Iris Berben: So alt sah sie noch nie aus

Strahlend schön, wie gewohnt, präsentierte sich Iris Berben im August zu ihren 70. Geburtstag. Doch wenn sie am Sonntag in der Bestseller-Verfilmung „Altes Land“ zu sehen ist, könnte man sie auch locker für eine über 80-Jährige halten.

Der Bestseller „Altes Land“ von Dörte Hansen, der fürs ZDF verfilmt wurde, erzählt die aufwühlende Geschichte von Vera Eckhoff, die im Alter von fünf Jahren mit ihrer Mutter aus Ostpreußen ins „Alte Land“ flüchtet, ein Obstanbaugebiet vor den Toren Hamburgs. Die Biografie von Vera steht dabei stellvertretend steht für viele Schicksale von Müttern und Großmüttern in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. „Ich habe das Buch verschlungen und war mehr als glücklich, als man mich fragte, ob ich die Hauptrolle übernehmen würde“, erzählt Iris Berben, die Vera als eine burschikose, wortkarge Frau mit sperrigem Gang spielt.

Für ihre Rolle musste Iris Berben während der Dreharbeiten stark altern. Der ZDF-Zweiteiler spielt auf mehreren Zeitebenen, die geschickt ineinander verflochten sind. Während Maria Ehrich (27) dabei als junge Vera zu sehen ist, spielt Iris Berben die Hauptfigur in der jüngeren Vergangenheit und in der Gegenwart - als 80-Jährige. 

Das ZDF zeigt den Zweiteiler Sonntag und Montag, 15. und 16. November um jeweils 20.15 Uhr. In der Mediathek sind die beiden Folgen bereits ab Samstag, 14 November abrufbar.

Dank aufwendiger Maske und ungekämmtem Haar bleibt von der Grande Dame des deutschen Fernsehfilms nicht viel übrig, wenn sie mürbe-mürrisch über den alten Hof stapft und nach dem Ausritt rauchend auf der Holzbank sitzt. An Altersgebrechlichkeit wird Iris Berben nur von Milan Peschel (52) übertroffen, der dank Zauber-Maske über die Jahre zum Greis mutiert.

Peschel spielt Veras Stiefvater Karl Eckhoff, mit dem sie allein auf dem Hof bleibt, nachdem ihre Mutter das Alte Land verlässt, um für sich im feinen Hamburg ein neues Leben mit Mann und Kind aufzubauen.

"Altes Land" stimmt einen nachdenklich

In ihrer neuen Heimat ist Vera nie wirklich angekommen. Auch deshalb lässt sie den idyllischen Fachwerkhof im Alter wohl verfallen, bis ihre Nichte (Svenja Liesau) mit ihrem kleinen Sohn Leon vor der Tür steht. Genau wie Vera fühlt Anne sich im Leben nirgendwo zugehörig, und wie einst nach dem Krieg die Flüchtlinge ist auch sie auf der Suche nach einem Unterschlupf.

Vera scheint selbst überrascht, dass sie plötzlich Nähe zulassen kann. „Der Film hat sehr viel mit heute zu tun und stimmt einen auch nachdenklich“, sagt Iris Berben. „Es geht immer um die Frage, wohin und wozu man gehört.“

Veröffentlich am 13.11.2020