„Starfleet Academy” soll nach der bereits fertig produzierten zweiten Staffel enden. Trotz vieler guter Kritiken hat Paramount+ die Serie offenbar aufgrund schwacher Zuschauerzahlen eingestellt. Das sorgt derzeit für Frust, da viele Fans die Serie als frischen, echten Neustart für das Franchise gesehen haben. Genau wie ich!
Ja, Geld regiert die Welt. Das ist nichts Neues. Serien kosten Millionen und niemand betreibt einen Streamingdienst aus reiner Liebe und Leidenschaft. Aber gerade in diesem Fall fühlt sich die Regentschaft des Geldes besonders bitter an. „Starfleet Academy” ist kein müdes Franchise-Anhängsel, das nur vom bekannten Namen lebt, sondern meiner Meinung nach ein gelungener Versuch, „Star Trek“ neu zu denken.
Die Serie fühlt sich nach Aufbruch an. Nach Neugier. Nach frischen Ideen. Nach Figuren, die noch wachsen können. Nach einem „Star Trek”, das nicht an seiner Vergangenheit herumdoktert, sondern wieder von der Zukunft erzählen will. Ich will nicht verschweigen, dass es auch Gegenstimmen gab. Ein Teil der Fans mochte den jugendlichen Ansatz nicht, andere führten eine heftige Woke-Debatte, obwohl „Star Trek“ sich schon immer gesellschaftliche Offenheit und Diversität auf die Fahnen geschrieben hat. Star Trek hat schließlich schon andere politische Kulturkämpfe überlebt. Man denke nur an den Kuss zwischen Kirk und Uhura! Zurück zu den Quoten…
„Starfleet Academy“ lebt von Entwicklungen. Figuren finden ihren Platz, Beziehungen verändern sich, Rivalitäten entstehen, Verantwortung muss erlernt werden und Führungspositionen muss man sich verdienen. Genau dafür braucht ein Format wie dieses Zeit. Zwei Staffeln sind dafür nicht viel. Es ist allenfalls der Moment erreicht, in dem die Serie ihren Kurs gefunden hat. Nach zwei Staffeln hatten weder „TNG“ noch „Voyager“ ihren Kultstatus erreicht.
Für mich als Trekkie ist die Absetzung bitter, weil die Serie sich - mehr noch als „Strange New Worlds“, das oft bei früheren Serien abschreibt - endlich wieder wie richtiges, neues „Star Trek“ anfühlt. Gerade nach den Debatten um andere neuere Reihen wirkt es fast ironisch, dass ausgerechnet hier so früh Schluss sein soll. Natürlich müssen Serien gesehen werden. Wenn aber wirklich nur noch zählt, was sofort massenhaft abgerufen wird, dann bleiben gerade die kreativen und erzählenden Formate auf der Strecke, die Zeit brauchen.
Das ist kein spezifisches Problem von „Star Trek“. Es ist ein grundlegendes Problem. Alles muss sofort liefern. Sofort einschlagen. Sofort im Trend sein. Sofort in Rankings auftauchen. Für langsamer wachsende Serien, für Charakterentwicklung und für Welten, die sich erst entfalten, bleibt immer weniger Raum.
Gerade bei "Star Trek" ist das besonders frustrierend. Dieses Franchise war nie am stärksten, wenn nur die kurzfristige Quote im Vordergrund stand. Es war stark, wenn Ideen Raum bekamen. Wenn Figuren sich entwickeln durften. Wenn Zukunft nicht bloß Kulisse, sondern Haltung war. Wenn die Geschichten nicht nur konsumiert, sondern mit der Zeit geliebt wurden. Wer Star Trek nur nach seiner unmittelbaren Performance bewertet, verfehlt das, was diese Marke besonders gemacht hat.
Hat wirklich jede Serie nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn sie sofort zum Massenphänomen wird? Gibt es nicht gerade bei einem Franchise wie „Star Trek” gute Gründe, auf langfristige Erfolge zu setzen? Die Fans haben doch wohl schon bewiesen, dass sie über viele Jahrzehnte am Ball bleiben.
Die Absetzung von „Starfleet Academy“ fühlt sich nicht einfach wie eine normale Absetzung an. Sie wirkt wie eine verschenkte Chance. Eine Serie mit einer starken Idee, großartigen Schauspielern und Schauspielerinnen, guten Drehbüchern, einer frischen Perspektive und echtem Entwicklungspotenzial bekommt gar nicht erst die Zeit, die sie gebraucht hätte. Nicht, weil sie nichts zu erzählen gehabt hätte, sondern weil sie offenbar nicht schnell genug groß genug war. Ja, Geld regiert die Welt, aber etwas mehr Zeit hätte man der Akademie ruhig schenken können!