Was "Netflix and Chill" bedeutet (und wie Netflix das findet)

Das "Netflix and Chill" nicht (nur) für gemütliches Seriengucken steht, ist ja bekannt. Aber was heißt es denn nun genau, wie kam's dazu und wie findet eigentlich Netflix selbst die zweckentfremdete Nutzung ihres Firmennamens?

Für eine Brand gibt es eigentlich nix Besseres, als wenn der Firmenname Eingang in die Alltagssprache findet. So nach dem Motto "Ich muss das mal googeln" oder "Ich brauch Tesa". Aber was ist, wenn die Marke zum Synonym für Sex wird?

Angefangen hat's im Herbst 2014. Da wandelte sich die Bedeutung des schon ca. 2009 entstandenen Ausdrucks "Netflix and Chill" vom entspannten Genießen des Video-on-Demand-Angebots (gerne solo) zur eindeutig zweideutigen Einladung zum Sex – angewandt bei der Abendplanung von Pärchen und als Code beim Date.

So fern liegt's ja auch nicht: Gemeinsames Filmegucken, ob nun im Kino oder – noch besser daheim – war schon immer eine Gelegenheit, sich körperlich näherzukommen

Nach und nach verbreitete sich das vor allem via Twitter, die ersten Memes zum Thema entstanden. Im April 2015 landete die Phrase im "Urban Dictionary", sozusagen die offizielle Aufnahme in die Umgangssprache.

Netflix, das Hipster-Unternehmen aus dem zukunftsorientierten Silicon Valley, hat natürlich nicht versucht, die erotische Zweitbedeutung zu stoppen. Wäre wohl auch vergeblich gewesen. Nein, die einzige offizielle "Äußerung" zum Thema ist richtig cool.

Denn im Juli 2015 signalisierte Netflix via Twitter, dass man im Unternehmen im Bilde ist und die Sache mit Humor nimmt:

Wer den Filmausschnitt oben nicht kennt: Er stammt aus der Komödie "Clueless" und zeigt die Szene, in der die Heldin (Alicia Silverstone) die Einladung ihres Angebeteten zum TV-Abend für ein sinnliches Angebot hält und vor lauter Aufregung beim verführerischen Haarezurückwerfen vom Bett fällt.

Seit 2015 ist nun schon einige Zeit vergangen, die Zweitbedeutung hat sich gehalten, auch wenn es weiterhin üblich und möglich ist, "Netflix and Chill" als Bezeichnung für den faulen Fernsehabend zu nutzen.

2018 fand Rapper Kay-One, dass ein Song zur Catchphrase fällig ist und tat sich mit Mike Singer zu diesem Titel zusammen, der vielleicht nicht über den intelligentesten Songtext aller Zeiten verfügt, aber die weiterhin bestehende Aktualität der Umgangssprachennutzung belegt:

Veröffentlich am 21.08.2018
Aktualisiert am 23.08.2018