Zum Auftakt gleich eine Hauptfigur sterben lassen? Noch dazu einen Hochkaräter wie Kurt Russell? Ziemlich gewagt! Doch Serienmogul Taylor Sheridan, das Mastermind hinter dem Phänomen „Yellowstone“, hat noch nie ein Risiko gescheut.
Und so schickt er in „The Madison“ (ab 14. März bei Paramount+) erst mal Patriarch Preston Clyburn (Russell) gen Sonnenuntergang. Was für Sheridan-Fans gewohnt martialisch anmutet, ist für den (Neo-)Western-Spezialisten tatsächlich Neuland. Das Drama ist sein bislang persönlichstes Werk.
Im Zentrum steht der emotionale Ritt einer ganzen Familie, ohne Schießereien – und ohne Bezug zum Dutton-Clan aus „Yellowstone“. Die einzige Verbindung ist der Schauplatz Montana, hier insbesondere das Madison River Valley, dem die Serie ihren Titel verdankt. Der Fluss entspringt im Yellowstone-Nationalpark. Mit ihrem Mann hat Witwe Stacy „meine Mitte, meine Seele“ verloren. Sein unerwarteter Tod führt die Clyburns aus New York in Prestons geliebte, rau-idyllische Heimat Montana, wo der Naturbursche immer wieder Ruhe und Abstand von der hektischen Metropole suchte. Die Großstädter erwartet ein Kulturschock – und Stacy lernt die verlorene Liebe ihres Lebens nachträglich noch besser kennen, was ihr zugleich Trost spendet und das Herz bricht.
Selbstverständlich ist Kurt Russell in zahlreichen Rückblenden zu sehen, so auch in diversen Szenen im schicken Zuhause in Manhattan mit Partnerin Michelle Pfeiffer. Im Interview überrascht das Starduo mit einem Geständnis: „Ich habe meinen Part in den ersten Episoden allein gedreht, denn wir mussten ohne Kurt starten“, erzählt Michelle Pfeiffer. „Zu dem Zeitpunkt war nämlich noch nicht endgültig klar, ob er Preston überhaupt spielen würde.“ Russell war noch bei seiner Serie „Monarch: Legacy of Monsters“ (bei Apple TV) eingespannt und drehte Prestons Gegenpart nachträglich. „Ich bin froh, dass es Kurt geworden ist!“, schwärmt Pfeiffer. „Es war wunderbar, als wir dann endlich zur selben Zeit im selben Raum waren. Wir kennen uns ja schon ewig.“ 1988 (!) standen sie gemeinsam in „Tequila Sunrise“ vor der Kamera.
„Taylor Sheridan erwartet, dass man zusagt, auch ohne konkrete Drehbücher gelesen zu haben“, führt Michelle Pfeiffer aus. „Das ist ein enormer Vertrauensvorschuss. Ich habe trotzdem nicht lange gezögert. Taylor hat mich auf seine Ranch in Texas eingeladen und mir die Story beschrieben, das genügte. Darüber hinaus hat mich gereizt, was mich bislang eher abgeschreckt hatte: dass man über einen langen Zeitraum mit denselben Leuten, Cast und Crew, zusammenarbeitet. Man sieht das gemeinsame „Baby“ wachsen. Bei meinen Filmen war ich oft traurig, dass man wieder auseinanderging, wenn man sich gerade besser kennengelernt hatte – und dann meist nie wiedersah.“
Da Kurt Russell verspätet zur Produktion stieß, bekam er Sheridans Skripts zu lesen. „Ganz ehrlich: Ich habe gelacht und geweint. In The Madison geht es um Verlust und Trauer. Diese Tragödie trifft die gesamte Familie, und jeder muss einen Weg finden, damit umzugehen. Ich habe schon viele verschiedene Charaktere gespielt, aber keiner kommt meiner Persönlichkeit so nahe wie Preston Clyburn. Ich bringe die nötige Lebenserfahrung mit. Und für Michelle bin ich sowieso der Richtige!“
Ohne Details zu verraten: Die Szene, in der Stacy vom Tod ihres Mannes erfährt, geht besonders unter die Haut. „Dabei hatte ich Taylor gebeten, sie zu streichen“, berichtet Michelle Pfeiffer. „Natürlich bereitest du dich vor, aber das bringt dich nicht unbedingt weiter. Wenn es soweit ist, kannst du nur zu den Schauspielgöttern beten, dass sie dir beistehen. Über das Ergebnis darfst du nicht groß nachdenken. Du kannst nur antreten und versuchen, ganz im Moment zu sein.“
Die gewaltige Natur Montanas war für die Schauspieler*innen zugleich die größte Herausforderung. „Wind und Wetter lassen sich eben nicht kontrollieren“, weiß Patrick Adams. „Manchmal mussten wir buchstäblich gegen die Elemente anspielen – was für uns Schauspieler andererseits ein Geschenk ist, weil es zur Authentizität beiträgt.“ Elle Chapman stimmt zu: „Wenn dir der Staub in die Augen fliegt, du von Bienen angegriffen wirst und es deutlich heißer oder kälter ist, als angenehm wäre, kann dich das auch anspornen.“ Verschreckt hat es jedenfalls niemanden: Staffel zwei ist bereits abgedreht.
Text: Ulrike Schröder
"The Madison": Staffel 1, 6 Folgen, ab 14. März bei Paramount+