Etwa zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer*innen fahren laut Statistischem Bundesamt mit dem Auto zur Arbeit ‒ 20 Millionen Menschen pendeln in andere Gemeinden oder Städte. Mit Blick auf die heutigen Spritpreisen könnte das eine kostenspielige Angelegenheit sein. Martin Endress, CCO von E.ON Deutschland, erklärt im Interview, warum es sich lohnen könnte auf E-Autos umzusteigen.
In Deutschland ist das Auto das wichtigste Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit ‒ doch das kann ordentlich in den Geldbeutel hauen. Unsichere Spritpreise durch den Krieg im Iran tragen heutztage besonders dazu bei. Zeit für einen Wechsel? Das Angebot an Elektrofahrzeugen steigt nämlich stetig. Die Bundesregierung hat für dieses Jahr außerdem ein neues Förderprogramm für Elektroautos beschlossen.
Ziel sei es laut Bundesumweltministerium mehr Privatpersonen den Umsteig auf klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen. Förderfähig sind alle Fahrzeuge, die nach dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden ‒ eine Antragsstellung ist vorraussichtlicht erst ab Mai 2026 möglich, die Förderung kann auch rückwirkend beantragt werden. Klingt erstmal positiv für alle, die mit einem E-Auto liebäugeln. Inwiefern sich der Umstieg auf ein Elektroauto insbesondere für Pendler*innen lohnen würde, hat uns Martin Endress von E.ON Deutschland verraten:
Inwiefern lohnt es sich für Pendler*innen mit einem E-Auto zu fahren?
Im Detail hängt es von individuellen Faktoren ab, aber in der Regel ist man mit dem E-Auto günstiger unterwegs. Bei den aktuellen Spritpreisen kann man bei durchschnittlicher Pendelstrecke pro Jahr mehr als 750 Euro sparen, wenn man vorzugsweise zu Hause lädt. Und umweltfreundlicher ist es obendrein.
Wo liegen die wichtigsten Kostenunterschiede zwischen Elektroautos und Verbrennern im Alltag?
Besonders wenn zuhause eine Lademöglichkeit vorhanden ist, hat das E-Auto bei den Antriebs-Kosten eindeutig die Nase vorn. Ist eine Photovoltaik-Anlage vorhanden, steigt der Kostenvorteil nochmals an. Hinzu kommt eine Kfz-Steuer-Befreiung bis 2035 und in einigen Regionen Vergünstigungen beim Parken.
Welche Möglichkeiten haben E-Auto-Besitzer*innen, um Kosten zu sparen? Gibt es Investitionen, die sich besonders lohnen?
Ganz klar, wer zuhause eine Wallbox installieren kann, sollte das tun, denn das Laden zuhause ist besonders günstig. Was noch nicht alle wissen: Mit intelligenten Ladetarife, bei denen man beispielsweise für das Laden über Nacht belohnt wird, kann man weitere Kosten einsparen. Hier wird der nächtliche Ladevorgang automatisch in Zeiten geringerer Nachfrage verlegt.
Trotz wachsender Verbreitung gibt es einige Vorbehalte gegenüber E-Autos. Gibt es bestimmte Pendlerstrecken oder Nutzungsszenarien, in denen ein E-Auto aktuell noch nicht die beste Wahl ist?
Moderne E-Autos weisen Reichweiten von mehreren hundert Kilometern auf, mit denen sich entsprechend praktisch jede Pendlerstrecke hin- und auch zurückfahren lässt. Außerdem zeigen Zahlen des statistischen Bundesamts, dass nur fünf Prozent der Arbeitnehmer mehr als fünfzig Kilometer pendeln, bei sechs von zehn Berufstätigen sind es unter 25. Ich bin selbst letztes Jahr auf E-Mobilität umgestiegen und kann jedem nur empfehlen, die E-Mobilität mal auszuprobieren, dann stellt man schnell fest, wie groß die Vorteile sind, dass das Fahren mit E-Motor richtig Spaß macht und dass die Reichweitenangst sich auch sehr schnell legt.
Seit Januar 2026 gibt es eine neue E-Auto-Förderung der Bundesregierung. Was läuft beim Umstieg auf E-Mobilität in Deutschland bereits gut und wo besteht noch Verbesserungsbedarf?
Wir sind auf einem sehr guten Weg – Ende 2025 haben wir erstmals die Marke von zwei Millionen vollelektrischen Pkw erreicht und 200.000 öffentliche Ladepunkte machen das Laden außerhalb des eigenen Zuhauses komfortabel möglich. Einzelne „weiße Flecken“ auf der Ladelandkarte füllt aktuell das „Deutschlandnetz“, das sind vom Bundesverkehrsministerium geförderte Ladestandorte in allen Regionen Deutschlands. Überall entstehen hier gerade hochmoderne Ladestationen.
Wie würden Sie die Zukunft der Elektromobilität einschätzen?
Ich bin davon überzeugt, dass die Elektromobilität die Zukunft des Individualverkehrs ist. Die Technologie ist ausgereift, breit verfügbar, schützt unser Klima und reduziert unsere Abhängigkeit von Ölimporten – vor allem mit Blick auf die aktuelle geopolitische Situation im Nahen Osten ein wichtiges Thema. Die immer größeren Reichweiten der E-Autos, das stetig dichtere und leistungsstärkere Ladenetz sowie die finanziellen Vorteile sind die besten Argumente für den Umstieg. Und: die gleiche Entwicklung sehen wir bereits bei Transportern, Stadtbussen und sogar Lkw.