„Tatort“: DARUM ist Ulrich Tukur als Autohändler eine Fehlbesetzung

LKA-Ermittler Felix Murot begegnet im neuen „Tatort: Die Ferien des Monsieur Murot“ plötzlich seinem Doppelgänger: Dem Gebrauchtwagenhändler Boenfeld. Ulrich Tukur glänzt in der Doppelrolle, obwohl er mit Autos eher wenig anfangen kann.

Kommissar Murot ist im wohlverdienten Urlaub und trifft – sich selbst. Der verheiratete Gebrauchtwagenhändler Walter Boenfeld gleicht ihm wie ein Zwilling und lädt ihn zum Trinken, quatschen und saunieren in sein Haus ein. Doch das Leben als Zwilling ist für Murot schnell wieder beendet. Nachdem die beiden aus Jux ihre Klamotten getauscht haben, pennt Murot im Garten ein und Boenfeld wird auf der Landstraße gezielt über den Haufen gefahren.  

Weil er versehentlich für tot erklärt wird, schlüpft der Kommissar in Boenfelds Rolle und spielt den Ehemann von Monika Boenfeld (Anne Ratte-Polle), um den Mord aufzuklären. Als Oldtimerfan und Ro-80-Fahrer darf Murot nun zwischen alten Saabs und Alfas schwadronierend den Inhaber eines Autohauses spielen.

Ulrich Tukur läuft in seiner Rolle als Gebrauchtwagenhändler mit Goldkettchen zwischen edlen Karossen zur Hochform auf. Dabei kann der 63-jährige "Tatort"-Star kurioserweise mit Autos (fast) überhaupt nix anfangen: „Ich selbst besitze kein Automobil.  Ich hasse alles, was sich bewegt und Krach macht: Rasenmäher, Baumaschinen, Flugzeuge, Motorräder, Autos, Laubbläser und Staubsauger. Nur der Ro 80 bildet eine Ausnahme; er ist kein Auto, er ist eine elegante Ingenieursidee.“ Murot fährt im „Tatort“ immer einen NSU Ro 80, der aufgrund seiner besonderen Antriebsart (Drehkolbenmotor) und seiner wegweisen Aerodynamik Ende der 1960er Jahr als revolutionär galt.

DARUM ist der  Doppelgänger-"TATORT" sehenswert

Der neunte „Tatort“ mit den besonderen Kommissar aus Hessen, der besondere Fälle löst, ist eine einfallsreiche und klug konstruierte Geschichte, in der das gute alte Doppelgängermotiv herrlich an die klassische französische Komödie über „Die Ferien des Monsieur Hulot“ erinnert.

Der ewige Einzelgänger Murot darf in diesem Fall erstmals Gefühle entwickeln, denn sein Interesse an Monika Boenfeld hat bald nicht nur dienstliche Gründe. In Frage gestellt wird sein Verhalten nicht nur von seiner zweifelnden Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp), sondern auch vom toten Walter, der ihm immer wieder im Traum erscheint. Eigentlich glänzt Ulrich Tukur also in drei Rollen!

"Die Ferien des Monsieur Murot": Sonntag, 22. November, 20.15 Uhr im Ersten

Veröffentlich am 21.11.2020