Warum JEDE*R den ZDF-Film "Das Unwort" sehen sollte 

So etwas findet man selten im TV. Brutal ehrliche, haarsträubende, witzige, beklemmende und ausgezeichnet gespielte Wahrheit. Eine wichtige noch dazu. Wären Kinos aktuell eine Option, hätte die ZDF-Produktion "Das Unwort" es verdient, auf der ganz großen Leinwand zu laufen. Jetzt bietet sie im TV und ab heute in der Mediathek Unterhaltung der Extraklasse.

An einem Abend im Dezember sollen sich Eltern und Schulvertreter im Klassenzimmer treffen, um eine eskalierte Handgreiflichkeit zwischen drei Schülern zu klären. Der vermeintliche Täter ist Max. Doch dann stellt sich heraus, dass der über längere Zeit antisemitischem Mobbing ausgesetzt war und die Schule dem nichts außer Inkompetenz und Imagepflege entgegenzusetzen hatten.

Klingt nach unspannendem, politisch korrektem Lehrstück? Ist es aber gar nicht. Zu sehen ist ein grandios guter Film, in dem absolut alle Darsteller eine packende Performance abliefern - allen voran eine messerscharf agierende Iris Berben als Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde und ein schmierig aufspielender Devid Striesow als Direktor:

Ausgezeichnet auch die überraschenden Wendungen, die die Geschichte nimmt. Bis zum versöhnlichen Schluss, der vielleicht etwas utopisch anmutet. Aber in einer Zeit, in der Antisemitismus zunimmt bzw. offener gezeigt wird, ist die Vision eines besseren Wegs am Ende tröstlich. Besonders weil vorher auf unbarmherzige Weise viele Facetten des Problems im Klassenzimmer durchgespielt wurden - inklusive Prügelei unter den Eltern, kotzender Lehrerin auf der Toilette und einem Teflon-Schulleiter, der alles haben will, nur keine Verantwortung.

Ein schauspielerisches Sahneschnittchen mit mehr als einem Aha-Effekt und durchgehend hohem Spannungslevel dank mangelnder Vorhersehbarkeit.

Das sollte wirklich jede*r sehen: Hier steht der Film in der Mediathek bereit

Empfehlenswert im Anschluss: Die dazugehörige Dokumentation "Hey, ich bin Jude! - Jung.Jüdisch.Deutsch", in der junge Juden und Jüdinnen in Deutschland erzählen, was sie bewegt. HIER kann man sie sich in der ZDF-Mediathek ansehen.

Veröffentlich am 09.11.2020
Aktualisiert am 12.11.2020