Die 5 krassesten Relegationskrimis

Drei Spiele, zwei Teams, ein Sieger – und viele Tränen

Die wohl längste und spannendste Relegation lieferten sich 1988 der SV Darmstadt 98 und der SV Waldhof Mannheim. Weil es damals noch die berüchtigten Entscheidungsspiele gab, mussten die Fans beider Vereine ganze drei Partien in Folge zittern. Denn an Dramatik mangelte es in keiner der einzelnen Begegnungen.

Im Hinspiel drehten die Darmstädter in den letzten Minuten durch die Spieler Dieter Gutzler, Oliver Posniak und Joker Guangming Gu einen 0:2-Rückstand in ein 3:2. Die Euphorie war selbstverständlich riesig, sollte aber nur bis zum Ende des Rückspiels halten – bis zur 86. Minute, in der Peter Lux vom Erstligisten Waldhof zum 2:0 traf.

Für die vorher so hoffnungsvollen Darmstädter schien also schon alles gelaufen. Doch die Lilien zeigten auch im Rückspiel ihre starke Mentalität und kämpften sich zurück: Uwe Kuhl erzielte in der 88. Minute noch das 1:2 – die Rettung in letzter Sekunde.

In der Relegation gab es damals zwar keine Auswärtstorregel, dafür stand ein drittes, entscheidendes Spiel an. Der Spannung kam das zugute und Fußballdeutschland durfte sich auf noch einen weiteren Kracher zwischen den beiden Südwest-Teams freuen. Er stieg am 9. Juni 1988 in Saarbrücken, wo es nach einem umkämpften 0:0 ins Elfmeterschießen ging.

Dort konnte Karl-Heinz Emig mit seinem Elfer den Darmstädter Aufstieg perfekt machen, verschießt aber – Mannheim siegt am Ende mit 5:4. Der unglückliche Schütze musste sich nach der Niederlage auch noch den Kameras stellen. Unerbittlich weinte er und klagte: „Mir ist so unwahrscheinlich schlecht!“ 

Als der Fußballgott den BVB mit einer Kölner Grippewelle beschenkte

1986 freute sich der Kölner Süden über eine hervorragende Ausgangslage nach einem 2:0 seiner Fortuna gegen den großen BVB. Nur ein Sieg mit drei Toren Unterschied hätte den Dortmundern also noch den Klassenerhalt sichern können. Mit einem Sieg mit zwei Toren Unterschied würde sich Dortmund gerade noch in das Entscheidungsspiel retten. 

Aus Kölner Sicht kam es, wie es kommen musste: Die Borussia machte einen 3:1-Sieg im Rückspiel perfekt, obwohl es bis zur 90. Minute nur 2:1 stand und alles nach einem Aufstieg aussah. Das entscheidende BVB-Tor in der Schlussphase schoss Jürgen Wegmann. Dieser hatte sich mit einem kurz zuvor bekannt gegebenen Wechsel zum Erzrivalen aus Gelsenkirchen unbeliebt gemacht. Trotz seiner 14 Saisontore als einer der wenigen Lichtblicke in einer desolaten Dortmunder Mannschaft wurde er bitterlich ausgepfiffen. Mit seinem Tor ließ er die Pfiffe zumindest kurz verstummen: Dank ihm hatte sich Dortmund das Entscheidungsspiel verdient.

Wirklich kurios wurde es aber erst, als das Entscheidungsspiel im neutralen Düsseldorfer Stadion bevorstand. Aufgrund einer Grippe, die in Köln wütete und auch einige der Fortuna-Spieler erwischte, bat der Verein um eine Verschiebung des Spiels. Die wurde dann auch bewilligt. Geholfen hat es aber nichts und die Grippe kam noch einmal zurück. Fünf wichtige Spieler fehlten der Fortuna, die Borussia gewann am Ende mit einem furiosen 8:0.

Es soll einfach nicht klappen: St. Pauli und die Relegation

Am Millerntor wird man sich mit der Relegation nicht mehr anfreunden – obwohl der Kiezclub dort im Jahr 1991 deutlich überlegen war und so lange durch ein Tor von Andre Golke führte. Erst kurz vor Schluss erzielte Marcus Marin, der später übrigens zu St. Pauli wechseln sollte, das aus Stuttgarter Sicht glückliche 1:1.

Das Rückspiel fing für St. Pauli genau so unglücklich an, wie das Hinspiel endete. Schon in der 37. Minute fingen sich die Hamburger eine Rote Karte – Dirk Zander musste vom Platz und sein Team zu zehnt weiterspielen. Die Mannschaft schaffte trotzdem noch ein 1:1.

