Kopfhörer: Das musst du wissen

Geschlossen, halboffen oder doch ganz offen? Reingesteckt oder aufgesetzt? Mit Kabel oder doch lieber ohne? Du hast die Qual der Wahl: Die Auswahl an Kopfhören und Bauarten ist mittlerweile riesig. So muss es aber auch sein. Denn Einsatzbereiche und Soundvorlieben sind oftmals völlig grundverschieden. Nur wenn du genau weißt, worauf bei Kopfhörern zu achten ist, kannst du das genau richtige Modell für dich finden.

1. Die einzelnen Bauformen im Überblick

Im Allgemeinen kann man sich im Hinblick auf die Bauform zwischen fünf verschiedenen Varianten entscheiden:

 

1.1 Muschel-Kopfhörer: Das Urgestein

Das Muschel-Modell stellt die klassische Variante dar. Diese Bauform besteht immer aus zwei Muscheln, die über dem Kopf mit einem Bügel verbunden sind. Unterscheiden musst du hier zwischen On-Ear-Modellen und den Over-Ear-Modellen. Letztere umschließen grundsätzlich das gesamte Ohr, berühren es dabei allerdings nicht. Modelle dieser Art stellen die größte Bauform von Kopfhörern dar. Sie sind prädestiniert für das Hören von TV-Sendungen oder Musik auf dem Sofa in den eigenen vier Wänden. Demgegenüber verfügen die On-Ear-Varianten über kleinere Muscheln, die direkt auf den Ohren aufliegen. Viele der erhältlichen Modelle lassen sich dabei zusammenklappen, so dass sie jederzeit auf Reisen mitgenommen werden können.

1.2 On-Ear-Kopfhörer: Bietet ein ganz besonderes Klangbild

Entscheidest du dich dagegen für die so bezeichneten On-Ear-Kopfhörer, erhältst du Modelle, die mit einem Polster direkt auf dem Ohr aufliegen, dabei aber dennoch einen Wärmeaustausch ermöglichen. Dadurch entwickelt sich am Ohr kaum Wärme, was im Endeffekt auch das Hören angenehmer machen kann. Allerdings haben On-Ear-Kopfhörer aufgrund der Membran-Größe ein besonderes Klangbild. Denn: Je größer das verbaute Membran ist, desto größer ist in der Regel auch der Raumklang. Die auf den Ohren aufliegenden Polster bestehen zumeist aus Leder oder Kunstleder; manchmal kommen auch textile Materialien zum Einsatz. Da die meisten Modelle klappbar sind, kannst du diese Art von Kopfhörern auch optimal für unterwegs nutzen.

1.3 Ohrbügel-Kopfhörer: Die Lösung für Sportbegeisterte

Möchtest du beim Fernsehen oder beim Musik hören Sport treiben? Dann solltest du dich für Ohrbügel-Kopfhörer entscheiden. Zumeist basieren die Ohrbügel-Modelle auf In-Ear-Kopfhörern, die zusätzlich mit einem Bügel ausgestattet sind, der über dem Ohr anliegt. Selbst bei erschütterungsreichen Bewegungen bzw. Sportarten rutscht er so nicht leicht aus den Ohren. Allerdings geht die Tragesicherheit oftmals zu Lasten des Tragekomforts.

1.4 Nackenbügel-Kopfhörer: Bewegungsfreiheit und einen sicheren Halt

Auch Nackenbügel-Varianten gelten in der Mehrzahl als Sport-Modelle. Allerdings kommen sie mittlerweile auch verstärkt bei trendigen Alltags-Modellen in Mode. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Frisur bei dieser Version durch das Tragen nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Nackenbügel-Modelle bieten einen sicheren Halt und trotzdem genug Bewegungsfreiheit. Der feste Halt wird dabei vom seitlichen Druck der Bügel erzeugt.

1.5 In-Ear-Kopfhörer: Hervorragend geeignet für den mobilen Gebrauch und bei Bewegungen

Zum einen gibt es da die so bezeichneten In-Ear-Modelle; diese werden direkt in das Ohr gesteckt. Die Besonderheit dabei: Die Membran sitzt im Gegensatz zu anderen Bauformen deutlich näher am Trommelfell. Zudem ist die Membran grundsätzlich kleiner als bei anderen Varianten. Achte dabei immer besonders auf die Passform. Denn In-Ears können ihre Tücken haben. So kann es zum Beispiel passieren, dass dir ein Kopfhörer dieser Art beim Joggen oder auch schon beim normalen Gehen herausfällt, wenn er nicht optimal passt. Stimmt die Passform allerdings, kannst du dich auf ungestörten Hörgenuss freuen. Denn die qualitativ hochwertigen Modelle dichten den Gehörgang zuverlässig ab, so dass man von keinerlei Nebengeräuschen von draußen gestört wird. Grundsätzlich stellen die leichten In-Ear-Varianten die beste Lösung dar, wenn man unterwegs ist oder zum Beispiel im Park joggt.

