüche und zahllose absurde Rätsel überstanden – seine Abenteuer sollten nicht von der Bildfläche verschwinden.