Formel 1: die Regeln von Abstand bis Qualifying

In rasantem Tempo flitzen die Autos über die TV-Bildschirme, vorbei an jubelnden Massen in wunderschönen Kulissen. Seit den 1980er hat der Motorsport, besonders die Formel 1, sich zu einem Lieblingssport herausgebildet. Aber welche Regeln gelten bei der Formel 1 eigentlich? Wir klären auf.

Die Formel 1 ist die hochrangigste Rennserie, die von der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) ausgerichtet wird. Sie wird jedes Jahr international ausgetragen und ist seit 1950 eine Weltmeisterschaft. Die Weltmeisterschaft besteht (Stand 2020) aus 21 Einzelrennen, den Grand Prix (Großer Preis), die in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Streckenbedingungen ausgetragen werden. 

Teilnahmebedingungen: Wer darf fahren?

Für die F1 Weltmeisterschaft – und somit auch für die Grand Prix – muss der Fahrer im Besitz der Superlizenz sein, die von der FIA vergeben wird. Voraussetzung ist eine Lizenz der Stufe A. Zudem muss der Antrag auf die Superlizenz bezahlt werden – die FIA-Superlizenz gilt übrigens als teuerste Sportlerlizenz. Bis 2000 war die Superlizenz zudem an den Besitz des Führerscheins gebunden – verlor ein Fahrer den privaten Führerschein aufgrund von Fehlverhalten im Straßenverkehr, erlosch auch die Gültigkeit der Superlizenz. Das ist mittlerweile nicht mehr der Fall. 

Die FIA-Superlizenz ist nur für die jeweilige Saison gültig und wird jedes Jahr neu vergeben. Sie kann durch Strafpunkte wieder entzogen werden – wie ein privater Führerschein werden bei Vergehen Punkte vergeben. Nach zwölf Fehlpunkten wird die Lizenz terminiert.

Weitere Bedingungen zum Erhalt einer Superlizenz sind seit 2016 unter anderem:

  • Mindestens 18 Jahre alt
  • In Besitz eines gültigen Führerscheins
  • In zwei Jahren mindestens 80 Prozent der Rennen in von der FIA festgelegten Wettbewerben bestritten haben
  • In der vergangenen Saison fünf Grand Prix oder den vergangenen drei Saisons 15 Grand Prix gefahren oder in drei Jahren 40 Punkte innerhalb eines Punktesystems erhalten haben

Seit 2018 muss ein Testfahrer mindestens sechs Rennen der Formel 2 gefahren sein oder 25 Punkte in drei Jahren nach dem aktuellen System erreicht haben.

Formel-1-Regeln zur Technik des Autos

Nicht nur die Fahrer müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen, um an einem Formel-1-Rennen teilzunehmen, auch die Autos unterliegen strengen technischen Vorschriften.

Reifen

Einige der wichtigsten und vielleicht kompliziertesten Formel-1-Regeln gibt es rund um die Reifen der Autos. Seit 2011 und bis einschließlich 2022 ist Pirelli der offizielle Reifenhersteller der Formel 1. In der Saison 2020 wurden fünf neue Slick-Reifenmischungen vorstellt, die von sehr hart bis weich rangieren und mit Farbcodes sowie Nummerierungen gekennzeichnet sind. Pro Rennen dürfen drei Mischungen verwendet werden.
 

Farbkodierung Nummerierung Härte Verwendung
weiß C1 sehr hart Reifen für hohe Belastungen und Strecken mit engen Kurven oder hoher Umgebungstemperatur
weiß - gelb  C2 härterer Mediumreifen Reifen für hohe Umgebungstemperaturen und hohe Geschwindigkeiten
weiß - gelb - rot C3 mittlere bis weiche Mischung Reifen für Performance, hohe Anpassungsfähigkeit an Streckenbedingungen
gelb - rot  C4 weiche bis sehr weiche Mischung Reifen mit hoher Performance und schneller Aufwärmdauer
rot C5 sehr weiche Mischung Reifen für hohen Grip und Geschwindigkeit, sehr kurze Lebensdauer

Daneben gibt es auch Intermediate Reifen (grüne Farbkodierung), die auch bei Regen eingesetzt werden können, sowie die blau kodierten Regenreifen.

In Training und Qualifying dürfen die Fahrer ihre Reifen frei wählen. Im Rennen muss dann eine von Pirelli nominierte Reifenmischung eine ganze Runde zum Einsatz kommen, danach steht die Wahl zwischen den anderen beiden, vor dem Rennen ausgewählten, Mischungen frei. In den ersten fünf Grand Prix kann jedoch nicht gewählt werden – aus Sicherheitsgründen wählt Pirelli die Reifen.

