Oscar-Dankesreden 2020: Die Stars halten nicht zurück

Die Dankesreden bei den Academy Awards sind mindestens so interessant, wie die Gewinner selbst. Kontroversen, kleine Spitzen gegen Feinde oder Appelle bezüglich des Klimawandels sind keine Seltenheit – auch dieses Jahr nicht.

In den 45 Sekunden, die den Gewinnern zugesprochen werden, wird manchmal viel gesagt. 2003 hat Michael Moore gegen George Bush gewettert, 1972 hat sich Jane Fonda mit ihrer Dankesrede gegen den Vietnamkrieg ausgesprochen und ein Jahr später schickte Marlon Brando eine nordamerikanische Ureinwohnerin, die den Preis für ihn annahm. Brando ließ über sie verkünden, er wolle den Preis nicht annehmen, da er es nicht unterstützt, wie die nordamerikanischen Ureinwohner in der Hollywood-Filmindustrie behandelt werden. 

Ganz so kontrovers wurde es bei den Academy Awards 2020 nicht. Brad Pitt, der den Oscar als bester Nebendarsteller gewann, stichelte gegen das abgeschlossene Amtsenthebungsverfahren: Die 45 Sekunden Redezeit, die er hat, seien mehr, als den Zeugen gegen Trump im Verfahren zugesprochen wurde.

Taika Waititi, Gewinner des besten adaptierten Drehbuchs, widmete seinen Oscar allen indigenen Kindern weltweit, denn diese seien die ursprünglichsten Geschichtenerzähler. Er verweist damit nicht nur auf seine eigene Maori-Herkunft als indigener Neuseeländer, sondern auch auf die Kultur von nordamerikanischen Ureinwohnern, in denen erzählte Geschichten einen Großteil der Kultur bestimmen. Schon bei den BATFAs witzelte er, dass es sehr nett sei, endlich etwas Gold von England, dem Land, das Neuseeland einst eroberte, zurück zu stehlen – dorthin, wo es hingehört.

Joaquin Phoenix, der den Preis als bester Hauptdarsteller gewann, sprach kritisch über den Umgang mit der Natur, den Umgang mit natürlich Ressourcen und der Tierwelt. 

Auch die Kleidung mit Kritik behaftet

Nicht nur die Ansprachen äußerten sich kritisch – auch die Kleidung fiel dieses Jahr auf. Billy Porter ist bekannt dafür, Kleider zu tragen und die sozialen Normen von Geschlecht und Genderidentität anzufechten – bei den Oscars trug er ebenfalls ein Kleid. Natalie Portman hingegen zeigte ihre Wertschätzung gegenüber allen weiblichen Regisseurinnen – dieses Jahr war erneut keine einzige Frau als beste Regisseurin nominiert. Portmans Kleid war mit den Namen der Frauen bestickt.
 

Veröffentlich am 10.02.2020