DARUM ließen sich Forscher samt Schiff am Nordpol einfrieren

Erstmals erkundeten Forscher ein ganzes Jahr das ewige Eis und ließen dafür samt Schiff am Nordpol einfrieren.  Die ARD-Dokumentation „Expedition Arktis“ begleitet die größte Nordpol-Expedition aller Zeiten ins (noch) ewige Eis.

Es war ein Abenteuer und eine Premiere: Nie zuvor hat eine Expedition die Arktis im Winter erforscht. Wie auch? Das Eis ist selbst für einen 20.000- PS-Eisbrecher wie die Polarstern dann nicht zu knacken. Die Lösung: Der Forschungseisbrecher stieß schon Ende September 2019 in die Arktis vor, dockte an einer Eisscholle an und fror mit der kompletten Crew für über ein Jahr im ewigen Eis fest. Die arktische Drift, die das Eis gen Nordpol trieb, nahm auch das Schiff mit.

„Dass wir im Herbst ins Eis fahren, uns einschließen lassen und die natürliche Drift der Eisscholle nutzen konnten, um im Winter am Nordpol zu forschen, war nur möglich, weil sich 80 Forschungsinstitute aus 20 Ländern beteiligten“, so Dr. Stefanie Arndt im Gespräch mit TV DIGITAL.

Auf der Scholle, die fast ein Jahr zur Heimat der gut 400 Forscher (in 5 Teams) wurde, trotzten Geochemiker, Biologen, Atmosphärenforscher, Physiker und Ozeanografen arktischen Stürmen und Temperaturen von –42 Grad. Sie lebten und arbeiteten wochenlang in völliger Dunkelheit, riskierten Erfrierungen und wateten durch hüfttiefe Schmelztümpel im Eis, um ihre Messgeräte vor den Naturgewalten in Sicherheit zu bringen. Und das alles für ein Ziel: einen Durchbruch in der Klimaforschung.

„Die Arktis ist die Wetterküche der Welt“

Um kontinuierlich Messungen in Luft, Wasser und Eis durchzuführen, bauten Forscher und Logistiker mithilfe von Kränen, Motorschlitten und Schneemobilen auf der 2,5 mal 3,5 Kilometer großen Heimat-Eisscholle eine komplette Forschungsstadt. Mit Camps für jede der Wissenschaftsdisziplinen, verbunden mit der Polarstern über ein Stromnetz aus armdicken Kabeln. Sogar eine Landebahn für Flugzeuge wurde mit einem Pistenbully planiert. Und nie wagte einer auch nur einen Schritt ohne die Aufsicht der Eisbärenwächter – trotz elektrischen Schutzzauns.

Eine gigantische Datenmenge von 150 Terabyte haben die Wissenschaftler zusammengetragen, um auch kleinste Faktoren zuverlässig bestimmen zu können, die relevant für Aussagen über das künftige Klima sind „Die Arktis ist die Wetterküche der Welt, selbst den Grund für Extremwetterlagen wie unsere trockenen Sommer finden wir dort“, stellt Stefanie Arndt klar. „Darum ist es so wichtig, die Veränderungen in der Arktis genau zu messen.“ Mi den präzisierten Klimamodellen wollen die Forscher Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht nur prophezeien, wohin es führt, wenn wir wie bisher weitermachen.

Text: Sabine Krempl

„Expedition Arktis“: Mo, 16. November im Ersten

Im Anschluss an die TV-Doku wird Frank Plaßberg in „Hart aber fair“ (21.45 Uhr) zum Thema „Auf dünnem Eis – wie viel Zeit lässt uns der Klimawandel noch?“ mit diesen Gästen dsikutieren:

  • Ralph Brinkhaus (CDU, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
  • Antje Boetius (Meeresbiologin; als Direktorin des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung hat sie die „Polarstern“ Arktis-Expedition koordiniert)
  • Hannes Jaenicke (Schauspieler; Autor etlicher Natur- und Umweltdokumentationen)
  • Carla Reemtsma (Studentin; Klima-Aktivistin; Mitorganisatorin der „Fridays for Future“-Demos)
  • Dirk Spenner (Unternehmer; Chef des Familienunternehmens Spenner Zement)
Veröffentlich am 16.11.2020