1.6 Kinnbügel-Kopfhörer: Nur im Sitzen empfehlenswert

Modelle dieser Art sind eigentlich nur interessant für das Hören im Sitzen bzw. bei sitzenden Tätigkeiten. So stellen Kinnbügel-Modelle das Arbeitswerkzeug zum Beispiel von Dolmetschern oder Mitarbeitern in Sprachlaboren dar. Der große Vorteil dieser Bauform liegt in dem Umstand begründet, dass sie sehr lange am Stück getragen werden können, ohne dass der Bügel am Kinn anfängt zu drücken.

Für jeden Verwendungszweck den richtigen Kopfhörer

Du kannst Kopfhörermodelle auch immer gezielt auf den Verwendungszweck ausgerichtet kaufen. Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Wasserdichte Modelle: Bestehen meistens aus Gummi und Plastik. Einige Modelle sind bis zu zwei Meter Tiefe wasserdicht. Bestens geeignet für Schwimmen und Tauchen.
- Gaming Modelle: Haben in der Regel immer eine geschlossene Bauform zwecks optimaler Abschirmung. Wichtig sind zudem eine aktive Rauschunterdrückung, eine sehr gute Geräuschortung und ein hoher Tragekomfort. Sind zudem fast immer mit einem Mikrofon kombiniert (Headset).
- Studio Modelle: Zum Aufnehmen von Tonspuren sollte man immer geschlossene Modelle benutzen, während offene Kopfhörer für das Abmischen die bessere Lösung darstellen.
- Sport Modelle: Achte besonders auf den Tragekomfort. Das Ohr bedeckende Modelle sollten leicht sein und atmungsaktives Material verwenden. Bei In-Ear-Kopfhörern kommt es auf einen guten Sitz und Halt an. Ein Nackenbügel sorgt für zusätzliche Stabilität, ohne zu stören.

1.7 Over-Ear-Kopfhörer: Drei Varianten stehen zur Auswahl

Insgesamt gibt es drei verschiedene Over-Ears-Bauarten. Unterscheiden muss man dabei zwischen den geschlossenen, den halboffenen und den offenen Modellen.

Geschlossene Bauart: Maximale Abschirmung von Außengeräuschen

Bei dieser Bauart verfügt der jeweilige Over-Ear über eine geschlossene Ohrmuschel. Dies hat einen klaren Vorteil. Denn Schall bzw. Geräusche von außen können nicht in den Kopfhörer selbst getragen werden. Du kannst also ungestört Musik hören, ohne dass Geräusche jeglicher Art den Hörgenuss bzw. den Sound beeinträchtigen. Gerade in Tonstudios zählen geschlossene Kopfhörer in der Regel zum Standard. Allerdings hat die geschlossene Bauart auch einen entscheidenden Nachteil. Unter den Ohrmuscheln kann es nämlich sehr warm rund um die Ohren werden. Gerade wenn man etwa im Sommer stärker schwitzt, bekommt man beim längeren Tragen des Kopfhörers schnell "einen Satz heiße Ohren".

Halboffene Bauform: Zwischen Geräuschabschirmung und Belüftung der Ohren

Bei Kopfhörern mit einer halboffenen Bauweise besteht die Ohrmuschelseite in der Regel aus wabenartigen bzw. gitterähnlichen Strukturen. Durch diese Waben zirkuliert dann die Luft. Dadurch wird ein ausgewogener Effekt erreicht. Zum einen kannst du dich bei Kopfhörern dieser Art auf eine zufriedenstellende Belüftung der Ohren verlassen; zum anderen halten Modelle mit halboffener Bauform trotzdem etwaige Nebengeräusche so weit ab, dass du – im Vergleich zu Kopfhörern mit geschlossener Bauform – beim Hören von Musik oder zum Beispiel auch von Hörbüchern nur minimal stören.

Offene Bauform: Natürlicher Klang und erstklassige Belüftung

Wie es der Name bereits ausdrückt, stellt diese Bauform das komplette Gegenteil zu der geschlossenen Bauform dar. Im Gegensatz zur letzteren Bauart ist in diesem Fall die Ohrmuschel-Außenseite mit luftdurchlässigem Material versehen. Im Gegensatz zur geschlossenen Variante ist die Ohrmuschel auch nicht von Kunststoff umschlossen. Durch diese offene Bauweise kann die Luft grundsätzlich besser zirkulieren. Warme, schwitzende Ohren gibt es hier also nicht. Aber auch vom Sound her kann man von einem Kopfhörer mit offener Bauweise jederzeit profitieren. Denn laut Erfahrungen und auch Tests haben offene Kopfhörer den natürlichsten Klang aller drei Varianten. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn Störgeräusche von außen können hier ohne Probleme in den Kopfhörer eindringen und den Musikgenuss empfindlich stören. Aufgrund dieser Eigenschaften sollte ein Kopfhörer mit offener Bauform immer nur dann die erste Wahl darstellen, wenn du dich nicht in einer Location mit lauter Umgebung befindest.

 

Kabelgebunden oder kabellos?

