Meret Becker im Berliner „Tatort“: Die Leiche ist ihr echter Vater

Der neue „Tatort: Ein paar Worte nach Mitternacht" (4. Oktober im Ersten) überrascht mit einer ganz speziellen Szene.

In ihrem drittletzten „Tatort“-Fall wird Meret Becker als Kommissarin Nina Rubin zusammen mit ihrem Kollegen Karow (Mark Waschke) zum Tatort auf eine Dachterrasse gerufen, wo der erschossene Bauunternehmer Klaus Keller gefunden wurde.

Eigentlich alles übliche Ermittlungs-Routine, doch der Tote wird von Rolf Becker (85) gespielt – und der ist im echten Leben Meret Beckers Vater. Zu einem Dialog im gemeinsamen TV-Auftritt kommt es leider nicht. Schließlich spielt Rolf Becker die Leiche, die nur in Rückblenden zu Wort kommt und vor seinem Ableben keinen Kontakt zu Kommissarin Rubin hatte.

Gemeinsam mit ihrem Bruder Ben ist Meret Becker (51) bei ihrem Stiefvater Otto Sander aufgewachsen, doch auch der Kontakt zu ihrem leiblichen Vater war nie abgerissen. Einen gemeinsamen Auftritt im Fernsehen hatten sie bisher aber nur ein einziges Mal: In der Krimikomödie „Heinrich der Sänger“ spielten sie vor 20 Jahren Vater und Tochter.

Im Berliner „Tatort: Ein paar Worte nach Mitternacht" geht es um deutsche Geschichte, alte und neue Nazis und Stasi-Spitzel in der eigenen Familie. In ihrem Debüt-"Tatort" fesselt Regisseurin Lena Knauss die Zuschauer mit einem komplexen Familie-Drama, in dem auch ein ehemaliger „Tatort“-Kommissar aus Frankfurt eine wichtige Rolle hat: Jörg Schüttauf spielt den rechts-nationalen Politiker Fredo Keller, ein Neffe des toten Bauunternehmers.

Darum geht's heute im "Tatort"

Klaus Keller hat sich zeitlebens für die Versöhnung mit den Opfern das Nationalsozialismus eingesetzt, als Krönung seines Lebens sollte ein Holocaust-Dokuzentrum in Israel gebaut werden. Doch an seinem 90. Geburtstag wird er aus nächster Nähe erschossen, wie bei einer Hinrichtung. Auf einem Pappschild um den Hals steht: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“, was wie eine SS-Parole klingt.

Der Tote hatte einen Bruder, der im Osten bei der Stasi war. Auch nach dem Mauerfall haben sie nie miteinander gesprochen und  kurze Zeit später ist er tot: Er springt vom Dach eines Krankenhauses. Ein brutaler Riss quer durch eine deutsch-deutsche Familie,  passend zu 30 Jahren Deutsche Einheit.

Nina Rubin will den Fall  unbedingt abgeben. Sie vermutet einen rechtsradikalen Anschlag und will den Staatsschutz einschalten. Vor allem aber will sie als jüdische Kommissarin nicht durch braunen Sumpf stapfen. Der Staatsschutz fühlt sich aber nicht zuständig und der gewohnt herzlose Karow empfiehlt ihr pragmatisch Gummistiefel gegen die persönliche Betroffenheit.

 

 

Veröffentlich am 04.10.2020
Aktualisiert am 12.11.2020