Es sollte ins Entscheidungsspiel im Parkstadion auf Schalke gehen. Vor 18.000 Zuschauern in Gelsenkirchen gewannen die Kickers dann klar mit einem 3:1 durch Tore der Stuttgarter Vollmer, Cayasso und Fengler. Der Sieg der Schwaben war damals zu keinem Zeitpunkt gefährdet und der FC St. Pauli stellte zu allem Überfluss auch noch einen bitteren Rekord auf: Das Team war als einzige Mannschaft sowohl als Zweitligist, damals im Jahr 1987, als auch als Bundesligist in der Relegation gescheitert. 

Die zu Tausenden mitgereisten Fans sangen nach Ende der Partie lautstark: „Nur ein Jahr, Zweite Liga, nur ein Jahr!“ – helfen sollte es aber nicht, der Verein bliebt auch im nächsten Jahr ohne Aufstiegserfolg. Zumindest in die Relegation mussten sie nicht noch einmal: Sie wurde im selben Jahr mit der Eingliederung der ehemaligen DDR-Oberliga-Teams abgeschafft und erst zur Saison 2008/09 wieder eingeführt.

Kuriose Geschichten in Essen

Nicht nur spannend, sondern denkbar kurios verliefen die Tage um die Aufstiegsspiele zwischen RW Essen und dem Karlsruher SC im Jahr 1980. Vor dem Hinspiel sollte eine Videoanalyse über den KSC dem Essener Team helfen, sich auf die Partie vorzubereiten. Als Trainer Wille Lippens die Aufnahmen bei der Mannschaftssitzung zeigen wollte, stellte sich heraus, dass die Aufnahmen falsch belichtet waren. Die Mannschaft musste ohne taktische Vorbereitung ins Spiel, das mit 5:1 verloren ging.

Die Essener aber gaben sich kämpferisch und kündigten an, im Rückspiel auf Teufel komm raus zu stürmen. Und diesmal sollten auch die Videos funktionieren. Alles also ganz normal bei der Vorbereitung? Nein, denn kurze Zeit später erschien auf einmal der Karlsruher Spieler Gerhard Busch beim Training der Essener. An die Medien drang es nur, weil Trainer Lippens ihn vom Gelände schmiss. Ob er später zu den Essenern wechseln sollte oder tatsächlich ein dreister Spion war, fanden die Zeitungen leider nie heraus. 

Trotz der turbulenten Phase schnupperte Rot-Weiß am Ende tatsächlich noch am Fußballwunder. Die Essener hatten den Rückstand mit einem 3:0 fast schon aufgeholt, als die Karlsruher in der 83. Minute mit dem Anschlusstreffer den Aufstieg sicherte.

Drama auf Schalke: Hochmut kommt vor dem Fall

Im Jahr 1983 war sich Schalkes Trainer Jürgen Sundermann ganz sicher: „Wir packen Uerdingen. Die Chancen stehen 80 zu 20.“ Ob er das in der Halbzeit des Hinspiels noch so unterschrieben hätte? Denn schnell wurden die hochfavorisierten Schalker durch Tore von den Uerdingern Horst Feilzer (7., 39.) und Matthias Herget (44.) in die Schranken gewiesen. Der Schalker Anschlusstreffer in der 77. Minute von Manfred Drexler konnte da schon nicht mehr helfen, den enormen Druck auf die Gelsenkirchener zu verringern. 

Das Rückspiel endete 1:1 und Schalke musste zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit den Gang in Liga 2 antreten. Schon damals mit dem Selbstverständnis eines Topclubs ausgestattet, blieben die Schalker weit hinter den Erwartungen zurück – durften aber kurz darauf wieder in der ersten Liga um Titel mitspielen.

Übrigens wartete im Anschluss eine der erfolgreichsten Zeiten auf den KFC Uerdingen. Zwei Jahre nach dem Aufstieg konnten die Krefelder den DFB-Pokal gewinnen, nachdem sie im Finale gegen den FC Bayern gewannen. Und nur drei Jahre später scheiterte das Team im Europapokal der Pokalsieger erst im Halbfinale an Atlético Madrid.

Legendäre Partien…

…gab es aber auch in der jüngeren Geschichte der Relegation. Vor allem die Partien Gladbach gegen Bochum, HSV gegen Karlsruhe und das Skandalspiel in Düsseldorf gegen Hertha dürften den allermeisten Fans noch bekannt sein. Weil diese Partien den Höhepunkt von langen Abstiegskämpfen boten, lesen Sie darüber mehr in unserem Artikel über die krassesten Abstiegskrimisbstiegskrimis der Bundesliga.

Veröffentlich am 03.07.2020