Corona beim Italiener: Jens Spahn in der Kritik nach Restaurantbesuch

Unmittelbar vor seiner Corona-Infektion im Oktober besuchte Gesundheitsminister Jens Spahn das italienische Restaurant „Ponte“ in Berlin-Schöneberg. Eine Frau am Nachbartisch erkrankte nach dem Abend an Covid-19 und kritisiert jetzt das Verhalten von Spahn, der das Restaurant nicht über seine Infektion informierte.

"Herr Spahn hat sich nicht korrekt verhalten. Von einem Gesundheitsminister kann man erwarten, dass er nach einer Infektion auch sein privates Umfeld informiert“ kritisiert Caren Streletzki den Bundesgesundheitsminister bei sueddeutsche.de.

Die 77-jährige Unternehmerin saß am Abend des 18. Oktober, an dem Spahn mit seinem Mann, zwei Bekannten und Personenschützern im Ponte dinierte, zusammen mit Freunden an einem Nachbartisch. Der Abend fühlte sich für Streletzki unbehaglich an, sie fühlte sich in dem Restaurant aufgrund der unzureichenden Belüftung nicht sicher: " Es wurde "nicht für Luft gesorgt". Ob sie sich wirklich im Restaurant angesteckt hat, lässt sich natürlich nicht belegen.

"Wir waren nicht begeistert, dass die Kellner und der Restaurantbesitzer nur ein Plastikvisier getragen haben", sagt auch Georg Alexander gegenüber der SZ, der zum Freundeskreis von Caren Streletzki zählt und mit am Tisch saß. Georg Alexander, früher Hauptabteilungsleiter Spielfilm beim ZDF, sieht auch nur ein kleines gekipptes Fenster in dem Restaurant.

Kein Anruf im Restaurant, nur eine Meldung beim Gesundheitsamt

Drei Tage nach dem Besuch im "Pont" erfährt Alexander von Spahns Infektion - aus der Presse. Er sagt sofort seinen Freunden Bescheid. Einen Tag später wird Caren Streletzki positiv getestet und erkrankt an Covid-19. Es folgt ein einsamer Kampf gegen Fieber, Kopfweh, Druck auf der Brust, Husten. Zwei Wochen ringt sie mit dem Virus, die Symptome sind ernst. Aber sie schreibt dem "Ponte" eine Mail, damit Kellner und Gäste gewarnt sind.

Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn oder sein Mann, ebenfalls infiziert, halten das nicht für notwendig und informieren nur das Gesundheitsamt. "Ein Anruf im Restaurant sei nicht vorgeschrieben, mit der Mail ans Gesundheitsamt habe Spahn seiner Pflicht Genüge getan", erklärt das Bundesministerium für Gesundheit in einer Stellungnahme.

Rechtlich ist der Minister damit auf der sicheren Seite - ein Vorbild in punkto Eigenverantwortung sieht aber sicher anders aus!

 

Veröffentlich am 18.11.2020
Quellen
  • n-tv.de: https://www.n-tv.de/politik/Restaurantbesuch-bringt-Spahn-Kritik-ein-article22176425.html