Jedem Fahrer stehen pro Rennwochenende 13 Sätze Trockenreifen, vier Intermediate-Reifen und drei Regenreifen zur Verfügung. Fahrer, die am dritten Qualifying-Rennen teilnehmen, erhalten einen zusätzlichen Satz Reifen.

Gewicht & Maße des Autos

Bei einem Rennen wird darauf geachtet, möglichst standardisierte Bedingungen für alle Teilnehmer zu schaffen. So gilt seit 2020, dass das Rennauto inklusive Fahrer, Öl und Bremsflüssigkeit mindestens 746 Kilogramm wiegen muss. Dabei wird der Fahrer einzeln gewogen und muss mindestens 80 Kilogramm auf die Waage bringen – wiegt er weniger, werden Gewichte installiert. 

Bei Rennstart darf das Auto mit einer maximalen Spritlast von 110 Kilogramm betankt sein. 

Keines der Autos ist breiter als 1,80 Meter oder höher als einen Meter – die Länge darf allerdings variieren. 

Testverbot: So sehen die Formel-1-Regeln zu Testfahrten aus

Während der gesamten Rennsaison gilt eigentlich ein Testverbot – es kann jedoch umgangen werden. Sind Formel-1-Wagen, die mindestens zwei Jahre alt sind, mit speziellen Academy-Reifen von Pirelli ausgestattet, sind Testfahrten erlaubt. 

Testfahrten sind außerdem in der Zeit zwischen dem 1. Februar bis zehn Tage vor dem ersten Rennen – durch die weltweite Pandemie hatte sich die Testphase etwas verschoben, da die Rennen erst Anfang Juli wieder beginnen. Innerhalb der Zeit gibt es zwei Wochen, in denen es jeweils vier Testfahrttage gibt – mit einem Auto pro Team. 

Während der Saison gibt es ein In-Season-Testing, also Testfahrten, die innerhalb Europas 36 Stunden nach dem Rennen auf der gleichen Strecke abgehalten werden dürfen. Die Hälfte dieser Testphase ist für Fahrer reserviert, die weniger als zwei Grand Prix gefahren sind und im Besitz einer Lizenz A sind – sogenannte Young Driver. 

Grand Prix: großes Event für den Großen Preis

Jeder Grand Prix wird über drei Tage ausgetragen und ist für gewöhnlich nach dem Land benannt, in dem er stattfindet (zum Beispiel "Der Große Preis von Monaco"). Eigentlich hätten 2020 sogar 22 Rennen stattfinden sollen, die Corona-Pandemie machte dem Plan jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Die Distanz, die bei einem Grand Prix zurückgelegt werden muss, variiert je nach Strecke. Es muss die Mindestanzahl an Runden gefahren werden, die, addiert, auf 305 Kilometer kommt. Nur in Monaco wird weniger gefahren: Hier müssen nur 260 Kilometer zurückgelegt werden, da aufgrund der Streckenverhältnisse eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wird.

Insgesamt dürfen 26 Fahrer an den Rennen teilnehmen und um den Weltmeistertitel kämpfen. Ein Rennen dauert maximal zwei Stunden, wird aber spätestens vier Stunden nach Beginn des Rennens abgebrochen.

Ein Grand-Prix-Wochenende ist wie folgt aufgebaut: 

Freitag: Freies Training


Am ersten Tag des Grand-Prix-Wochenendes findet das freie Training statt. Die beiden Trainingseinheiten dauern jeweils 90 Minuten und finden um 10 Uhr und um 15 Uhr statt. Für das Testrennen sowie die Qualifikation erhalten die Fahrer vier Sätze neuer Reifen (drei harte und ein weicher) und die nominierten Fahrer haben die Chance, zwei Autos auszuprobieren.

Samstag: Qualifikationsrennen


Insgesamt drei Qualifikationsrennen entscheiden darüber, wer beim Grand-Prix-Rennen in welcher Position startet. 

Q1: erste Qualifikationsrunde 

  • Dauer: 18 Minuten
  • Reifen: beliebige Mischung
  • Anzahl der ausscheidenden Fahrer: sechs Fahrer bei 22 Teilnehmern, sieben Fahrer bei 24 Teilnehmern und acht Fahrer bei 26 Teilnehmern

Q2: zweite Qualifikationsrunde

  • Dauer: 15 Minuten
  • Reifen: beliebige Mischung
  • Anzahl der ausscheidenden Fahrer: sechs Fahrer bei 22 Teilnehmern, sieben Fahrer bei 24 Teilnehmern und acht Fahrer bei 26 Teilnehmern

Q3: Rennen der Top 10 um die Pole Position

  • Dauer: 12 Minuten
  • Reifen: zusätzlicher Reifensatz für Q3-Fahrer, beliebige Mischung

Sonntag: Grand-Prix-Rennen


Die Top 10 der Qualifikationsrunde müssen mit den Reifen starten, mit denen sie im Q2 ihre schnellste Runde gefahren sind. Alle anderen Fahrer haben freie Reifenwahl.