Vorteile von kabelgebundenen Kopfhörern:

  • Sehr hohe Klangqualität
  • Leichte Bauform
  • Störungsfreie Übertragung
  • Immer betriebsbereit nach dem Einstecken
  • Kein Akku

Vorteile von kabellosen Kopfhörern:

  • Viel Bewegungsfreiheit und Mobilität
  • Sind teilweise mit Surround Sound ausgestattet
  • Kein Wackelkontakt
  • Kein Kabelsalat
  • Keine Kabelbrüche

2. Die Technik von Kopfhörern: Darauf sollte man achten

Für einen guten Klang sind immer die Technik bzw. die verbauten Technologien ein entscheidender Faktor. Im Folgenden findest du die wichtigsten Begriffe:

2.1 Impedanz

Hierbei handelt es sich um den frequenzabhängigen Widerstand. Dieser wird in Ohm angegeben. Verfügt ein Kopfhörermodell über eine hohe Impedanz, muss mehr Spannung von der Audioquelle erzeugt werden, um die entsprechende Lautstärke zu gewährleisten. An folgenden Werten kann man sich orientieren:

- Kopfhörer für mobile Endgeräte - 16 bis 130 Ohm.
- Kopfhörer für Stereoanlagen - 250 bis 500 Ohm.
- High-End-Kopfhörer für Stereoanlagen: 400 bis 800 Ohm.
- Kopfhörer für das Studio - 250 - 600 Ohm.
- Kopfhörer für DJs - 300 bis 800 Ohm.

2.2 Übertragungsbereich

So wird das Intervall an Frequenzen bezeichnet, die der Kopfhörer wiedergibt. Das menschliche Gehör kann grundsätzlich Frequenzen von 16 bis über 20.000 Hertz hören bzw. wahrnehmen. Wenn du brillante Höhen und satte Bässe magst, sollte der neue Kopfhörer den Bereich von etwa fünf bis 25.000 Hertz abdecken.

2.3 Kennschalldruck

An diesem Wert kannst du erkennen, wie laut ein Kopfhörermodell letztendlich ist. Ein Modell mit 98 dB/V ist im Vergleich etwa doppelt so laut wie eine Variante mit 104 dB/V. Aber Vorsicht: Besonders laute Kopfhörer können leicht das Gehör ruinieren.

2.4 Frequenzgang

Ein möglichst linearer Frequenzgang bildet eine hervorragende Basis für einen guten Klang. Dabei führen starke Resonanzen im jeweiligen Präsenzbereich häufig zu einem kühlen und hartem harten Klang. Daher sollten diese Verzerrungen immer nur wenig ausgeprägt sein. Aber: Verzerrungen im Bass sind gegenüber Resonanzen in den Höhen harmloser, da das Ohr bei Höhen deutlich empfindlicher reagiert.

2.5 Klirrfaktor

Weist das Kopfhörermodell einen geringen Klirrfaktor auf, kannst du mit einer nur geringen Verzerrung rechnen, also mit einem besseren Sound. Je tiefer man in die Tasche greift, umso geringer ist in der Regel auch der Klirrfaktor. Minimale Tonverzerrungen garantieren vor allem geschlossene Modelle. Aber auch offene Kopfhörer verfügen oftmals über einen lediglich geringen Klirrfaktor von unter 0,1 Prozent.

2.6 Noice-Cancelling

Wichtig als Abschirmung für unerwünschte Nebengeräusche von außen. Zum Einsatz kommt hierbei die Antischall-Technologie. Gute Markenmodelle schaffen es, entsprechende Geräusche in der Bahn oder im Flieger auszugrenzen. Laut Tests haben allerdings einige Modelle Probleme mit schrillen Frequenzen oder beispielsweise auch mit Windgeräuschen.

2.7 Surround Sound

Surround-Kopfhörer sollen das Gefühl vermitteln, dass der Sound von allen Seiten kommt. Modelle in den höheren Preiskategorien sorgen dabei hörbar für einen volleren Klang.

Diese Anschlüsse und Kopplungen sind bei Kopfhörern am weitesten verbreitet:

- Mini-USB: Eigentlich nur bei In-Ear-Kopfhörern vertreten.
- USB: Möglich ist auch ein USB-Adapter für Klinkerstecker
- Klinkerstecker 2,5 mm: Bei besonders kleinen Geräten.
- Klinkerstecker 3,5 mm: Zumeist für tragbare Geräte.
- Klinkerstecker 4,4 mm: Verbreitet in Tonstudios.
- Klinkerstecker 6,35 mm: Geeignet für Stereoanlagen und andere Geräte aus der Musikproduktion.

3. Fazit: Kopfhörer immer nach dem Verwendungszweck auswählen    

Gute Kopfhörer gibt es in nahezu jeder Preisklasse und schon die billigsten Modelle sind für viele Situationen vollkommen ausreichend. Dennoch sollte man beim Kauf darauf achten, den Kopfhörer entsprechend seinem geplanten Verwendungszweck auszuwählen. Denn mit einem Gaming-Kopfhörer wird man beim Sport nicht glücklich und mit In-Ears macht das Aufnehmen im Studio keinen großen Spaß.

Veröffentlich am 12.10.2018
Aktualisiert am 18.12.2018