Ein Jahr Trump II hat nicht nur außenpolitisch Spuren hinterlassen, sondern auch, in Europa fast unbemerkt, deutliche Veränderungen in der Kulturpolitik gebracht. Für "aspekte" reist Jo Schück nach New York, Philadelphia und Washington D.C. und sucht Künstlerinnen, Künstler und Kulturinstitutionen, um eine Bilanz nach einem Jahr Trump II zu ziehen. Was alles andere als einfach ist. Donald Trump und seine Administration greifen durch: nicht nur politisch, sondern auch und vor allem bei einem fundamentalen Freiheitsthema, der Freiheit der Kunst. So jedenfalls ist der Eindruck, den Jo Schück bei seiner Reise entlang der amerikanischen Ostküste gewinnt, denn nie war es so schwer, überhaupt jemanden vor die Kamera zu bekommen: Dutzende Absagen kassierte das Team im Laufe der Recherchen und Dreharbeiten, einige davon klangen sehr nach Ausrede ("Wir müssen einen Weihnachtsbaum aufstellen"), nur sehr wenige lieferten den wohl wahren Grund: Angst. Angst davor, dass "sie uns finden, uns beobachten", wie eine Kulturmanagerin schreibt. Sie hat Angst, gar keine Aufträge mehr zu bekommen. Mit "Sie" sind unter anderem Mitarbeiter des Kennedy-Centers für darstellende Kunst gemeint, dessen Leitung komplett ausgewechselt wurde und das seitdem Kunstprojekte etwa aus der queeren Szene aus dem Programm genommen hat. "Trumps Leute nutzen künstliche Intelligenz, um die Social-Media-Kanäle der Künstler zu scannen", sagt Buchautor Darrell M. West im Interview. Trumps Kulturpolitik ziele darauf ab, das Narrativ von der "elitären Kunst, die sich nicht um kleine Leute kümmert" zu bedienen. Dass das Kennedy Center nun in "The Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts" umbenannt wurde, führte zwar zu Protesten, aber die klangen sehr schnell wieder ab. Was ist los in der demokratischen, linken amerikanischen Kunstszene? Schweigt die Kultur?