Der schnellste Fahrer aller Qualifikationsrunden startet das Grand-Prix-Rennen in der Pole Position, also an erster Stelle. Das Rennen beginnt mit der Formierungsrunde, einer Runde, in der es nur darum geht, die durch die Qualifikationsrennen festgelegten Positionen zu festigen. Danach beginnt das Rennen. 

Kommt es auf der Strecke zu Unfällen oder wird das Rennen durch extreme Wetterbedingungen beeinflusst, neutralisiert das sogenannte Safety Car das Rennen. Der Rennleiter entscheidet, wann das Safety Car eingesetzt wird. Es fährt in einer sicheren Geschwindigkeit vor dem Erstplatzierten, bis die Gefahr gebannt ist. Dabei gilt absolutes Überholverbot – die Fahrer bleiben somit auf ihren Positionen, was das Feld zusammenbringt und die Abstände zwischen den Autos verringert. Oft nutzen Fahrer die Saftey Car Phasen auch für einen Boxenstopp, denn der Zeitverlust ist dabei geringer, als bei einem Boxenstopp im Rennen.

Mitunter kann es vorkommen, dass ein Grand Prix mit Saftey Car beendet wird. 

Je nach Position am Ende des Rennens erhalten die Fahrer unterschiedlich viele Punkte, sodass nicht automatisch der Fahrer mit den meisten ersten Plätzen in Grand Prix auch die Weltmeisterschaft gewinnt.

Wertung: nach diesem Punktesystem wird der Weltmeister ermittelt

Punkte werden nur für das Grand-Prix-Rennen, nicht für die Qualifikationen vergeben. Seit 2010 gilt folgende Punkteverteilung: 
 

Platz Punkte
1 25
2 18
3 15
4 12
5 10
6 8
7 6
8 4
9 2
10 1

Seit 2019 bekommt zudem der Fahrer mit der schnellsten Rundenzeit einen Zusatzpunkt – sofern der Fahrer sich unter den Top 10 Fahrern des Rennens befindet.

Die Punkte bestimmen, wer Weltmeister wird. Gibt es am Ende der Saison einen Gleichstand, entscheidet die Einzelleistung der Fahrer. Hier wird geschaut, wer mehr erste, zweite, dritte usw. Plätze gewonnen hat, bis sich daraus ein Sieger ermitteln lässt. Gibt es auch hier Gleichstand, entscheidet die FIA nach ausgesuchten Kriterien, wer den Titel erhält. Letzteres ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Wird ein Rennen abgebrochen – etwa aufgrund von schwierigen Witterungsbedingungen, werden die Punkte nur vergeben, wenn der Erstplatzierte mindestens zwei Runden und höchstens 75 Prozent der Renndistanz absolviert hat.

Diese Strafen gibt es bei der Formel 1


Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es nur in der Boxengasse: Hier dürfen nur 80 km/h gefahren werden (60 km/h in Monaco). Fährt ein Fahrer schneller, so wird im Training eine Geldstrafe verhängt. Im eigentlichen Rennen wird das Vergehen jedoch mit einem Stop-and-Go oder einer Durchfahrtstrafe geahndet.

Weitere Strafen sind:

  • Durchfahrtstrafe: Der Fahrer muss nach Verhängen der Strafe einmal durch die Boxengasse fahren, ohne dabei für einen Reifenwechsel anzuhalten.
  • Stop-and-Go-Strafe: Der Fahrer muss ebenfalls die Boxengasse durchfahren, hierbei jedoch zehn Sekunden anhalten. Dabei darf kein regulärer Boxenstopp vollzogen werden.
  • 5- oder 10-Sekunden-Strafe: Beim nächsten Boxenstopp muss der Fahrer fünf oder zehn Sekunden in der Boxengasse verweilen. Fährt er nicht in die Boxengasse, wird die Zeit auf die reguläre Fahrtzeit addiert.
  • Disqualifizierung: Wird ein Fahrer disqualifiziert, scheidet er aus dem Rennen aus, etwa wegen unsportlichen Verhaltens oder weil er eine Boxenampel nicht beachtet hat.
  • Sperrung: Eine Sperrung für ein Rennen erfolgt, nachdem ein Fahrer drei Mal von den Rennkommissaren verwarnt wurde.
Veröffentlich am 08.07.2020
Aktualisiert am 28.09.2020
Quellen
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Superlizenz
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Formel_1
  • https://www.formel1.de/inside/reglement/sportliches-reglement
  • https://www.auto-motor-und-sport.de/formel-1/f1-reglement-2020/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Safety_Car
  • https://www.tutorialspoint.com/formula_one/formula_one_participating_countries.htm
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Formel-1-Regeln#Strafen
  • https://www.tutorialspoint.com/formula_one/formula_one_rules_regulations.htm